Kirchen läuten Glocken aus Verbundenheit mit Flutopfern

Totenklage und Solidarität

Als Zeichen der Verbundenheit mit den Flutopfern im Rheinland und andernorts haben evangelische Landeskirchen und katholische Bistümer ihre Gemeinden zu einem Glockenläuten am Freitagabend aufgerufen. Auch Andachten fanden vielerorts statt.

Kölner Domglocken werden gewartet / © Andreas Kühlken (KNA)
Kölner Domglocken werden gewartet / © Andreas Kühlken ( KNA )

Die Initiative zu der Aktion war von der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) ausgegangen. "Lassen Sie uns gemeinsam hörbar machen, dass wir uns gegenseitig unterstützen, füreinander beten und uns in der Nachfolge Christi gegen die zerstörerischen Mächte des Chaos stemmen", hatte Präses Thorsten Latzel vorab erklärt.

"Menschen sind gestorben oder werden noch vermisst. Häuser wurden weggeschwemmt, Existenzen zerstört." Viele Menschen benötigten jetzt "konkrete, unmittelbare Hilfe und tröstende Zeichen der Solidarität".

Neben der rheinischen haben auch die lippische und westfälische Landeskirche ihre Gemeinden zur Teilnahme aufgerufen. Zudem beteiligten sich die Nordkirche, die Evangelische Kirche der Pfalz, in Hessen und Nassau sowie in Baden und Württemberg. Auf katholischer Seite haben sich die (Erz-)Bistümer Köln, Limburg, Mainz, Münster, Paderborn, Speyer und Trier der Initiative angeschlossen.

Kölner Generalvikar sieht wichtiges Zeichen

"Ich halte diesen Gedanken für sehr sinnvoll und gut", erklärte der Kölner Generalvikar Dr. Markus Hofmann am Freitagmorgen gegenüber DOMRADIO.DE. "Wir haben am Beginn der Corona-Pandemie auch immer wieder die Glocken geläutet und eingeladen, in dieser Situation zu beten," so Hofmann.

"Nun haben wir eine andere große Herausforderung. Viele Menschen sind von schwerem Unglück heimgesucht, haben Angehörige verloren, haben ihr Hab und Gut verloren." Neben der materiellen Hilfe sei auch die Solidarität der Menschen gefragt.

"Dieses verbindende Zeichen auch über die Konfessionsgrenzen hinweg ist ein wirklich deutliches Zeichen: Wir stehen hier zusammen angesichts dieser Herausforderung", sagte der Kölner Generalvikar. Das Glockenläuten des Kölner Doms wurde auch live auf der DOMRADIO.DE-Facebookseite übertragen.

Glocken aus St. Michael in Erftstadt läuten bei DOMRADIO.DE

In Nordrhein-Westfahlen ist auch Erftstadt bei Köln besonders vom Hochwasser getroffen. Die Kirche St. Michael im Stadtteil Blessem ist zwar nicht zertört worden, steht aber am Rand einer vollgelaufenen Kiesgrube und der Strom ist dort nach wie vor ausgefallen.

Weil die Kirchenglocken vor Ort somit nicht läuten konnten, war das vor einigen Jahren aufgezeichnete Glockengeläut aus St. Michael um 18 Uhr im Radioprogramm von DOMRADIO.DE sowie auf der DOMRADIO.DE-Facebookseite zu hören. Die Kirche, die zur Pfarreiengemeinschaft Erftstadt-Ville im Kreisdekanat Rhein-Erft-Kreis des Erzbistums Köln gehört, stammt au den 1960er-Jahren hat hat insgesamt sechs Glocken.

Trierer Weihbischof betont Bedeutung der Klage

Auch im Bistum Trier wurden die Glocken geläutet und eine ökumenische Andacht im Trierer Dom gefeiert. Franz Josef Gebert, der als Weihbischof im Bistum Trier die Andacht von katholischer Seite mitgestaltet, betonte im Interview mit DOMRADIO.DE die Bedeutung des klagenden Gebets im Angesicht von Katastrophen: "Beten heißt, dass wir Gott an unserem Leben teilhaben lassen", so Gebert.

"Das ist ein wichtiger Teil des Gebetes. Und da können wir, glaube ich, viel aus der Bibel lernen. Ein ganz großer Teil der Psalmen sind solche Klagepsalmen, wo Menschen sehr deutlich ihre Fragen, ihr Leid, ihre Ratlosigkeit und auch ihre Klagen aussprechen und Gott sagen: Du gehörst zu unserem Leben dazu und auch zu unserem Leid." Daneben solle die Not der Menschen natrlich auch im fürbittenden Gebet zum Ausdruck kommen.

Thorsten Latzel / © Thomas Lohnes (epd)
Thorsten Latzel / © Thomas Lohnes ( epd )
Weihbischof Franz Josef Gebert / © Julia Steinbrecht (KNA)
Weihbischof Franz Josef Gebert / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
KNA , DR