Das Bistum Trier hat über Flutschäden an Kirchengebäuden berichtet
Blick auf den Trierer Dom
Weihbischof Franz Josef Gebert
Weihbischof Franz Josef Gebert

23.07.2021

Trierer Weihbischof betet bei Andacht für Flutopfer "Wunden und Schmerz werden bleiben"

Beten heißt, Gott an unserem Leben teilhaben zu lassen, sagt Weihbischof Franz Gebert aus Trier. Dazu gehört auch die Klage in erschütternden Momenten. Heute Abend findet im Trierer Dom ein ökumenisches Gebet für die Flutopfer statt.

DOMRADIO.DE: Sie sind der Caritas-Bischof im Bistum Trier. Wie geht es den Menschen in den Katastrophengebieten? Konnten Sie sich schon ein kleines Bild davon machen?

Franz Josef Gebert (Weihbischof im Bistum Trier): Der Caritas-Verband bzw. unser Unternehmen hat an der Ahr mehrere Einrichtungen, die auch sehr betroffen sind. Unsere Caritasverbände vor Ort helfen dort, wo es irgend nur geht in Kooperation mit anderen Hilfswerken. An der Ahr sind das wirklich apokalyptische Bilder, für die man gar keine Vorstellungskraft hat.

DOMRADIO.DE: Viele Menschen spenden Geld, packen in den betroffenen Gebieten in Rheinland-Pfalz und in NRW mit an. Jetzt gibt es heute auch eine Andacht, ein Gebet. Wie kann denn auch das Gebet eine Hilfe für die Betroffenen sein?

Gebert: Beten ist ja nicht nur etwas Formales. Das gibt es zwar auch, aber Beten heißt ja eigentlich, dass wir Gott an unserem Leben teilhaben lassen. Das kennen wir von Feiern und von schönen Lebenssituationen. Aber auch, wenn wir in Ratlosigkeit und in Klage verfallen, wo man oft nicht weiter weiß, wo man noch keine Erklärungen hat. Das heißt, das ist auch ein Teilnehmen lassen an Klage, an Unverständnis und an Schmerz. Das ist ein wichtiger Teil des Gebetes. Und da können wir, glaube ich, viel aus der Bibel lernen.

Ein ganz großer Teil der Psalmen sind solche Klagepsalmen, wo Menschen sehr deutlich ihre Fragen, ihr Leid, ihre Ratlosigkeit und auch ihre Klagen aussprechen und Gott sagen: Du gehörst zu unserem Leben dazu und auch zu unserem Leid. Es ist natürlich ein Stück Solidarität, füreinander zu beten und im Gebet vereint sein. Das ist eben nicht nur im Feiern, sondern auch in schwierigen Situationen ein fühlbares Zeichen der Solidarität und des Trostes, auch für Dinge, die man eben nicht einfach ändern kann, die geschehen sind.

DOMRADIO.DE: Wie werden Sie heute Abend im Trierer Dom diese Solidarität ausdrücken?

Gebert: Die Menschen werden angesprochen, wir werden beginnen mit einem längeren Block, das Glockenläuten. Wir werden hier in Trier die größte Glocke, die Helenenglocke läuten, die auch immer wichtige Ereignisse ankündigt. Und die wird also auf ihre Weise sprechen. Und die Glocken haben ja ohne Worte eine eigene, sehr eindrucksvolle Sprache und eine Botschaft.

Und dann werden wir in einem kurzem Wortgottesdienst die biblischen Texte zur Sprache bringen. Es wird natürlich einige Einordnungen vom Superintendenten und von mir geben, und es wird dann eine ausführliche Stille und natürlich ein fürbittendes Gebet geben, wo wir auch ganz aktiv die Menschen ansprechen, die in besonderer Weise von dieser Not betroffen sind.

DOMRADIO.DE: Abseits von dieser ökumenischen Andacht, wie versucht das Bistum Trier sonst noch, den Menschen in den betroffenen Gebieten zu helfen?

Gebert: Unsere Pfarreien, unsere Mitarbeiter im pastoralen Bereich sind natürlich vor Ort tätig, koordinieren viel mit den örtlichen Mitteln, mit den örtlichen Feuerwehren, mit den kommunalen Stellen. Die Caritasverbände sind natürlich vernetzt und über viele Schienen dabei. Wir haben unendlich viele Ehrenamtliche, die auch aus anderen Einrichtungen kommen. Und wir haben natürlich auch zu Spenden aufgerufen, Caritas und Bistum zusammen. Und wir versuchen dort über den unmittelbaren Kontakt in den örtlichen Caritasverbänden jetzt Menschen in diesen Kreisen in unmittelbaren Notlagen so zu helfen, dass es für sie gut weitergehen kann, soweit das möglich ist.

DOMRADIO.DE: In all der Fassungslosigkeit über diese Katastrophe: Was ist Ihr Wunsch für die Betroffenen?

Gebert: Dass Sie bald wieder in eine Lebensform zurückkommen, die noch einmal etwas befriedet ist. Wunden und Schmerzen werden bleiben. Ich glaube, dass in den nächsten Wochen erst, wenn allein die unmittelbaren Aufräumarbeiten, wenn der Schock sich löst, dass dann die eigentlichen Traumatisierungen und der eigentliche Schmerz erst wirklich deutlich werden.

Und deswegen, glaube ich, ist es wichtig, da auch einen langen Atem zu haben, mitzugehen, zu begleiten, einfach zu tun, was man tun kann, damit es einen Frieden im eigenen Leben gibt. Bei all diesen schrecklichen Ereignissen mit den Narben und den Erinnerungen, die bleiben werden. Aber hoffen wir, dass es eine Form gibt, dass Menschen auch wieder in ihren innerlich und äußerlich friedlichen Alltag hineinwachsen können.

Das Interview führte Gerald Mayer.

(DR)

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