Die katholische Kirche ist die größte religiöse Organisation der Welt. Deshalb hat sie eine dreifache Aufgabe zu lösen. Sie ist erstens gefordert, den Glauben in einer Vielzahl von Sprachen so zu Wort zu bringen, dass alle Menschen guten Willens die gute Nachricht verstehen, die im Namen Jesu verbreitet wird.
Sie ist zweitens gefragt, die Art und Weise, wie sie Kirche ist, auf den Prüfstand zu stellen, damit Menschen, die glaubwürdig in Wort und Tat Zeugnis für Gott ablegen können, auch zu dem Recht kommen, dass sie es dürfen.
Drittens ist die katholische Kirche gefragt, die Welt so zu deuten und zu verändern, dass sie menschlicher wird – aber nicht ausschließlich um den Menschen kreist, sondern zum globalen "Haus der Natur" wird, das auch Tieren und Pflanzen eine Heimstatt ist.
Wie kann die katholische Kirche diese Aufgabe angehen? Und mit wem? Antworten zu finden, ist dringender denn je. Die internationale Solidarität schwindet. Mächte, die fürchten, zu den Verlierern der Weltgeschichte zu gehören, werden aggressiv. Demokratien, die lange partnerschaftlich für eine regelbasierte Weltordnung eintraten, geraten in die Krise.
Das Völkerrecht wird missachtet, die Klimakrise schöngeredet. Die Ideologisierung der Politik schreitet voran. Religionen stehen in der Gefahr des Fundamentalismus – besonders gefährlich, wenn sie nicht nur Macht über Seelen, sondern auch über Staaten anstreben.
"Die katholische Kirche braucht eine strategische Antwort auf die neuen Herausforderungen"
Die Entwicklung nur zu kritisieren, reicht nicht aus. Die katholische Kirche braucht eine strategische Antwort auf die neuen Herausforderungen. Sie muss das Evangelium neu befragen: welche Hoffnung es in einer Welt macht, die aus den Fugen ist. Sie muss sich selbst befragen: wie sie ihre hierarchischen Strukturen so öffnen kann, dass verbindliche Gemeinsamkeit entsteht. Vor allem muss sie ihre Rolle in der Gesellschaft neu bestimmen: Immer seltener findet sie Regierungen, die Personalität, Solidarität, Subsidiarität und Nachhaltigkeit garantieren. Immer stärker muss sie planen, aus eigener Kraft und in neuen Bündnissen eine soziale Entwicklung zu fördern, die menschenrechtlich begründet, ökonomisch gedeckt und ökologisch nachhaltig ist.
Die katholische Kirche hat die Möglichkeit, eine gute Rolle zu spielen. Sie ist Weltkirche. Sie hat zwar enorme interne Probleme. Sie muss sich ehrlich machen, dass der "Katechismus" nur eine kleine Zielgruppe erreicht und der "Glaubenssinn des Gottesvolkes" bislang kaum Foren und Formen gefunden hat, um zu Gehör zu kommen. Aber die Vielsprachigkeit ist größer denn je; an Initiativen, neuen Gebeten, neuen Liedern und neuen Spiritualitätsformen. Auch wenn der Ausgang noch offen ist, hat sich die katholische Kirche auf einen Synodalen Weg gemacht, der ihr Verfassungsproblem lösen kann. Sie hat mit Leo XIV. einen Papst, der weiß, dass er seine Aufgabe dann gut wahrnimmt, wenn er nicht nur die Spezialinteressen der katholischen Kirchen vertritt, sondern zum Sprecher der ganzen Christenheit, zum Förderer des interreligiösen Dialoges und zum Anwalt der ethischen Vernunft in der Welt wird.
Aber wie die katholische Kirche in der globalisierten Welt ihre diakonische, soziale, pädagogische, kulturelle und dann auch politische Aufgabe erfüllen will, muss sie unter den verschärften Bedingungen der Gegenwart neu herausfinden. An Initiativen und Projekten fehlt es nicht: von Caritas International über Justitia et Pax bis zum Flüchtlingswerk der Jesuiten, von den kirchlichen Hilfs- und Solidaritätswerken über Gemeinde- und Bistumspartnerschaften bis zu kirchlichen Basisbewegungen, nicht zu vergessen die Orden, die erfahrensten Gemeinschaften mit den intensivsten Kontakten weltweit.
"Es wäre an der Zeit, die Kräfte zu bündeln"
Finden diese Initiativen zusammen? Konfessionalismus ist fehl am Platz: Ökumene ist angesagt, interreligiöser Dialog ist gefragt, die Zusammenarbeit mit humanitären Organisationen gleich welcher Herkunft ist notwendig. Aber der Appell an universale Solidarität darf nicht zum Allgemeinplatz werden. Es braucht eine Organisation, die vorangeht und Möglichkeiten schafft. Die katholische Kirche ist in der Pflicht. Rom wäre der richtige Ort. Der Papst müsste an Bord sein. Die Kurie kann eine subsidiäre Aufgabe übernehmen. Die beste Expertise für globale Solidarität liegt aber bei den Solidaritäts- und Entwicklungsorganisationen selbst. Auf sie kommt es an.
Sie sind untereinander vernetzt – aber eher informell als institutionell. Es wäre an der Zeit, die Kräfte zu bündeln. Es braucht einen Abgleich der Analysen, wie sich die Lage vor Ort und global entwickelt hat und weiter entwickeln wird. Es braucht auch eine abgestimmte Strategie, um Prioritäten richtig zu setzen, Wirkungen langfristig zu sichern und zurückgehende Mittel effektiv einzusetzen.
2028 wird es eine synodale Kirchenversammlung in Rom geben. Was ist mit einem internationalen Solidaritätskongress in der Ewigen Stadt? Je früher, desto besser. Es braucht eine katholische Internationale!
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