Jüdische Europameisterschaften im Sport zu Gast in Ungarn

Teilnehmer wollen "Zeichen gegen Rechtspopulismus" setzen

Soll man, oder soll man nicht? Die Sportler von Makkabi Deutschland haben sich entschieden, zu den Jüdischen Europameisterschaften im Sport nach Ungarn zu reisen. Sie wollen ihre Teilnahme als Signal verstanden wissen.

Das Wappen des deutschen Makkabi-Teams / © Markus Nowak (KNA)
Das Wappen des deutschen Makkabi-Teams / © Markus Nowak ( KNA )

Ausgerechnet Ungarn, denkt man mit Blick auf die bevorstehenden jüdischen Europameisterschaften im Sport. Die alle vier Jahre stattfindenden European Maccabi Games werden vom 30. Juli bis zum 7. August in Budapest ausgetragen - in dem Land von Viktor Orban und seiner Fidesz-Partei. Ihm werfen Kritiker vor, Demokratie und Rechtsstaat auszuhöhlen. Hinzu kommt die rechte Jobbik-Partei, über die sich nicht nur der Präsident der Konferenz Europäischer Rabbiner, Pinchas Goldschmidt, besorgt im Zusammenhang mit Antisemitismus äußert.

Größten Maccabi Games der Nachkriegsgeschichte

Das ist den Sportlern von Makkabi Deutschland bewusst. "Auch außerhalb der Sportplätze ist Antisemitismus zum Teil der Realität der Juden Europas geworden - so auch in Ungarn", schrieb der Turn- und Sportverband in einer Pressemitteilung, in der unter anderem darüber informiert wird, dass die Maccabi Games in Budapest mit mehr als 3.000 Teilnehmern aus über 40 Staaten die bisher größten der Nachkriegsgeschichte seien.

300 deutsche Sportler nehmen teil

"Seit Beginn der Flüchtlingskrise betreibt Viktor Orban eine Kampagne gegen den ungarisch-jüdischen Investor George Soros. Auch die Nähe Orbans zur AfD betrachten wir als bedenklich", kritisiert der Verband. Es sei jetzt "besonders wichtig, ein deutliches Zeichen gegen den auch in Ungarn erstarkten Rechtspopulismus zu setzen und nicht diesen Spielen fern zu bleiben, sondern erst recht mit der größten Delegation nach Ungarn zu reisen". Deutschland nimmt mit 300 Sportlern teil.

Ein Boykott der Spiele kommt für die Sportler nicht in Frage: "Natürlich haben wir uns gefragt: Sollen, dürfen und wollen wir in Ungarn teilnehmen?", sagt der Präsident von Makkabi Deutschland, Alon Meyer. "Das Für überwiegt aber."

Antisemitismus wichtigstes Problem

Auch Meyer spricht von einem wichtigen Zeichen. "Wir wollen zeigen, dass jüdisches Leben sehr gut möglich ist." Allerdings wisse er auch von einzelnen Verbänden aus dem Ausland, die nicht zu den Spielen reisen wollten. In einer Umfrage hatten vor einigen Monaten 85 Prozent der Juden in der EU gesagt, dass Antisemitismus das wichtigste Problem für sie sei.

Orban habe die Spiele in seinem Land gewollt, sagt Meyer. Kurz nach den European Maccabi Games in Berlin 2015 habe die zuständige Ratsversammlung zu der Frage getagt, ob die nächsten Spiele in der Schweiz oder in Ungarn stattfinden sollten. Die Mehrheit habe sich für das osteuropäische Land entschieden. Ein Aspekt dabei sei gewesen, dass die Regierung das Turnier mit sieben Millionen Euro unterstützen wolle, so Meyer.

Weniger Sicherheitsbedenken als in Deutschland

Sicherheitsbedenken gibt es bisher offenbar nicht. "Es ist nun einmal so, dass sich Juden dort, wo der muslimische Einfluss schwächer ist, etwas sicherer fühlen", betont Meyer. In Berlin sei das anders gewesen. Damit spielt er auch auf Klagen aus der jüdischen Gemeinschaft an, dass Juden mitunter auf das Tragen einer Kippa oder eines Davidsterns in der Öffentlichkeit verzichten oder diese Symbole lieber verstecken.

Jüdische Nationalmannschaft in schwarz-rot-gold

Für die Sportler aus Deutschland wird es in Budapest eine Premiere geben: Zum ersten Mal will die jüdische Nationalmannschaft in den Farben Deutschlands auflaufen. Im November 2018 wurde das blau-weiße Logo durch schwarz-rot-gold ersetzt - "und damit eine neue Ära im Selbstverständnis der Juden in Deutschland eingeläutet", heißt es beim Verband. Dieser Schritt war in der jüdischen Gemeinschaft in der Vergangenheit umstritten und hatte zu Diskussionen geführt.

Diese Debatten, die sich vor allem zwischen den Generationen abgespielt hätten, sei abgeflaut, sagt Meyer. In den Farben schwarz-rot-gold aufzulaufen, sei ein "gesunder Patriotismus". Die Sportler wollten zeigen: Jüdisches Leben sei in Deutschland gut möglich, Juden zögen sich nicht zurück. Der deutsche Makkabi-Verband bringt das jüdische Selbstbewusstsein, von dem Meyer spricht, mit diesem Satz auf den Punkt: "Die Koffer sind ausgepackt. Jüdisches Leben gehört zu Europa - der Antisemitismus nicht!"

Autor/in:
Von Leticia Witte
Quelle:
KNA
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