Josef Schuster besorgt über mehr antisemitische Straftaten

"Das muss uns beunruhigen und zu Konsequenzen führen"

Als Präsident des Zentralrats der Juden hat sich Josef Schuster besorgt über die Zunahme judenfeindlicher Straftaten gezeigt. Auch der Hass im Netz sollte unbedingt in den Blick genommen werden.

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland / © Harald Oppitz (KNA)
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland / © Harald Oppitz ( KNA )

"Der Hass auf Juden ist wesentlicher Bestandteil rechtsextremistischer und islamistischer Ideologien und muss mit aller Härte bekämpft werden", sagte Schuster am Donnerstag in Berlin anlässlich der Veröffentlichung des Verfassungsschutzberichts 2018. "Insbesondere die hohe Waffenaffinität in der rechtsextremen Szene muss uns beunruhigen und zu Konsequenzen führen", verlangte er.

Auch der Hass im Netz sollte unbedingt in den Blick genommen werden, forderte Schuster. Juden würden in den sozialen Medien massiv angefeindet. "Der Aufruf zu Hass und Gewalt gegen Minderheiten, gegen Politiker und die aktive Zivilgesellschaft darf nicht straflos bleiben, denn viel zu oft werden aus Worten Taten", mahnte der Zentralratspräsident.

Dem Bericht zufolge ist die Zahl rechtsextremistisch motivierter Straftaten mit antisemitischem Hintergrund im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 13,7 Prozent auf 1.575 gestiegen. Bei den antisemitischen Gewalttaten war in diesem Bereich ein deutlicher Anstieg um 71,4 Prozent auf 48 Fälle zu verzeichnen.

Daneben wurden auch ausländisch-ideologisch motivierte antisemitische Straftaten erfasst: Hier wurden 93 Fälle registriert, von denen 10 Gewalttaten waren. Im religiös-ideologischen Bereich gab es 32 judenfeindliche Straftaten, darunter 4 Gewalttaten. Linksextremistische Straftaten, die sich gegen Juden richteten, zählten die Verfassungsschützer 13, davon 3 Gewalttaten.

Josef Schuster

Josef Schuster wurde am 20. März 1954 in der israelischen Hafenstadt Haifa geboren. Er kam als Kleinkind nach Unterfranken, wo seine Familie jahrhundertelang gelebt hatte. Sein Vater David stammte aus Bad Brückenau. 1938 zwangen die Nazis die Familie dazu, Deutschland zu verlassen, 1956 kehrten sie zurück nach Würzburg.

Josef Schuster studierte nach dem Abitur Medizin in Würzburg und ließ sich dort 1988 als Internist mit einer eigenen Praxis nieder, die der zweifache Vater bis 2020 führte.

Josef Schuster / © Harald Oppitz (KNA)
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Quelle:
KNA
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