Steinmeier ruft zu Zivilcourage gegen Antisemitismus auf

"Jetzt ist Haltung und Handeln gefragt"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat dazu aufgerufen, Antisemitismus und Hass aktiv zu bekämpfen. "Eine Freiheit ohne Regeln ist am Ende keine Freiheit, sondern fördert das Recht des Stärkeren", betonte der Bundespräsident.

Frank-Walter Steinmeier / © Christoph Schmidt (dpa)
Frank-Walter Steinmeier / © Christoph Schmidt ( dpa )

Am Holocaust-Gedenktag hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Zivilcourage gegen Antisemitismus aufgerufen. "Jetzt ist Haltung und Handeln gefragt", sagte Steinmeier am Dienstag in der Sendung ARD-Extra, die um 20.15 Uhr ausgestrahlt werden sollte. Wenn Antisemitismus auf Straßen, aber auch im privaten Umfeld laut werde, sollte dem widersprochen werden.

Bei Bedrohungen und Gewalt müsse der Rechtsstaat handeln, verfolgen und verurteilen, so das Staatsoberhaupt. Bildung sei wichtig, und da sei in der Vergangenheit auch viel getan worden. Die Arbeit werde allerdings schwieriger, je weiter das Jahr 1945 zurückliege. Viele Schüler wüssten zum Beispiel nicht oder nicht mehr genau, was der Holocaust gewesen sei.

Symbolbild Antisemitismus: Eine schmutzige Kippa liegt auf nassem Asphalt / © Harald Oppitz (KNA)
Symbolbild Antisemitismus: Eine schmutzige Kippa liegt auf nassem Asphalt / © Harald Oppitz ( KNA )

Steinmeier nannte es ein "beunruhigendes Zeichen", wenn Gedenkstätten immer mehr Finanzmittel in die eigene Sicherheit investieren müssten – dies gehe zulasten der inhaltlichen Arbeit. Hier müsse der Staat eine langfristige Unterstützung zeigen.

Freude über jüdisches Leben heute

Jüdinnen und Juden würden angegriffen, beschimpft, diskreditiert und entwürdigt. Das, was teilweise auf Internetplattformen passiere, könne nicht frei laufen gelassen werden. Denn: "Eine Freiheit ohne Regeln ist am Ende keine Freiheit, sondern fördert das Recht des Stärkeren", betonte der Bundespräsident.

Er sagte, er freue sich über wieder gewachsenes jüdisches Leben in Deutschland. Allerdings gebe es nach wie vor offenen Antisemitismus auf den Straßen, noch immer müssten Synagogen von der Polizei geschützt werden. Der Bundespräsident sagte an die Adresse der Jüdinnen und Juden hierzulande: "Ihr seid ein Teil von uns. Dieses Land Deutschland ist nur ganz bei sich, wenn sich Jüdinnen und Juden in unserem Land sicher fühlen können."

Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, auch Holocaust-Gedenktag genannt, erinnert an die Befreiung überlebender Häftlinge des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau im Januar 1945 durch die Rote Armee. In dem größten NS-Lager wurden schätzungsweise etwa 1,1 bis 1,5 Millionen Menschen ermordet.

Seit 1996 gedenken die Menschen in Deutschland an diesem Tag der Millionen Opfer des Völkermords. Im November 2005 verabschiedete auch die Vollversammlung der Vereinten Nationen eine Resolution, die den 27. Januar zum weltweiten Gedenktag erklärte.

Auschwitz und der Holocaust-Gedenktag

Jeweils am 27. Januar wird weltweit der Opfer des Holocaust gedacht. Das Datum erinnert an die Befreiung der überlebenden Häftlinge des größten NS-Konzentrationslagers Auschwitz durch sowjetische Truppen am 27. Januar 1945. Seit 1996 gedenken die Deutschen an diesem Tag der Millionen Opfer des Völkermords. Im November 2005 verabschiedete auch die Vollversammlung der Vereinten Nationen eine Resolution, die den 27. Januar zum weltweiten Gedenktag macht.

Zaun in Auschwitz-Birkenau / © Markus Nowak (KNA)
Zaun in Auschwitz-Birkenau / © Markus Nowak ( KNA )
Quelle:
KNA