Das Krätzchen der Kölschen Kippa Köpp trage er mit Freude und Respekt, sagt der Kölner Stadtdechant Robert Kleine. Seine Mitgliedschaft beim einzigen jüdischen Karnevalsverein sieht er als Zeichen der Solidarität und Verbundenheit. Zu den Kippa Köpp zählen auch weitere rheinische Katholiken, wie der Euskirchener Pfarrer Tobias Hopmann und der aus Köln stammende Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller. Im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) berichten sie, was sie zur Vereinsmitgliedschaft motiviert.
Kleine: Bereicherung für den Kölner Karneval
Stadtdechant Kleine sagte, er habe seit seinem Amtsantritt ein sehr vertrauensvolles und freundschaftliches Verhältnis zur jüdischen Gemeinde in Köln. So habe er 2020 erstmals die von den Kölschen Kippa Köpp organisierte Veranstaltung "Falafel und Kölsch" besucht: "Danach war mir klar: Es ist großartig, dass es wieder einen jüdischen Karnevalsverein in Köln gibt." Die Kippa Köpp seien eine Bereicherung für den Kölner Karneval. "Seither bin ich mit großer Freude Fördermitglied der Kippa Köpp", erklärt Kleine.
Den Theologen Schüller motivierten biografische Gründe: "Ich komme aus einer jüdisch-christlichen Familie mit einem jüdischen Urgroßvater, der neben dem Westfriedhof in Köln auf dem jüdischen Friedhof begraben liegt und ein Kölner durch und durch war - und mit einer Katholikin, meiner Urgroßmutter verheiratet war." Er sei vor der Deportation durch die Nazis eines natürlichen Todes gestorben.
Die Mitgliedschaft bedeute ihm sehr viel, erklärt Schüller, denn es sei für ihn "eine Pflicht, angesichts der braunen Gefahr von rechts klare Kante zu zeigen". Er wolle im Karneval als Ort der freien Rede und der Kritik an den Mächtigen den "kleinen, aber feinen und hoffentlich weiter wachsenden jüdischen Karnevalsverein" unterstützen. "Als Theologe kann ich so auf bürgerschaftliche Weise mit unseren ältesten Geschwistern im Glauben verbunden sein."
An das jüdische Erbe erinnern
Diese Verbundenheit ist auch dem Euskirchener Theologen und Pfarrer Tobias Hopmann wichtig. Gerade Christinnen und Christen hätten eine besondere Verantwortung, für die jüdischen Mitbürger einzustehen und sie zu verteidigen, "weil sie zu uns gehören". Schließlich teilten Juden und Christen das ganze Alte Testament.
Hopmann ist auch Feldkaplan der Kölner Karnevalsgesellschaft Jan von Werth. Dort habe es früher jüdische Mitglieder gegeben. Und auch sonst seien früher viele Jüdinnen und Juden im Karneval aktiv gewesen, so dass das rheinische Brauchtum auch ein jüdisches Erbe habe, das mit dem Dritten Reich verschwunden sei. "Mir ist wichtig, dass dieses jüdische Erbe des Karnevals nicht vergessen wird."
Die "Kölschen Kippa Köpp" sehen sich in der Nachfolger des "Kleinen Kölner Klubs". Darin hatten sich in den 1920er und 1930er Jahren jüdische Kölnerinnen und Kölner zusammengeschlossen, um die fünfte Jahreszeit zu feiern. Nach eigenen Angaben haben die Kölsche Kippa Köpp heute rund 250 Mitglieder, von denen viele auch in anderen Karnevalsgesellschaften aktiv sind.
Äußerungen "widerwärtig und beschämend"
Hopmann sagte, mit Blick in die Vergangenheit seien Deutsche ohnehin gefordert, sich für Jüdinnen und Juden einzusetzen. Und auch Schüller betonte, die Geschichte lehre: "Wehret den Anfängen."
So könne man den aktuellen antisemitischen Angriffen auf den Präsidenten des jüdischen Karnevalsvereins nur mit Entschiedenheit, Solidarität und öffentlicher Zurechtweisung begegnen. Der Präsident der "Kippa Köpp", Aaron Knappstein, hatte zu Beginn der Woche eine an ihn gerichtete anonyme E-Mail mit antisemitischer Anfeindungen öffentlich gemacht. Darin wurde ihm abgesprochen, dass Köln seine Heimat sei.
Kleine äußert sich persönlich erschüttert, "dass sich in unserem Land 80 Jahre nach dem Naziregime ein wahrscheinlich auch nach dem Holocaust immer latent vorhandener Antisemitismus immer stärker öffentlich zeigt". Die Äußerungen gegenüber Aaron Knappstein seien "widerwärtig, menschenverachtend und für mich als deutscher Christ beschämend", so der Stadtdechant.
In den vergangenen Jahren seien in Köln immer wieder Menschen, die eine Kippa trugen, beleidigt und angegangen worden, so Kleine. Natürlich dürfe man die Politik der israelischen Regierung kritisieren, aber es sei unerträglich, wenn sich diese Kritik zu einer allgemeinen "Israel-Kritik" versteige und zur Verunglimpfung und Beleidigung von Menschen jüdischen Glaubens führe.
Karnevalisten sollen sich dem Hass entgegenstellen
Die antisemitischen Anfeindungen sind für Hopmann eine erneute Motivation, seine Solidarität und Verbundenheit zum Judentum zum Ausdruck zu bringen. Er erwartet von Karnevalisten, Christen und "sowieso allen Deutschen", den Mund aufzumachen und deutliche Worte zu finden. Sein Vorschlag: Karnevalistisch Interessierte könnten mit einer Fördermitgliedschaft bei den Kippa Köpp ihre Unterstützung zum Ausdruck bringen.
Ein deutliches Zeichen wäre es aus Schüllers Sicht, wenn das Dreigestirn den Präsidenten der Kölschen Kippa Köpp auf seinen Wagen im Rosenmontagszug mitfahren lassen würde und damit zeige: "Wir sind Kippa Köpp, wer die Kippa Köpp angreift, greift uns als Karnevalisten in der Stadt an."