Christliches Hilfsprojekt in Rumänien kämpft mit der Pandemie

Sozialinitiative Elijah unterstützt Kinder und Jugendliche

In den Roma-Dörfern bei Sibiu in Siebenbürgen schlägt die Pandemie hart zu. "Wir erleben erschütternde Tragödien, junge Mütter sterben", berichtet Elijah-Projektleiterin Ruth Zenkert. Aber es gibt auch Grund zu Optimismus.

Eine Frau steht in traditioneller Kleidung in einem rumänischen Dorf / © Fotokon (shutterstock)
Eine Frau steht in traditioneller Kleidung in einem rumänischen Dorf / © Fotokon ( shutterstock )

Adventbeginn in Rumänien: Auch dort grassiert die vierte Welle; das Gesundheitssystem steht vor dem Kollaps. Der Corona-Notruf empfiehlt hilfesuchenden Familien in den Dörfern, sie mögen zu Hause bleiben. "Wir kommen mit dem Testen nicht nach, die Stationen sind voll", lautet die Standardauskunft, wie die "Elijah Sozialwerke"-Leiterin Ruth Zenkert der Nachrichtenagentur Kathpress berichtet.

Schlimmer als bei früheren Wellen

In den Roma-Dörfern bei Sibiu (Hermannstadt) hat die Pandemie diesmal schlimmer zugeschlagen als bei früheren Wellen. Für die vor zehn Jahren von der deutschen Religionspädagogin und Sozialarbeiterin Ruth Zenkert gemeinsam mit dem österreichischen Jesuitenpater Georg Sporschill in Siebenbürgen gegründete Romahilfe-Initiative Elijah ist die hohe Infektionsrate und die teilweise Schließung der neuen Bildungs- und Sozialeinrichtungen eine enorme Herausforderung. "Wir erleben erschütternde Tragödien. Junge Mütter sterben. Morgen ist wieder ein Begräbnis einer beeindruckenden Frau, mit der wir gearbeitet haben", so Zenkert.

Auch Erfolgsgeschichten während der Corona-Zeit

Sporschill erinnert in einem Adventbrief auf seiner Website an eine andere Seite des Covid-Jahres in den Dörfern: Es habe auch Erfolgsgeschichten gegeben, so etwa die Eröffnung eines Kinderhauses. "Am 1. September hat das Kinderhaus Casa Ilie seine Tore für Kinder geöffnet, die kein Zuhause haben. Das Jugendamt hat sie uns gebracht. Vier Erzieherinnen kümmern sich um die Schützlinge. Bald wird das Haus voll sein, zwölf Kinder werden hier eine neue Familie finden."

Sporschill erinnert die Geschichte der Erzieherin Gianina von der Casa Ilie an die Sorgen der Heiligen Familie um das Kind im Stall. Gianinas Eltern hätten seinerzeit vor der Gewalt in ihrer Großfamilie flüchten müssen. "Sie zogen zum Schafstall, hinauf in die Hügel, wo die paar Schafe und Ziegen von Vater Sonel weiden. Dort bauten sie sich eine Herberge aus mit Lehm verstrichenen Brettern, so wie die Hirten draußen leben. Die Kinder konnten nicht mehr in die Schule gehen. Sie mussten mithelfen, die Tiere hüten, melken, Käse machen. Der Winter war hart."

Hilfe aus dem Sozialzentrum

Die Mutter sei hinunter ins Dorf gegangen und habe im Sozialzentrum um Hilfe gebeten. Leiterin Antoaneta habe eine Lösung gefunden: Die Kinder seien zum Essen in die Kantine und nachmittags in eine Lerngruppe gekommen. Mit Ehrgeiz habe Gianina in der Schule aufgeholt; Antoaneta habe sie ermutigt, aufs Gymnasium zu gehen. "Doch Gianina hatte Angst, die Aufnahmeprüfung nicht zu bestehen. Sie sei nicht fähig, ordentlich zu kommunizieren, meinten die Lehrer. Man rieche den Stall an ihr."

Doch Gianina bestand die Prüfung und machte das Abitur, mit Hauptfach Pädagogik. Jetzt strahle dieses junge Mädchen, das studiere und zugleich Kinder betreue: "Ihr eigenes Leben ist das beste Vorbild, das sie der jungen Bande schenken kann. Gianina ist für uns alle eine große Hoffnung", soder Jesuit.

Bildung im Zentrum der Arbeit von Elijah

Bildung steht im Zentrum der Arbeit von Elijah. In den fünf Dörfern Nou, Nocrich, Tichindeal, Hosman und Marpod sowie in der Stadt Sibiu gibt es Elijah-Projekte. Die aus Baden-Württemberg stammende Ruth Zenkert ist die Pionierin der Elijah-Sozialinitiativen. Sie hatte bereits einen ganzen Winter vor der Ankunft Sporschills im ehemaligen Sachsendorf Nou (ehemals Neudorf) gewohnt und Kontakt zu den dort lebenden Roma-Familien aufgenommen, die in unbeschreiblicher Armut lebten.

Viele erfolgreiche Projekte in zehn Jahren

In den zehn Jahren seither ist viel entstanden: Elijah unterhält Tageszentren, Internate, Musikschulen, eine Hauswirtschaftsschule, einen Bauhof und eine Keramikwerkstatt; dazu diverse Lehrwerkstätten wie Tischlerei, Gärtnerei, Landwirtschaft, Metzgerei, Käserei, Bäckerei, Weberei. Die eigene Gärtnerei versorgt alle Elijah-Einrichtungen mit Gemüse, die Möbel der Zentren sind eigene Erzeugnisse.

In den fünf Dörfern werden Hütten durch neue, wetterfeste Häuser ersetzt. 2021 wurden 15 Häuser errichtet; insgesamt sind es mittlerweile bereits 50. Große Hoffnungen verbinden sich mit neuen Startwohnungen für Gymnasiums- und Berufsschulabsolventen, die bislang im Elijah-Internat in Sibiu wohnten. Sie stehen jetzt im Berufsleben; mehrere wollen Familien gründen.

10. Geburtstag von "Elijah Sozialinitiative"

Ruth Zenkert hofft, dass die geplanten Weihnachtsfeiern in den Sozialzentren mit Liedern und Tänzen nicht wegen der Pandemie abgesagt werden müssen. Aber auch dann sollten die Aufführungen der Kinder und Jugendlichen gestreamt werden; Spender könnten Videos abrufen.

Demnächst begeht die "Elijah Sozialinitiative" ihren 10. Geburtstag als Verein. Heute hat sie 60 feste Mitarbeiter. Elijah wurde als Name gewählt, weil die Initiative wie der biblische Prophet für die Armen eintreten will. In den Richtlinien geht es aber auch um Perspektiven zur Selbstbehauptung der Kinder und Familien: "Schrittweise lernen die Menschen, für sich selbst zu sorgen."

Autor/in:
Georg Pulling
Quelle:
KNA
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