Malteser sehen angespannte Lage an belarusischer Grenze

"Situation nicht ganz so einfach"

Flüchtlingsfamilien harren an der Grenze von Belarus nach Polen in der Kälte aus und hoffen, nach Europa einreisen zu dürfen. Konkrete Hilfe vor Ort zu leisten, ist aufgrund der politischen Lage enorm schwierig, sagt Michael Daemen.

Migranten in Belarus / © Oksana Manchuk (dpa)
Migranten in Belarus / © Oksana Manchuk ( dpa )

DOMRADIO.DE: Wie ist die aktuelle Situation an der Grenze?

Michael Daemen (Referatsleiter Auslandsdienst Malteser Hilfsdienst e.V.): Es sieht momentan so aus, dass ungefähr 3.000 Menschen hier an der Grenze sind. Davon sind ungefähr 300-400 Kinder.

Das ist die aktuelle Lage, wobei die Situation in Belarus ja sowieso schon sehr angespannt ist, nicht nur durch die Flüchtlinge, sondern auch durch die allgemeine politische und wirtschaftliche Situation im Land. Das ist ja ein großes Problem. Da versuchen wir als Malteser, die Caritas als unseren Partner zu unterstützen.

Wir haben mit der Caritas schon über 20 Jahre eine Partnerschaft und versuchen jetzt gezielt erst einmal dort durch Projekte zu helfen. Beziehungsweise jetzt warten wir auf die offizielle Anfrage der Caritas in Belarus, dass wir dort auch gezielt die Flüchtlinge unterstützen können.

DOMRADIO.DE: Wo kommen die Flüchtlinge her?

Daemen: Die Flüchtlinge kommen ja aus unterschiedlichen Ländern wie Syrien und dem Irak. Das sind so die Schwerpunkte. Es sind auch relativ viele von ihnen Kurden, die versuchen in die EU zu kommen.

DOMRADIO.DE: Es sind aber nicht nur die Flüchtlinge, die in großer Not sind, sondern auch die Bevölkerung von Belarus, die diese Situation jetzt auch trifft. Inwiefern?

Daemen: Das große Problem ist, dass die Flüchtlinge durch die staatlichen Organisationen wie die Armee unterstützt werden. Die Armee ist zum Beispiel aufgefordert worden, Brennholz an die Flüchtlinge zu liefern, damit sie es bei den niedrigen Temperaturen warm haben, dass sie sich ein Feuer machen können.

Der Bevölkerung, die im Grenzbereich lebt - das sind meistens ältere, alleinstehende Menschen - ist es aber untersagt, irgendwelche Bäume zu fällen. Sie bekommen in dem Moment keine Hilfe vom Staat. Man muss auch immer bedenken, dass die Renten aufgrund der hohen Inflationsrate von jetzt über neun Prozent immer weniger wert sind und man weniger kaufen kann.

Und jetzt sieht man, dass die Flüchtlinge unterstützt werden und selber bekommt man nichts. Das ist natürlich ein großes Problem. Wir haben in Verbindung mit der Caritas immer versucht, diese Menschen, die Ärmsten der Armen, die in diesen Randgebieten leben, auch mit zu unterstützen.

DOMRADIO.DE: Welche Hilfe können Sie in der Zusammenarbeit mit der Caritas Belarus denn leisten? Was konkret ist schon passiert?

Daemen: Wir warten darauf, dass wir eine offizielle Anfrage kriegen. In einem jüngsten Kontakt ging es darum, ob wir finanzielle Unterstützung leisten können, um zum Beispiel Lebensmittel und Grundnahrungsmittel für die Flüchtlinge zu kaufen beziehungsweise damit noch die eine oder andere warme Decke gekauft wird.

DOMRADIO.DE: Was muss passieren, dass den Menschen da geholfen wird?

Daemen: Das Ganze ist ja eigentlich eine politische Entscheidung, wie es weitergeht. Wir als Hilfsorganisation sind ja nicht dafür da, diese politische Entscheidung zu treffen. Wir bemühen uns einfach nur, den Menschen zu helfen, denn die Entscheidungen treffen die Politiker. Da sind wir in dem Moment außen vor.

Wir können nur was für die Ärmsten der Arme und in diesem Fall auch für die Flüchtlinge tun.

DOMRADIO.DE: Aber sollte sich die Situation hinziehen, was werden Sie denn dann tun? Gibt es da noch weitere Ideen, wie man den Menschen vielleicht dann doch eine Unterkunft, ein Dach über dem Kopf verschaffen kann?

Daemen: Von unserer Seite aus Deutschland können wir natürlich in Belarus momentan gar nichts machen. Wir können auch keine Hilfstransporte direkt zu den Flüchtlingen bringen, sondern wir können nur über die Caritas etwas machen. Und die Caritas muss sich natürlich mit den staatlichen Behörden absprechen, was sie machen darf. Von daher ist die Situation nicht ganz so einfach.

Das Interview führte Dagmar Peters.

Quelle:
DR
Mehr zum Thema