Caritas errichtet Zelte für Migranten an Grenze zu Belarus

"Zelte der Hoffnung"

Die polnische Caritas will den gestrandeten Migranten an der belarussischen Grenze mit beheizten Zelten helfen, die in vier Pfarreien nahe der Grenze aufgebaut werden. Denn auch Kirchenvertreter dürfen nicht ins Grenzgebiet.

Schild mit der Aufschift: "Grenzstreifen, Betreten verboten" an der polnisch-belarusischen Grenze / © Attila Husejnow (dpa)
Schild mit der Aufschift: "Grenzstreifen, Betreten verboten" an der polnisch-belarusischen Grenze / © Attila Husejnow ( dpa )

Die katholische Kirche in Belarus ruft zu Gebeten für die Menschen an der Westgrenze des Landes auf. "Lassen Sie uns in einer Zeit, in der sich an den Grenzen unseres Landes eine echte humanitäre Krise ausbreitet, für die Menschen beten, die zur verletzlichsten Gruppe gehören: Migranten und Flüchtlinge", schrieb die Kirche am Mittwoch auf ihrer Internetseite catholic.by.

Diese Menschen sollten wie Schwestern und Brüder angenommen werden und ein "neues Zuhause und neue Hoffnung" finden, heißt es in dem Gebet.

Dilemma in der Grenzregion

Die Caritas will unterdessen im Nordosten Polens nahe der Grenze zu Belarus in zunächst vier Pfarreien beheizte sogenannte "Zelte der Hoffnung" mit Betten errichten. In ihnen soll Ankömmlingen aus Belarus geholfen werden, wie der Vizechef der polnischen Caritas, Pater Cordian Szwarc, sagte. Demnach sollen die Zelte auch als Treffpunkt für engagierte Menschen dienen, die Unterstützung anbieten wollen.

Die Bewohner in der polnischen Grenzregion hätten nicht nur mit Angst zu kämpfen, sondern befänden sich in einem schwierigen Dilemma, so der katholische Sozialverband. Sie wünschten sich Sicherheit und seien in Sorge um ihre Angehörigen. Andererseits spürten sie eine starke moralische Pflicht, Migranten in Not zu helfen, so der Franziskaner, der sich seit Tagen in der Region aufhält.

Kein Zutritt zur Sperrregion

Weder das Regime in Belarus noch die Regierung in Warschau lassen Kirchenvertreter ins Grenzgebiet. Polens Staatspräsident Andrzej Duda rief Anfang September den Notstand in einem etwa drei Kilometer breiten Streifen entlang der mehr als 400 Kilometer langen Grenze zu Belarus aus. Hilfsorganisationen und Journalisten dürfen die Notstandsgemeinden seither nicht mehr betreten.

Kälte und Erschöpfung

Auf belarussischer Seite der Grenze sitzen aktuell Schätzungen zufolge rund 3.000 Menschen aus Syrien, Irak und anderen Krisenländern unter katastrophalen Bedingungen fest. Polnische Grenzschützer hindern sie daran, die Grenze zu überqueren. Belarus verweigert ihnen, das Grenzgebiet zu verlassen. Mehrere Menschen starben an Unterkühlung oder Erschöpfung.

EU-Flüchtlingspolitik

Polen und die EU machen Belarus für die Flüchtlingsbewegung verantwortlich. Sie werfen dem Regime vor, Zehntausende Menschen aus Krisenländern im Nahen Osten und anderswo per Flugzeug nach Minsk und dann an die Grenze zu den EU-Staaten Polen, Litauen und Lettland gebracht zu haben. Die Regierung in Warschau steht in der Kritik, weil sie ihnen ein Asylverfahren verwehre und sie stattdessen gewaltsam nach Belarus zurückdränge.

Hilfsangebote der Kirche

Polens katholische Kirche hat eine landesweite Spendenaktion für die Migranten an der Grenze zu Belarus gestartet. In allen polnischen Kirchen solle am 21. November Geld für Hilfsangebote der Caritas in der Grenzregion im Nordosten und die "langandauernde Integration" von Bleibewilligen gesammelt werden, kündigte der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Posens Erzbischof Stanislaw Gadecki, an. "Vor unseren Augen geschieht eine humanitäre Katastrophe", so der Erzbischof am Freitag bei einer Messe. An der polnisch-belarussischen Grenze "leiden und sterben Menschen". Die dort angekommenen Migranten seien Opfer unzulässiger Spiele der internationalen Politik.

Autor/in:
Von Oliver Hinz
Quelle:
KNA