Kirche startet Spendenaktion für Migranten an Polens Ostgrenze

An der Grenze "leiden und sterben Menschen"

Die katholische Kirche in Polen ruft zu einer landesweiten Spendensammlung für die Migranten an der Landesgrenze zu Belarus auf. Es gelte, Solidarität zu zeigen, "ohne der Sicherheit der Republik und ihrer Bürger zu schaden". 

Polnische Sicherheitskräfte umringen Migranten, die an der Grenze zu  / © Czarek Sokolowski (dpa)
Polnische Sicherheitskräfte umringen Migranten, die an der Grenze zu / © Czarek Sokolowski ( dpa )

Das Geld solle am 21. November in allen polnischen Kirchen gesammelt werden und für Hilfsangebote der Caritas in der Grenzregion im Nordosten Polens und die "langandauernde Integration von Flüchtlingen" verwendet werden, die in Polen bleiben wollten, sagte der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki, am Freitagabend bei einem Gottesdienst in Warschau.

"Vor unseren Augen geschieht eine humanitäre Katastrophe", so der Erzbischof von Posen (Poznan) in seiner Predigt. An der polnisch-belarussischen Grenze "leiden und sterben Menschen". Die dort angekommenen Migranten seien Opfer unzulässiger Spiele der internationalen Politik. "Unabhängig von den Umständen ihrer Ankunft brauchen sie jedoch sicherlich unseren geistigen und materiellen Beistand", so Gadecki. Seit Beginn dieser Migrationskrise leiste die Kirche in Polen im Rahmen ihrer Möglichkeiten diese Hilfe durch die Caritas und den zuständigen Bischof. Unterstützt werden demnach etwa Unterkünfte für Migranten und Flüchtlinge; Pfarreien nahe der Grenze zu Belarus stellten "Zelte der Hoffnung" auf.

Gebet für Frieden an der Ostgrenze

Gadecki betonte, die Kirche müsse den Ankommenden humanitäres und christliches Feingefühl entgegenbringen. Nötig sei eine Haltung, die dem Evangelium entspreche. "Ohne der Sicherheit der Republik und ihrer Bürger zu schaden, ist es notwendig, ihnen unsere Solidarität zu zeigen", so der Erzbischof. Die Katholiken sollten für den Frieden an Polens Ostgrenze beten.

Seit August haben nach Angaben des polnischen Grenzschutzes rund 30.000 Migranten aus dem Irak, Afghanistan und anderen Ländern versucht, illegal über die Grüne Grenze zwischen Belarus und Polen in die EU zu gelangen. Polnische Grenzschützer vereitelten dies meistens. Viele Migranten sitzen unter katastrophalen Bedingungen im Grenzgebiet fest. Belarus verhindere ihre Rückkehr. Mehre Menschen starben an Unterkühlung oder Erschöpfung.

Kritik an Zurückdrängen der Flüchtlinge

Polen und die EU machen Belarus für die Flüchtlingsbewegung verantwortlich. Sie werfen dem belarussischen Regime vor, Zehntausende Menschen aus Krisenländern im Nahen Osten und anderswo mit dem Flugzeug nach Minsk und dann an die Grenze zu den EU-Staaten Polen, Litauen und Lettland gebracht zu haben. Anfang September rief Polens Staatspräsident Andrzej Duda den Notstand im Grenzgebiet zu Belarus aus.

Die Regierung in Warschau steht in der Kritik, weil sie Flüchtlingen ein Asylverfahren verwehre und sie stattdessen gewaltsam nach Belarus zurückdränge und sie so in Lebensgefahr bringe. Hilfsorganisationen und Journalisten dürfen das Notstandsgebiet nicht betreten.

Gadecki hatte Anfang Oktober von der polnischen Regierung erfolglos die Zustimmung für sogenannte humanitäre Korridore gefordert. "Dieser in anderen Ländern bewährte Mechanismus ermöglicht es, den bedürftigsten Opfern von Kriegen und Verfolgungen auf sichere und vollständig kontrollierte Weise konkrete Hilfe zu leisten", so der Erzbischof damals.

Autor/in:
Oliver Hinz
Quelle:
KNA