Erst wenige Wochen ist es her, dass eine katholische Ordensfrau nahe der Jerusalemer Altstadt brutal zusammengeschlagen und getreten wurde. Nicht der erste Fall, aber der vorerst letzte Höhepunkt einer Gewalt, die sich im Heiligen Land auch immer mehr gegen Christen richtet. Während die Welt vor allem auf den Konflikt zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn blickt, sind es die Christen, die seit Jahren schon in großen Nummern ihre Heimat verlassen.
Wird das Heilige Land deshalb zum "Christlichen Disneyland", wo der Glaube an Jesus Christus nur noch eine Touristenattraktion ist? Darüber diskutieren am Himmelfahrtstag, dem 14. Mai, um 19 Uhr Experten beim Podiumsgespräch "Christen im Nahen Osten: Bleiben oder Gehen?"
Bei der Veranstaltung, die von der Deutschen Bischofskonferenz, dem Heilig-Land-Verein und der Abteilung Weltkirche im Erzbistum Köln gestaltet wird, kommen Stimmen aus dem Nahen Osten persönlich zu Wort, die die Übergriffe hautnah miterleben.
Prominente Gäste
So sitzt der deutsche Benediktinerabt Nikodemus Schnabel auf dem Podium, direkt angereist aus Jerusalem, der selbst als Ordensmann regelmäßig Opfer von Übergriffen wird. Er spricht darüber, wie sich die Stimmung gegenüber Christen in den knapp 25 Jahren, die er in Israel lebt, verändert hat, und wie die Benediktiner der Dormitio und in Tabgha als Ordensgemeinschaft versuchen, fair gegenüber beiden Seiten zu bleiben. "Wir sind nicht pro Israel oder pro Palästina – wir sind pro Mensch."
Die Situation verfolgt von Deutschland aus der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz, der für die Deutsche Bischofskonferenz die Arbeitsgruppe zum Nahen und Mittleren Osten leitet und regelmäßig an den alljährlichen Bischofstreffen im Heiligen Land teilnimmt. Kann die katholische Kirche eine Vermittlerrolle einnehmen? Wird überhaupt wahrgenommen, was die Kirche in Deutschland sagt?
Palästinensische Christen im Blick
Reem Akroush leitet das Büro des Heilig-Land-Vereins in Jerusalem und nimmt insbesondere die palästinensischen Christen in den Blick. Schlagzeilen machte so unter anderem die einzige katholische Gemeinde in Gaza, deren Pfarrer selbst bei israelischen Angriffen verletzt wurde, der während des Krieges jeden Abend mit Papst Franziskus telefonierte und der bis zum Schluss ablehnte, das Kriegsgebiet zu verlassen. Aktuell interessiert dabei auch die Lage von Tayibe, dem einzigen christlichen Ort im Westjordanland, wo sich in den vergangenen Tagen die Übergriffe von israelischen Siedlern mehren.
Neben dem Heiligen Land geht der Blick der Diskussion auch auf den Libanon. Gerade der Süden des Landes wird zum Fokus der gewaltvollen Auseinandersetzungen zwischen der israelischen Armee und der libanesischen Terrormiliz Hisbollah. In dieser Region leben traditionell auch viele christliche Familien. Über deren Schicksal berichtet Michel Constantin, der Regionaldirektor der päpstlichen Mission für den Libanon, der aus dem Libanon zum Katholikentag anreist.
Moderiert wird die Veranstaltung von DOMRADIO.DE-Chefredakteur Renardo Schlegelmilch, der selbst mehrfach aus dem Nahen Osten berichtet und dort gearbeitet hat. Die Veranstaltung findet im kleinen Saal des "Mainfranken Theaters" Würzburg statt. Weitere Informationen gibt es hier.