Deutscher Pater sieht Auswirkungen des Nahost-Kriegs in Thailand

"Unsere Organistin kann sich Autofahren nicht mehr leisten"

Sogar in Thailand sind die Auswirkungen des Nahost-Krieges zu spüren. Die hohen Benzinpreise setzen der Bevölkerung zu, berichtet Pater Andreas Bordowski, der in Bangkok lebt. Über Ostern werden sich viele Familien nicht sehen können.

Autor/in:
Tobias Fricke
Alltagsszene in Bangkok / © aporlo (shutterstock)

DOMRADIO.DE: In Asien wird aufgrund des Nahost-Krieges Benzin langsam zum Luxusgut. Sie betreuen jeweils eine kleine katholische Gemeinde in Bangkok und Pattaya und werden dort Karfreitag und Ostern feiern. Wie fühlt sich das Leben gerade an? Fahren Sie mit dem Fahrrad zu Ihren Terminen? 

Pater Andreas Bordowski (Dominikanerpater und Auslandsseelsorger in Bangkok): Nein, meine Kirche in Bangkok ist Gott sei Dank fußläufig erreichbar. Aber aufgrund der Hitze – wir haben zurzeit so 35, 36 Grad und es ist sehr schwül – nehme ich ein Motorbike-Taxi. Das ist ein Taxi, in das man sich hinten draufsetzt. Aber zurück gehe ich zu Fuß.

DOMRADIO.DE: In vielen Bundesländern sind aktuell Osterferien. Bekommen Sie Besuch von Verwandten aus Deutschland?

Pater Andreas: Meine Cousine aus Deutschland wollte mich mit ihren beiden Söhnen über die Osterferien besuchen kommen. Sie hatten mit Emirates gebucht und wollten am Karsamstag ankommen. Emirates hat den Flug allerdings storniert. Vielleicht bekommt sie noch einen Flug mit China Airlines, aber auch das ist nicht ganz sicher. Und so trifft es nicht nur mich, sondern umgekehrt auch viele Menschen, die hier leben. 

Pater Andreas

"Direktflüge sind aktuell so teuer, dass das für eine Familie nicht bezahlbar ist."

Jetzt sind Ferien hier in Thailand, dann kommt das Songkran-Fest, das Neujahrs-Fest und alle Schulen in Thailand haben zwei Wochen lang Ferien. Viele Familien wollten nach Europa fliegen. Doch entweder können sie nun gar nicht verreisen oder haben umgeplant und machen stattdessen Urlaub hier in Thailand. Die arabischen Fluglinien fliegen gar nicht und alle anderen Direktflüge sind aktuell so teuer, dass das für eine Familie nicht bezahlbar ist.

DOMRADIO.DE: Wie sehr leiden die Thais unter den hohen Preisen? 

Pater Andreas: Die Thais leiden nochmal mehr darunter. Unsere Organistin beispielsweise, die sonntags immer spielt, kommt normalerweise mit dem Auto. Sie hat mir vor zwei Wochen gesagt, dass sie nicht mehr mit dem Auto kommen kann, weil das Tanken doppelt so teuer wie vorher ist. Sie kommt jetzt mit dem Skytrain, das ist so eine Art Bahn des öffentlichen Nahverkehrs, die günstiger ist. 

"Dieselkraftstoff ist ausgegangen" heißt es an dieser Tankstelle in Thailand / © Grant Peck/AP (dpa)
"Dieselkraftstoff ist ausgegangen" heißt es an dieser Tankstelle in Thailand / © Grant Peck/AP ( dpa )

Die Thais kennen es eigentlich nicht wie wir in Deutschland, dass der Benzinpreis von Tag zu Tag schwankt, weil der Preis von der Regierung niedrig gehalten wird. Aber der Preis ist jetzt explodiert, sodass es für die Einheimischen eine Herausforderung ist. 

DOMRADIO.DE: Wie wird Karfreitag bei Ihnen aussehen? 

Pater Andreas: Ich bin jetzt im vierten Jahr hier und habe mit dem evangelischen deutschsprachigen Pfarrer gemeinsam die Tradition begonnen, dass wir Karfreitag, der hier kein Feiertag ist, mit unseren beiden Gemeinden gemeinsam feiern. Es gibt hier den ältesten christlichen Friedhof in Bangkok, den Protestant Cemetery. Vom Namen her ist es ein evangelischer Friedhof, aber im 19. Jahrhundert wurden dort alle Christen und auch Juden begraben. 

Der Protestant Cemetery in Bangkok / © Cesare Palma (shutterstock)
Der Protestant Cemetery in Bangkok / © Cesare Palma ( shutterstock )

Der Ort liegt direkt am Fluss mit einer kleinen Kapelle. Seit vielen Jahren feiern wir dort gemeinsam und es ist immer eine besondere Atmosphäre. Dort liegen viele Menschen, die fern der Heimat gestorben sind. Am Karfreitag wird die Passionserzählung gelesen, wir singen deutsche Lieder. Die Kreuzverehrung ist ein bisschen anders: Wir bringen kleine Blumenkränze, die in Thailand üblich sind, zum Kreuz, verbunden mit unseren Bitten und Sorgen. 

Pater Andreas

"Am Karfreitag wird die Passionserzählung gelesen, wir singen deutsche Lieder."

DOMRADIO.DE: Ostern ist das Fest der Auferstehung, das wichtigste Fest für Christen. Die Eiersuche ist nichts Katholisches, aber gehört bei uns zur Tradition dazu. Gibt es das auch bei Ihnen zu Ostern? 

Pater Andreas: Wir in der Gemeinde machen es nicht. Zum einen, weil viele Familien unterwegs sind und daher nicht viele Kinder da sein werden. Aber wir haben in beiden Gemeinden Leute, die Eier färben. Die wird es geben, aber eben nicht versteckt. Schokoladeneier kann man draußen sowieso nicht suchen, von denen wäre wegen der Hitze nichts mehr übrig, bis man sie gefunden hat. Aber ich weiß von Familien, die das Eiersuchen im Wohnzimmer veranstalten.

Das Interview führte Tobias Fricke.

Karwoche

Die letzte Woche vor Ostern wird auch als Karwoche bezeichnet. Das Wort "Kar" stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet "Trauer", "Klage" oder "Kummer". Die Karwoche beginnt mit dem Palmsonntag: In Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem versammeln sich die Gläubigen zur Segnung der Palmen - in Deutschland meist Buchsbaumzweige - und ziehen dann in einer Prozession zum Gotteshaus.

Karwoche / © Felix Kästle (dpa)
Karwoche / © Felix Kästle ( dpa )
Quelle:
DR

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