Repräsentantenhaus-Sprecher argumentiert mit Bibel gegen Papst Leo

"Grenzen und Mauern sind biblisch"

Papst Leo XIV. kritisierte wiederholt die Migrationspolitik der Trump-Regierung. Dazu zitierte er auch das Matthäusevangelium. Nun legte der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, seine biblische Sicht der Dinge dar.

Symbolbild Seminarist mit aufgeschlagener Bibel / © Doidam 10 (shutterstock)
Symbolbild Seminarist mit aufgeschlagener Bibel / © Doidam 10 ( shutterstock )

Der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Mike Johnson, hat die Migrationspolitik der Trump-Regierung mit einer persönlichen Bibelauslegung verteidigt und damit die Kritik von Papst Leo XIV. an Massenabschiebungen zum Teil zurückgewiesen. 

Sprecher des US-Repräsentantenhauses Mike Johnson / © J. Scott Applewhite/AP (dpa)
Sprecher des US-Repräsentantenhauses Mike Johnson / © J. Scott Applewhite/AP ( dpa )

"Grenzen und Mauern sind biblisch, vom Alten Testament bis zum Neuen Testament hat Gott uns erlaubt, unsere Zivilgesellschaften aufzubauen und getrennte Nationen zu haben", sagte der Politiker der Republikanischen Partei am Dienstag in Washington. Zuvor war er von einem Reporter um eine biblisch-theologische Antwort auf bestimmte Aussagen des Kirchenoberhaupts gebeten worden. 

Der aus den USA stammende Leo hatte im November vor Journalisten in Castel Gandolfo eine "tiefgreifende Reflexion" über die Behandlung von Migranten in den Vereinigten Staaten gefordert. Dabei rekurrierte er auf das 25. Kapitel im Matthäusevangelium: "Jesus sagt ganz klar, dass wir am Ende der Welt gefragt werden: Wie habt ihr den Fremden aufgenommen? Habt ihr ihn aufgenommen und willkommen geheißen oder nicht?", so der Papst damals. 

Papst Leo XIV. / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

"Viele Menschen, die seit Jahren dort leben und nie Probleme verursacht haben, sind von den aktuellen Ereignissen tief betroffen", fügte er hinzu. 

"Das ist biblisch"

Johnson, Mitglied der Southern Baptist Convention, räumte ein, dass Einwanderung in der Heiligen Schrift nicht missbilligt, sondern begrüßt werde. Doch "Wenn jemand in Ihr Land kommt, in Ihre Nation kommt, hat er nicht das Recht, deren Gesetze oder die Gesellschaft zu verändern. Von ihm wird erwartet, dass er sich assimiliert." Das sei in den USA bisher nicht oft vorgekommen. 

"Wir sollten unseren Nächsten wie uns selbst lieben – als Individuen. Aber die staatliche Autorität, die Regierung muss Gesetz aufrechterhalten, und das ist biblisch." Später präzisierte Johnson seine Aussagen auf der Plattform X.

Demnach sollten Menschen jeden Glaubens und besonders Christen starke nationale Grenzen unterstützen. Kritiker der US-Migrationspolitik würden Bibelstellen aus dem Kontext reißen, um Christen und Juden als ungläubig darzustellen, "wenn wir uns ihrer Radikalen Agenda der offenen Grenzen widersetzen". 

Gerade aus der katholischen Kirche in den USA gibt es scharfe Kritik an der aktuellen US-Einwanderungspolitik. Die Bischofskonferenz hatte am 13. November in einer nahezu einstimmig beschlossenen Erklärung die angeordneten Massenausweisungen von illegal eingewanderten Menschen verurteilt. Papst Leo, der sich selbst an mehreren Stellen gegen einige Maßnahmen der US-Regierung aussprach, begrüßte diese Stellungnahme ausdrücklich. 

Die katholische Kirche in den USA

Die römisch-katholische Kirche ist die größte Glaubensgemeinschaft der USA, denn die Protestanten teilen sich in verschiedene Konfessionen. Ein knappes Viertel der US-Amerikaner ist katholisch, die meisten Katholiken leben im Nordosten und im Südwesten. Genaue Zahlen sind schwierig, weil in den USA der Wechsel einer Konfession sehr häufig vorkommt.

Die katholische Kirche in den USA / © rawf8 (shutterstock)
Die katholische Kirche in den USA / © rawf8 ( shutterstock )
Quelle:
KNA