Der Kölner Erzbischof Rainer Kardinal Woelki sagte in einer ersten Reaktion gegenüber DOMRADIO.DE: "Ich freue mich, gratuliere ihm herzlich und wünsche ihm Gottes Segen. Das ist das Wichtigste, was er in dieser schwierigen Situation gebrauchen kann. Er hat auch von mir alle Unterstützung, die ich ihm geben kann."
Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, appelliert an den Reformwillen des neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. "Wir brauchen Ihr Herz für Reform und Zusammenhalt", schrieb Stetter-Karp in ihrem Glückwunschbrief an den Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer. Seine Wahl sei eine Richtungsentscheidung für die Kirche in Deutschland.
Die ZdK-Chefin wünschte Wilmer Gottes Segen und "Mut zu anstehenden Veränderungen und ein spürbares Herz für weitere Reformen in der Kirche".
Viele Katholikinnen und Katholiken wollten die Veränderung ihrer Kirche im Alltag erleben. Sie setzten in den neuen Vorsitzenden die Hoffnung, "er möge für eine glaubwürdige Kirche streiten, die ihre Stärke gleichermaßen aus Konfliktfähigkeit und Zusammenhalt bezieht".
Dabei spiele die bereits zurückgelegte Strecke auf dem Synodalen Weg, dem Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland, eine entscheidende Rolle. Amtsvorgänger Bischof Georg Bätzing habe den Weg bereitet. Das ZdK freue sich darauf, den Synodalen Weg mit Bischof Wilmer zusammen weiterzugehen. Der begonnene Reformprozess sei ohne Alternative, so Stetter-Karp. Die Stimme der Kirche werde gebraucht.
Kirsten Fehrs wünscht Geschick, Geduld und Weisheit
Auch die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Kirsten Fehrs, hat Bischof Wilmer zu seiner Wahl gratuliert. "Ich wünsche Bischof Heiner Wilmer für die verantwortungsvolle Aufgabe von Herzen viel Kraft und vor allem Gottes Segen", erklärte die Hamburger Bischöfin am Dienstag. Sie habe Wilmer als "aufgeschlossenen, klugen und weltgewandten Gesprächspartner" kennengelernt.
Wilmer liege daran, Strukturreformen und geistliche Erneuerung miteinander zu verbinden: "Das lässt mich mit großer Zuversicht auf die zukünftige ökumenische Zusammenarbeit schauen", unterstrich Fehrs. Für die weiteren Schritte auf dem Weg der Synodalität, auf den sich die römisch-katholische Kirche in Deutschland gemacht habe, "können seine weltkirchlichen und seine vatikanischen Erfahrungen von Nutzen sein."
Die Ratsvorsitzende wünschte dem neuen Vorsitzenden "Geschick, Geduld und Weisheit bei seinen Leitungsaufgaben, Glaubenszuversicht und Gottvertrauen und eine glückliche Hand bei allen Entscheidungen".
Zugleich dankte Fehrs dem bisherigen Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, für die "bisherige vertrauensvolle Zusammenarbeit und die freundschaftliche Verbundenheit". Bätzing habe sich mit großer Beharrlichkeit aller Aufgaben angenommen, die der Bischofskonferenz unter anderem mit dem Synodalen Weg aufgegeben waren.
Katholische Verbände setzen auf Reformen
katholische Verbände fordern den neuen Vorsitzenden dazu auf, Reformen weiter voranzutreiben. "Insbesondere junge Menschen erwarten Beteiligung, Transparenz und eine Umsetzung der getroffenen Entscheidungen", sagte der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Volker Andres, laut Mitteilung des Verbands am Dienstag. Es brauche einen Fokus auf junge Menschen als Gegenwart und Zukunft der Kirche. Diese sollten an allen wichtigen Entscheidungen beteiligt werden.
Ähnlich äußerte sich die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd). Man erwarte eine tatkräftige und beherzte Fortsetzung des Reformprozesses Synodaler Weg, sagte deren stellvertretende Bundesvorsitzende Ulrike Göken-Huismann laut Mitteilung der kfd.
Es brauche Verlässlichkeit und die Bereitschaft, notwendige Veränderungen mutig anzugehen. Dazu gehöre eine geschlechtergerechte Kirche. Auch die Einheit der Christen erfordere neue Aufmerksamkeit. Wilmer müsse Brücken bauen: innerhalb der Bischofskonferenz, nach Rom, zu katholischen Verbänden sowie zu Reformkräften innerhalb der Kirche in Deutschland.
Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" mahnte neben der Fortführung von Reformen auch die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs als bleibendes Thema an. Die Bischöfe müssten sich mit noch größerer Konsequenz und Transparenz dafür einsetzen, um verlorenes Vertrauen wenigstens teilweise zurückzugewinnen.
Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) forderte, die Beschlüsse des Synodalen Weges konsequent umzusetzen. Auch die Weiterentwicklung synodaler Strukturen im Rahmen der Synodalkonferenz müsse entschlossen vorangebracht werden. Mit Wilmer erwarte der KDFB die Verabschiedung der Satzung der Synodalkonferenz während der Vollversammlung.
Der Verband begrüßte, dass Wilmer kurz nach der Wahl auf das Thema Missbrauch eingegangen sei, und betonte, er erwarte vom neuen Vorsitzenden, die Erfahrungen der Betroffenen ernst zu nehmen, die Zusammenarbeit mit ihnen fortzuführen und die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und Prävention als zentrale Leitungsaufgabe zu verankern.
Aus Sicht von Kolping Deutschland braucht es mit dem neuen Vorsitzenden klare Signale, dass die Ergebnisse des Synodalen Weges ernst genommen und weiterentwickelt werden. Reformen dürften nicht vertagt oder relativiert werden. "Mit der Wahl verbinden viele Katholikinnen und Katholiken die Erwartung, dass der eingeschlagene Reformweg konsequent weitergegangen wird", erklärte die Bundesvorsitzende Klaudia Rudersdorf.
Katholische Hilfswerke bieten Zusammenarbeit an
Katholische Hilfswerke und die Caritas haben Heiner Wilmer ihre Zusammenarbeit beim Einsatz für andere angeboten. "Wir wollen gemeinsam die katholische Soziallehre als prophetische Stimme in unserer Arbeit nutzen: Liebe ist Tat", sagte Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa laut Mitteilung der Caritas am Dienstag in Berlin. "Gerne werden wir mit Bischof Wilmer an einem Zukunftsbild der Kirche arbeiten, das der Liebe keine Grenzen setzt."
Das katholische Hilfswerk missio Aachen bot Wilmer weitere Zusammenarbeit im Bereich der Weltkirche an. "Die Sicht unserer Partner aus dem globalen Süden ist unverzichtbar, wenn wir als Kirche voneinander lernen und solidarisch handeln wollen", sagte der Präsident des Hilfswerks, Dirk Bingener.
Zugleich erhoffe er sich von der Deutschen Bischofskonferenz weitere Impulse für die Stärkung der Religionsfreiheit weltweit. "Gerade unter den neuen geopolitischen Bedingungen bedarf das Thema Religionsfreiheit unserer erhöhten Aufmerksamkeit", so Bingener.
Einsatz für Christen in der Minderheit
Das Bonifatiuswerk, das sich für Katholiken in Minderheitensituationen engagiert, betonte, Wilmer habe sich schon in der Vergangenheit stets für diese Christen eingesetzt. Aktuell sei vor allem die Unterstützung von Gemeinden im Osten Deutschlands wichtig, sagte Generalsekretär Georg Austen laut Mitteilung des Bonifatiuswerks in Paderborn. Als Ordensmann wisse Wilmer, wie wichtig es ist, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.
Glückwünsche aus der Politik
"Als gebürtiger Hildesheimer und Niedersachse freue ich mich schon landsmannschaftlich über die Wahl", sagte der religionspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Hubertus Heil, am Dienstag auf Anfrage in Berlin. "Ich habe ihn als so klugen wie umsichtigen und gesellschaftspolitisch engagierten Bischof kennengelernt", so Heil.
Ihn habe besonders seine Haltung beeindruckt, die tief in der katholischen Sozialethik verankert sei. Er sei sich sicher, dass in diesen bewegten Zeiten seine Stimme stark vernehmbar sein werde.
Die religionspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Lamya Kaddor, betonte, gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung und Unsicherheiten komme der Kirche eine besondere Verantwortung zu, Orientierung zu geben und klare Werte zu vermitteln.
Mit seiner umfangreichen internationalen Erfahrung und seinem Ruf als Brückenbauer sei Wilmer für diese Aufgabe bestens geeignet, sagte Kaddor. Besonders wichtig bleibe, dass die Aufarbeitung der sexualisierten Gewalt weiter vorangetrieben und der Synodale Weg konstruktiv fortgesetzt würden, um Vertrauen zu stärken und Reformen in der Kirche voranzubringen.
Auch der religionspolitische Sprecher der Union im Bundestag, Norbert Altenkamp (CDU), freut sich über die Wahl Wilmers: Er schätze den Bischof als jemanden, der die Fähigkeit besitze, Konservative und Reformer zu einen.
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) sagte, Wilmer übernehme als profilierter Seelsorger und erfahrener Kirchenmann Verantwortung in einer herausfordernden Zeit. Seine Wahl sei ein starkes Signal der Kontinuität und des Dialogs. Zugleich hob er die Rolle der Kirchen für die Gesellschaft hervor: "Die Kirchen bleiben wichtige Partner für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Wertekompass in unserem Land."
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) erklärte mit Blick auf Wilmer: "Mit ihm steht künftig eine profilierte Persönlichkeit an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz, die für die großen anstehenden Aufgaben reiche Erfahrungen mitbringt." Zugleich nannte Schweitzer seine Erwartungen: Besonders der Reformweg innerhalb der Kirche müsse fortgesetzt werden. Dabei gelte es, unterschiedliche Positionen in der Bischofskonferenz konstruktiv einzubinden.
Auch Bischöfe gratulieren
Zu den ersten Gratulanten unter den Bischöfen gehörte der Würzburger Bischof Franz Jung. Für ihn ist das Ergebnis der Wahl "sehr erfreulich". Den neuen Vorsitzenden beschreibt er als jemanden, der gut zuhört und aus der Erfahrung des Synodalen Weges Menschen zusammenbringen kann. "Er kann das, was begonnen worden ist, in einem guten Sinn weiterführen in die Zukunft."
Die Freude in der Kirchenprovinz Hamburg, zu der auch das Nachbarbistum Hildesheim gehört, sei groß, erklärte der Hamburger Erzbischof Stefan Heße. "Ich wünsche Bischof Wilmer für sein Wirken in dieser Aufgabe viel Kraft, nicht zuletzt auch viel Mut für die neuen Herausforderungen und Gottes reichen Segen".
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki wünschte Wilmer Gottes Segen. "Das ist das Wichtigste, was er in dieser schwierigen Situation gebrauchen kann. Er hat auch von mir alle Unterstützung, die ich ihm geben kann", sagte er im Interview mit DOMRADIO.DE.
Als Vorsitzender sei Wilmer nun "das Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland", sagte der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann. Er stehe nun "vor der anspruchsvollen Aufgabe, die unterschiedlichen theologischen Strömungen in unserer Kirche zu einem hörbaren gemeinsamen Zeugnis zu verbinden." Zugleich gelte es, die "geistlichen, theologischen und pastoralen Erfahrungen der deutschen Diözesen - selbstbewusst und demütig zugleich - in die Weltkirche einzubringen".
Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger nannte den neuen Vorsitzenden einen engagierten Streiter für soziale Gerechtigkeit. "Ich freue mich sehr über die Wahl von Heiner Wilmer. Er ist ein Brückenbauer, der die Reformthemen unserer Kirche mit einer tiefen sozialen Sensibilität verbindet."
Der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl dankte Wilmer für die Bereitschaft, das Amt des Vorsitzenden in einer für die Kirche schwierigen und krisenhaften Zeit zu übernehmen. "Dieses Amt verlangt Mut, geistliche Tiefe und einen klaren Kompass. Dafür wünsche ich ihm Gottes reichen Segen, Kraft und Weisheit."
Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt erklärte: "Die guten Kontakte von Bischof Wilmer nach Rom und seine Kenntnis der Weltkirche werden hilfreich sein für die Beziehungen unserer Ortskirchen in Deutschland zur Leitung der Gesamtkirche." Wilmer übernehme das Amt in herausfordernden Zeiten für die katholische Kirche in Deutschland. Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit Wilmer. Dieser habe ihm bei seiner persönlichen Gratulation zugesagt: "Gott wird im Mittelpunkt stehen."
Benediktiner erfreut
Zu den Gratulanten gehört auch der deutsche Benediktinerabt Nikodemus Schnabel im Heiligen Land. "Der erste Bischof aus Deutschland, der uns nach dem 7. Oktober 2023, und zwar Anfang November 2023, in Jerusalem und Tabgha besucht hat. Eine hervorragende Wahl in meinen Augen", so Schnabel in den Sozialen Medien.
Auch der Abt der Abtei Münsterschwarzach, Michael Reepen, zeigte sich erfreut über Wilmers Wahl. "Wir kennen uns bereits seit dem Studium. Er ist ein Ordensmann und verfügt über die große Gabe, Menschen zu verbinden. Ich wünsche ihm für sein Wirken Gottes Segen und dass er seinen Humor bewahrt." Er hoffe darauf, dass seine Art der Bischofskonferenz helfen könne, auf dem Weg in Einigkeit voranzuschreiten.
Die Deutsche Ordensobernkonferenz erklärte, Deutschlands Bischöfe hätten "mit einem wohl sehr klaren Blick auf die anstehenden Herausforderungen und die Fähigkeiten, die es dafür braucht, um sie möglichst gut zu bewältigen", gewählt. "Gerade, wo auf allen Seiten Kräfte nachlassen, Ressourcen knapper werden und Synergien gesucht werden müssen, sind wir fest davon überzeugt, dass das geweihte Leben in der Kirche auch weiterhin seinen festen Platz hat und seinen spezifischen Beitrag dazu leisten kann, damit die Kirche ihrem Auftrag zur ständigen Erneuerung treu bleiben kann."
Appell zum Thema Missbrauch
Die Katholische Elternschaft Deutschlands freut sich auf die Zusammenarbeit mit Wilmer. In ihren Augen ist die Wahl eine gute Entscheidung, die Hoffnung auf einen stärkeren Fokus der Kirche auf Bildung und Schule macht. "Bischof Heiner Wilmer hat unterstrichen, dass für ihn die Katholikinnen und Katholiken das lebendige Gesicht der Kirche sind, auch in Schulen", so die Bundesvorsitzende Anne Embser.
Von der Betroffeneninitiative Eckigen Tisch hingegen gab es einen eindringlichen Appell: "Die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im Kontext der katholischen Kirche muss Priorität haben. Die Betroffenen müssen in den Fokus gestellt, Lösungen erarbeitet und weiterentwickelt werden." Man erwarte von Wilmer ein klares Signal in Sachen Transparenz, einen ersichtlichen Willen zur Aufarbeitung und die ernsthafte Übernahme institutioneller Verantwortung für sexuellen Missbrauch im Kontext der katholischen Kirche.
Der Betroffenenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz erklärte, Wilmer habe sich in der Vergangenheit für Aufarbeitung, Transparenz und Reformen ausgesprochen. Zugleich gebe es weiterhin Defizite in einem sensiblen und betroffenenorientierten Umgang mit dem Thema.
Von Wilmer erwarte man, unabhängige Aufarbeitung zu stärken, Betroffene verbindlich in Entscheidungsprozesse einzubinden, transparent zu kommunizieren und Präventions- sowie Interventionsstandards weiterzuentwickeln. "Zudem wünschen wir uns einen deutlich intensiveren und verbindlichen Dialog zwischen Bischofskonferenz und Betroffenenbeirat", hieß es.
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