Die Lage im Nahen Osten bleibt nach den Angriffen Israels und der USA auf den Iran sowie den iranischen Gegenschlägen unübersichtlich. Die Spannungen erfassen die gesamte Region – auch Israel und damit das Heilige Land. Für Reiseveranstalter von Pilgerfahrten stellt sich damit verschärft die Frage nach Verantwortung, Sicherheit und Perspektive.
Als Irmgard Jehle am Wochenende die Bilder aus der Region erreichten, war es für sie ein gewaltiger Schock, berichtet sie. Sie ist Geschäftsführerin des Bayerischen Pilgerbüros in München. Unmittelbar nach den ersten Meldungen habe sie mit ihrem Team einen internen Krisenstab gebildet und versucht, ihre Partner vor Ort zu erreichen, auch wenn derzeit keine Reisegruppen im Heiligen Land oder im Nahen Osten unterwegs seien. "Darüber sind wir froh. Aber in Gedanken sind wir vor Ort", sagt Jehle und ergänzt: "Wir haben große Sorge um die Menschen dort." Viele Partner, Kolleginnen und Kollegen im Heiligen Land und Nahost seien über Jahre hinweg zu Freunden geworden.
Keine Reisen seit Hamas-Überfall
Von Partnern vor Ort höre sie immer wieder, wie sehr sie unter der Situation litten. Besonders schmerzhaft sei, dass kein Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen abzusehen sei. "Einer unserer Partner hat gesagt: 'Das Schlimmste ist, dass unsere Hoffnungen immer wieder enttäuscht werden und wir allmählich selbst den Mut verlieren'", berichtet die Geschäftsführerin des Bayerischen Pilgerbüros.
Für Jehle ist die Situation auch persönlich belastend. Sie ist selbst als Reiseleiterin tätig und war über viele Jahre regelmäßig mit Gruppen im Heiligen Land unterwegs. "Es tut einfach weh. Wir hoffen immer, dass endlich diese unseligen Kriege zu Ende kommen und dass wir wieder ins Heilige Land fahren können", sagt sie.
Klare Absage für die Karwoche
Besonders vor Ostern meldeten sich viele Kundinnen und Kunden mit diesem Wunsch, die Karwoche und Ostertage in Jerusalem zu verbringen. "Dann müssen wir sagen, dass sie bitte noch warten sollen. Wir können es nicht verantworten", so die Reiseveranstalterin.
Das Risiko sei zu groß. Hinzu komme, dass während eines formalen Kriegszustands kein Versicherungsschutz bestehe und man als Pauschalreiseveranstalter eine besondere Verantwortung trage. "Wir bringen die Menschen dorthin – und wir wollen sie gesund und heil wieder nach Hause zurückbringen", sagt Jehle.
Daher seien bis mindestens Ende April keine Reisen vorgesehen. Das bedeutet für das Bayerische Pilgerbüro finanzielle Einbußen. Die Region zählte zu den Hauptdestinationen. Dennoch zeigt sich Jehle zuversichtlich, denn sie sieht ihr Pilgerunternehmen breit aufgestellt. Rom bleibe ein zentrales Ziel, ebenso Marienwallfahrtsorte wie Fatima oder Lourdes.
Das sei entscheidend, denn selbst wenn militärische Auseinandersetzungen im Nahen Osten, wie Trump ankündigte, in vier Wochen endeten, bedeute das noch keine stabile Lage, so die Geschäftsführerin des Bayerischen Pilgerbüros. Zudem sei Pilgern in einem Land, in dem gleichzeitig Krieg herrscht oder erst kürzlich geherrscht hat, eine besondere Herausforderung.
"Wir könnten jeden Tag starten"
Dabei bedeutet für Irmgard Jehle Pilgern in Jerusalem immer Hoffnung. Denn Pilgern heiße nicht, sich eine heile Welt vorzustellen. "Sondern wir stellen uns auch dieser Welt und versuchen, sie in unserem Glauben mit hineinzunehmen", so die Pilgerexpertin. Gerade in Jerusalem, wo die drei Weltreligionen aufeinandertreffen, werde der Konflikt immer mitgedacht. Sie sagt: "Im Namen 'Jerusalem' steckt Shalom, Shalam, die Hoffnung auf Frieden. Diese Hoffnung tragen wir mit."
Getragen von dieser Hoffnung bereiten sie die Reisen weiter vor, arbeiten Programme aus und pflegen ihre Kontakte. Partner vor Ort, wie die Dormitio-Abtei in Jerusalem, senden positive Botschaften und halten den Kontakt zu uns, berichtet sie. "Diese Menschen laden uns immer ein und schreiben: Kommt zu uns, sobald es wieder möglich ist."
Die Reisepläne fürs Heilige Land lägen bereit. "Wir könnten jeden Tag mit unseren Reisen starten – und hoffen das auch immer", betont Irmgard Jehle.