Pilgerreisen ins Heilige Land bleiben nach Krieg in Nahost ausgesetzt

Keine Karwoche in Jerusalem

Nach der Eskalation im Nahen Osten bleiben Pilgerreisen ins Heilige Land ausgesetzt. Die Geschäftsführerin des Bayerischen Pilgerbüros erklärt, warum Sicherheit Vorrang hat, was das für Gläubige bedeutet und was ihr Hoffnung macht.

Autor/in:
Moritz Mayer
Die Spuren einer abgefangenen Luftabwehrrakete sind über der Altstadt von Jerusalem zu sehen / © Mahmoud Illean/AP (dpa)
Die Spuren einer abgefangenen Luftabwehrrakete sind über der Altstadt von Jerusalem zu sehen / © Mahmoud Illean/AP ( dpa )

Die Lage im Nahen Osten bleibt nach den Angriffen Israels und der USA auf den Iran sowie den iranischen Gegenschlägen unübersichtlich. Die Spannungen erfassen die gesamte Region – auch Israel und damit das Heilige Land. Für Reiseveranstalter von Pilgerfahrten stellt sich damit verschärft die Frage nach Verantwortung, Sicherheit und Perspektive.

Als Irmgard Jehle am Wochenende die Bilder aus der Region erreichten, war es für sie ein gewaltiger Schock, berichtet sie. Sie ist Geschäftsführerin des Bayerischen Pilgerbüros in München. Unmittelbar nach den ersten Meldungen habe sie mit ihrem Team einen internen Krisenstab gebildet und versucht, ihre Partner vor Ort zu erreichen, auch wenn derzeit keine Reisegruppen im Heiligen Land oder im Nahen Osten unterwegs seien. "Darüber sind wir froh. Aber in Gedanken sind wir vor Ort", sagt Jehle und ergänzt: "Wir haben große Sorge um die Menschen dort." Viele Partner, Kolleginnen und Kollegen im Heiligen Land und Nahost seien über Jahre hinweg zu Freunden geworden.

Keine Reisen seit Hamas-Überfall

Von Partnern vor Ort höre sie immer wieder, wie sehr sie unter der Situation litten. Besonders schmerzhaft sei, dass kein Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen abzusehen sei. "Einer unserer Partner hat gesagt: 'Das Schlimmste ist, dass unsere Hoffnungen immer wieder enttäuscht werden und wir allmählich selbst den Mut verlieren'", berichtet die Geschäftsführerin des Bayerischen Pilgerbüros.

Irmgard Jehle, Geschäftsführerin des Bayerischen Pilgerbüros / © Bayrisches Pilgerbüro/Irmgard Jehle (privat)
Irmgard Jehle, Geschäftsführerin des Bayerischen Pilgerbüros / © Bayrisches Pilgerbüro/Irmgard Jehle ( privat )

Für Jehle ist die Situation auch persönlich belastend. Sie ist selbst als Reiseleiterin tätig und war über viele Jahre regelmäßig mit Gruppen im Heiligen Land unterwegs. "Es tut einfach weh. Wir hoffen immer, dass endlich diese unseligen Kriege zu Ende kommen und dass wir wieder ins Heilige Land fahren können", sagt sie. 

Klare Absage für die Karwoche

Besonders vor Ostern meldeten sich viele Kundinnen und Kunden mit diesem Wunsch, die Karwoche und Ostertage in Jerusalem zu verbringen. "Dann müssen wir sagen, dass sie bitte noch warten sollen. Wir können es nicht verantworten", so die Reiseveranstalterin. 

Das Risiko sei zu groß. Hinzu komme, dass während eines formalen Kriegszustands kein Versicherungsschutz bestehe und man als Pauschalreiseveranstalter eine besondere Verantwortung trage. "Wir bringen die Menschen dorthin – und wir wollen sie gesund und heil wieder nach Hause zurückbringen", sagt Jehle.

 Israelische Sicherheitskräfte inspizieren eine beschädigte Straße, nachdem eine vom Iran abgefeuerte Rakete in Jerusalem eingeschlagen ist. / © Mahmoud Illean/AP/dpa (dpa)
Israelische Sicherheitskräfte inspizieren eine beschädigte Straße, nachdem eine vom Iran abgefeuerte Rakete in Jerusalem eingeschlagen ist. / © Mahmoud Illean/AP/dpa ( dpa )

Daher seien bis mindestens Ende April keine Reisen vorgesehen. Das bedeutet für das Bayerische Pilgerbüro finanzielle Einbußen. Die Region zählte zu den Hauptdestinationen. Dennoch zeigt sich Jehle zuversichtlich, denn sie sieht ihr Pilgerunternehmen breit aufgestellt. Rom bleibe ein zentrales Ziel, ebenso Marienwallfahrtsorte wie Fatima oder Lourdes.

Das sei entscheidend, denn selbst wenn militärische Auseinandersetzungen im Nahen Osten, wie Trump ankündigte, in vier Wochen endeten, bedeute das noch keine stabile Lage, so die Geschäftsführerin des Bayerischen Pilgerbüros. Zudem sei Pilgern in einem Land, in dem gleichzeitig Krieg herrscht oder erst kürzlich geherrscht hat, eine besondere Herausforderung. 

"Wir könnten jeden Tag starten"

Dabei bedeutet für Irmgard Jehle Pilgern in Jerusalem immer Hoffnung. Denn Pilgern heiße nicht, sich eine heile Welt vorzustellen. "Sondern wir stellen uns auch dieser Welt und versuchen, sie in unserem Glauben mit hineinzunehmen", so die Pilgerexpertin. Gerade in Jerusalem, wo die drei Weltreligionen aufeinandertreffen, werde der Konflikt immer mitgedacht. Sie sagt: "Im Namen 'Jerusalem' steckt Shalom, Shalam, die Hoffnung auf Frieden. Diese Hoffnung tragen wir mit."

Irmgard Jehle, Geschäftsführerin des Bayerischen Pilgerbüros, als Reiseleitung auf einer Pilgerreise im vergangenen September. / © Bayrisches Pilgerbüro/Irmgard Jehle (privat)
Irmgard Jehle, Geschäftsführerin des Bayerischen Pilgerbüros, als Reiseleitung auf einer Pilgerreise im vergangenen September. / © Bayrisches Pilgerbüro/Irmgard Jehle ( privat )

Getragen von dieser Hoffnung bereiten sie die Reisen weiter vor, arbeiten Programme aus und pflegen ihre Kontakte. Partner vor Ort, wie die Dormitio-Abtei in Jerusalem, senden positive Botschaften und halten den Kontakt zu uns, berichtet sie. "Diese Menschen laden uns immer ein und schreiben: Kommt zu uns, sobald es wieder möglich ist." 

Die Reisepläne fürs Heilige Land lägen bereit. "Wir könnten jeden Tag mit unseren Reisen starten – und hoffen das auch immer", betont Irmgard Jehle.

Heiliges Land

Blick auf Jerusalem / © Kyrylo Glivin (shutterstock)

Als Heiliges Land wird seit dem vierten Jahrhundert der Teil des Nahen Ostens bezeichnet, in dem sich biblische Geschichte ereignet hat. Die Landnahme des alten Volkes Israel, das Leben und Wirken Jesu und das Urchristentum sind dabei von Bedeutung. In der Regel gelten heute Israel und die autonomen bzw. besetzten Palästinensergebiete als Heiliges Land. Gelegentlich werden auch Teile Jordaniens, Ägyptens, des Libanon sowie zum Teil des Irak und Syriens zum Heiligen Land gerechnet.

Quelle:
KNA