Papst trifft deutsche Journalisten im Vatikan

Heiliger Geist und nicht Zeitgeist

Papst Franziskus hat am Donnerstag Vertreter der Gesellschaft Katholischer Publizistinnen und Publizisten im Vatikan empfangen. Dabei hat er erneut seine kritische Haltung gegenüber dem Reformprojekt Synodaler Weg bekräftigt.

Papst Franziskus blickt nachdenklich während der Generalaudienz am 17. Mai 2023 im Vatikan / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus blickt nachdenklich während der Generalaudienz am 17. Mai 2023 im Vatikan / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Papst Franziskus hat am Donnerstag Vertreter der Gesellschaft Katholischer Publizistinnen und Publizisten (GKP) im Vatikan empfangen. Er rief die deutschen Medienvertreter auf, zu sprachlicher Abrüstung beizutragen. "Wie viele Konflikte werden heute – statt im Dialog beigelegt zu werden – durch Falschmeldungen oder aufhetzende Stellungnahmen in den Medien befeuert", so das Kirchenoberhaupt.

Nicht auf Abwege geraten

In seiner Ansprache ging Franziskus auf das deutsche Reformprojekt Synodaler Weg ein. Bereits 2019 habe er sich dazu in einem Brief geäußert. Dessen Inhalt sollte stärker wahrgenommen, bedacht und umgesetzt werden, mahnte er. 

Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP)

Die Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP) ist ein Zusammenschluss von aktuell rund 520 Medienschaffenden. Sie versteht sich als Netzwerk von Katholikinnen und Katholiken, die in allen Bereichen weltlicher und kirchlicher Medien arbeiten.

Der Verband wurde 1948 gegründet als eine Art Schulterschluss der verbleibenden katholischen Publizisten nach dem Zweiten Weltkrieg.
Auf christlicher Grundlage will er zur Meinungsbildung in der Öffentlichkeit beitragen.

Die Bedeutung von professionellem Journalismus ist hoch / © Frank Molter (dpa)
Die Bedeutung von professionellem Journalismus ist hoch / © Frank Molter ( dpa )

Um nicht auf Abwege zu geraten, müsse eine konkrete und beständige Angleichung an das Evangelium betrieben werden – und nicht an andere Leitbilder der Welt. Franziskus forderte in diesem Zusammenhang eine "Fügsamkeit gegenüber dem Heiligen Geist – und nicht gegenüber dem Zeitgeist".

Universale Dimension

Zudem dürfe die universale, katholische Dimension nicht aus dem Blick geraten, "damit man das Glaubensleben nicht als etwas begreift, das sich bloß auf den eigenen kulturellen und nationalen Bereich bezieht". Die Teilnahme am Prozess der Weltsynode, die in diesem Jahr fortgesetzt wird, sei unter diesem Gesichtspunkt hilfreich.

Katholischen Medienschaffenden komme in solchen Situationen eine bedeutende Rolle zu, betonte der Papst. Mit korrekten Informationen könnten sie dazu beitragen, "Missverständnisse aufzuklären und vor allem zu verhindern, dass solche entstehen, indem sie dem gegenseitigen Verständnis und nicht einer Verschärfung der Gegensätze dienen".

Papst Franziskus bei einem Treffen mit Journalisten aus Deutschland, am 4. Januar 2024 im Vatikan. / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus bei einem Treffen mit Journalisten aus Deutschland, am 4. Januar 2024 im Vatikan. / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Kritik und Besorgnis 

Bereits mehrfach hatten sich Papst und Vatikan kritisch und besorgt zu dem deutschen Reformprozess geäußert. Die von deutschen Bischöfen und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) angestoßenen Beratungen über die Themen Macht, Rolle der Frau, Sexualmoral und priesterliche Lebensform sollen künftig in einem Synodalen Rat fortgesetzt werden. Der Ausgang ist ungewiss. Vier deutsche Bischöfe wollen sich an dem Verfahren nicht beteiligen und verweisen auf die Haltung des Vatikans.

Den Rand der Gesellschaft im Blick

Für ihre Arbeit in Deutschland riet Franziskus den Medienvertretern, besonders jene Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, auf die sonst niemand achte. Auch in "einem wohlhabenden und hochentwickelten Land" gebe es Kinderarmut, Familien, die nicht wüssten, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollten, viele Migranten und Flüchtlinge. 

"Wenn Sie also etwas mitteilen, denken Sie immer an die Gesichter der Menschen, besonders der armen und der einfachen, und gehen Sie von ihnen aus, von ihrer Wirklichkeit, von ihren Problemen und von ihren Hoffnungen. Auch wenn dies bedeutet, gegen den Strom zu schwimmen und sich die Sohlen abzulaufen", so der Papst abschließend.

Die GKP ist ein Zusammenschluss von mehr als 550 Medienschaffenden. Auf der Basis des christlichen Glaubens will das Netzwerk zurMeinungsbildung in der Öffentlichkeit beitragen.

Quelle:
KNA