Papst sucht neue Wege für Frankreichs Traditionalisten

Wunden im Liturgiestreit heilen

Die Anhänger der alten lateinischen Liturgie sind unter Frankreichs Katholiken seit langem besonders aktiv. Nun will ihnen Papst Leo XIV. offenbar entgegenkommen. Und es gibt noch ein paar weitere Überraschungen.

Alte tridentinische Messe (KNA)
Alte tridentinische Messe / ( KNA )

Der Papst hat die katholischen Bischöfe Frankreichs aufgefordert, den Traditionalisten unter den Priestern und Gläubigen entgegenzukommen. 

Wie der französische Dienst von Vatican News am Mittwoch berichtet, ist die Bitte in einem Brief von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin enthalten, der bei der derzeitigen Vollversammlung der Bischöfe in Lourdes zur Kenntnis genommen werden sollte. Die Bischöfe halten dort vom 24. bis 27. März ihre Frühjahrsvollversammlung ab.

Zum Thema der alten lateinischen Liturgie, die unter Frankreichs Katholiken viele Anhänger hat, heißt es in dem Schreiben: "Dieses Thema verfolgt der Heilige Vater mit besonderer Aufmerksamkeit angesichts des Wachstums der Gemeinschaften, die der Alten Liturgie verbunden sind." Es sei "besorgniserregend, dass sich wegen der Feier der Messe, die doch das Sakrament der Einheit ist, eine schmerzhafte Wunde in der Kirche immer weiter auftut". 

Wunden im Liturgiestreit heilen

Um sie zu heilen, sei ein neuer Blick aufeinander von beiden Seiten notwendig. Dieser Blick könne die "Brüder einander im Reichtum ihrer Verschiedenheit annehmen lassen, in der Liebe und in der Einheit des Glaubens". Den französischen Bischöfen wünschte er, dass sie "konkrete Lösungen finden, die es ermöglichen, die Menschen großzügig anzunehmen, die der Alten Messe verbunden sind, und die vom Zweiten Vatikanum gewünschte Orientierung in liturgischen Fragen respektieren".

Papst Leo XIV. spricht mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin bei einem Treffen mit Mitgliedern des vatikanischen Staatssekretariats, am 5. Juni 2025 im Vatikan / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. spricht mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin bei einem Treffen mit Mitgliedern des vatikanischen Staatssekretariats, am 5. Juni 2025 im Vatikan / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

In dem Brief ruft Parolin die Bischöfe im Auftrag des Papstes zudem auf, die katholischen Schulen in Frankreich gegen "wachsende Anfeindungen" zu verteidigen. Es gelte, die christliche Dimension der katholischen Erziehung zu verteidigen, die ohne einen Bezug auf Jesus Christus ihre Daseinsberechtigung verlieren würde. 

Ermutigung für angefeindete Priester

Ferner bestärkt der Papst die katholische Kirche in Frankreich in ihrem Kampf gegen sexuellen Missbrauch von Minderjährigen sowie in ihrem Einsatz für Entschädigungen und für Vorbeugung. Zugleich rief er die Bischöfe dazu auf, auch die schuldig gewordenen Missbrauchstäter nicht zu ignorieren. 

Im Übrigen sei es an der Zeit, "nach mehreren schmerzhaften Jahren die Zukunft entschlossen in den Blick zu nehmen und den schwer geprüften Priestern in Frankreich ein Wort der Ermutigung und des Vertrauens zu sagen".

Alte Messe

Die "Alte Messe" bezeichnet die Feier der heiligen Messe meist nach dem Messbuch von 1962, dem "Missale Romanum" von Papst Johannes XXIII. Diese Liturgieform wurde durch die Erneuerung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil außer Kraft gesetzt. 1984 gestattete Papst Johannes Paul II. die Feier nach dem Messbuch von 1962 unter bestimmten Voraussetzungen. Papst Benedikt XVI. weitere mit dem Motu proprio "Summorum Pontificum" (2007) die Kriterien für die Zulassung weiter aus. Papst Franziskus schränkte die Feier später mit "Traditionis Custodes" (2021) wieder stärker ein.

Tridentinische Messe / © Natalia Gileva (KNA)
Tridentinische Messe / © Natalia Gileva ( KNA )
Quelle:
KNA