Papst Leo XIV. möchte regelmäßige Beratungstreffen aller Kardinäle

"Gelebte Kollegialität und Synodalität"

Was im Mai mit dem Konklave begann, wurde nun fortgesetzt. Leo XIV. hat seine Mitbrüder zu einem außerordentlichen Konsistorium nach Rom bestellt. Dies ist ein erster Schritt von vielen, den auch der Kölner Kardinal Woelki begrüßt.

Papst Leo XIV. leitet das außerordentliche Konsistorium am 7. Januar 2026 in der Synodenaula im Vatikan. / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. leitet das außerordentliche Konsistorium am 7. Januar 2026 in der Synodenaula im Vatikan. / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Vor einem knappen Jahr blickte die ganze Welt auf das Kardinalskollegium, als 133 Purpurträger nach Rom kamen, um einen neuen Papst zu wählen. Seitdem sind Namen wie Pizzaballa, Tagle oder Parolin nicht nur einem katholischen Publikum bekannt, sondern Begriffe der Popkultur. In diesem Sinne könnte man sagen, der Vatikan habe in dieser Woche das "Konklave 2.0" gestartet. Es wurde zwar kein neuer Papst gewählt, aber wie bei einem Hollywoodfilm erleben wir nun die erste Fortsetzung dessen, was im Frühjahr 2025 zum internationalen Kassenschlager wurde. Es soll nicht die letzte bleiben.

Eines der großen Themen bei den Beratungen des Vorkonklaves im vergangenen Mai soll die Zusammenarbeit und Brüderlichkeit der Kardinäle gewesen sein. Da Papst Franziskus in seinen zwölf Amtsjahren Kirchenmänner aus den entlegensten Ecken der Welt zu Kardinälen ernannt hat, hat sich innerhalb des Kollegiums in dieser Zeit nie ein wirklich einheitliches "Wir-Gefühl" entwickelt, beklagten damals viele der Papstwähler. Deshalb der große Wunsch der Kardinäle an den neuen Papst: Hör mehr auf deine Mitbrüder! 

Selten genutztes Gremium

So war es nur konsequent, dass Papst Leo zu Beginn seines ersten vollen Amtsjahres alle Kardinäle der Welt – 245 an der Zahl – in den Vatikan geladen hat. Diesmal nicht zum Konklave, sondern zum sogenannten Konsistorium. Solche Kardinalsversammlungen finden in der Regel zur Erhebung neuer Kardinäle statt. Ein "außerordentliches" Konsistorium – wie dieses – hat Franziskus nur dreimal in seinen zwölf Amtsjahren einberufen. 

Papst Leo XIV. hat nun sein erstes abgehalten, es soll aber nicht das letzte bleiben, wie Vatikansprecher Matteo Bruni am Donnerstagabend gegenüber der Presse ankündigte. Die nächsten Beratungen von Papst und Kardinalskollegium sind bereits für den 27. und 28. Juni geplant. Erneut soll zwei Tage beraten werden, bevor im Vatikan angedacht ist, ab dem kommenden Jahr einen jährlichen Rhythmus mit drei- bis viertägigen Sitzungen einzuführen. Damit will Papst Leo, so Bruni, das Kardinalskollegium wieder mehr in die Entscheidungsprozesse der Kurie einbinden. Franziskus hatte auf dieses Instrument weitgehend verzichtet und sich regelmäßig mit einer kleineren Kardinalsgruppe, dem sogenannten K8- bzw. K9-Rat, getroffen.

Ein erster Schritt auf einem neuen Weg, den auch der Kölner Erzbischof als Teilnehmer der Beratungen begrüßt. Rainer Maria Woelki hat als einer der 170 anwesenden Kardinäle hinter verschlossenen Türen beraten und betonte im Anschluss gegenüber DOMRADIO.DE: "Dass der Heilige Vater uns schon im ersten Jahr seines Pontifikats zu diesem inzwischen selten gewordenen Format eingeladen hat, empfinde ich als großes Zeichen der Wertschätzung für uns Kardinäle." Er habe das Konsistorium "als Tage der gelebten Kollegialität und Synodalität unter uns Kardinälen, vor allem aber auch mit Papst Leo empfunden", so Woelki.

Wir, die Kardinäle

Ein neues "Wir-Gefühl" der Kardinäle zu schaffen, scheint auch nötig. Schon vor der Papstwahl zeichnete sich in weiten Teilen der Kirche, wie auch in der Gesellschaft, eine zunehmende Polarisierung und Spaltung ab. Papst Leo betont deshalb – mit seinen Worten, wie mit seinen Gesten – sehr häufig den Wert von Einheit und Gemeinschaft in der katholischen Kirche. Den gleichen Appell richtete er auch an seine Kardinalsbrüder zur Eröffnung des Konsistoriums am Mittwochmorgen. 

Leo XIV. ermahnte seine Kardinäle, keine eigene Agenda in den Mittelpunkt zu stellen, sondern einander mit Respekt zu begegnen. Wesentlich sei dabei die "Einheit der Gnade und des Glaubens, die uns zusammenführt und brüderlich verbindet". 

Kardinäle beim außerordentlichen Konsistorium mit Papst Leo XIV. am 7. Januar 2026 im Vatikan. / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Kardinäle beim außerordentlichen Konsistorium mit Papst Leo XIV. am 7. Januar 2026 im Vatikan. / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Genau das haben die Verantwortlichen auch mit der Sitzordnung deutlich zu machen versucht. Wie schon bei den Beratungen der Weltsynode 2023 und 2024 wurde in der Audienzhalle Paul VI. an runden Tischen getagt, nicht – wie in früheren Jahren – eine Etage höher im Auditorium der Synodenaula, das wie ein steiler Hörsaal angeordnet ist. Augenhöhe und Miteinander der Kardinalsbrüder sollten also im Vordergrund stehen.

Im Gegensatz zur Papstwahl im Mai waren bei diesen Kardinalsberatungen auch die über 80-jährigen Purpurträger eingeladen, die nicht an einem Konklave teilgenommen hätten. 

Abstimmung über Inhalte

Als ersten Punkt ließ der Papst seine 170 Berater per Abstimmung entscheiden, über welche Themen beraten werden sollte. Mit großer Mehrheit entschieden sie sich für die Synodalität, das Konzept der kirchlichen Mitbestimmung, das sich Leos Vorgänger Franziskus zum Herzensprojekt gemacht hatte, sowie für die Evangelisierung, also die Verkündigung der Frohen Botschaft hinaus in die Welt, die die Kirche als ihren Kernauftrag versteht. Heiße Eisen wie die Frage nach der Zukunft der "Alten Messe" fanden keine Mehrheit und scheinen daher nicht so sehr unter den Nägeln zu brennen, wie es in manchen kirchlichen Kreisen vermutet wird. Trotzdem soll über dieses und andere Konfliktthemen bei zukünftigen Sitzungen beraten werden, wie Bruni gegenüber der Presse nochmals bestätigte.

Große Entscheidungen wurden am Ende der Kardinalsberatungen nicht verkündet, damit war allerdings auch nicht zu rechnen. Mit drei Sitzungsrunden an eineinhalb Tagen war das Ziel eher eine Wasserstandsmeldung, wo der dringendste Gesprächs- und Handlungsbedarf für den neuen Papst zu verorten ist. Die Wahl der Themen Synodalität und Evangelisierung gibt aber durchaus einen Wegweiser, wohin für die Kardinäle der Weg der Kirche in Zukunft führen soll: Die Evangelisierung steht im Zentrum, die Botschaft Christi zu den Menschen zu tragen – im Sinne der Synodalität, im gemeinsamen Gehen und Zuhören mit dem Volk Gottes. 

Damit liegen die Prioritäten der Kardinäle auch auf der Linie von Papst Franziskus, dessen Erbe sein Nachfolger Leo nun gemeinsam mit ihnen fortführen will. Nach dem ersten Aufschlag zeigt sich der Kölner Kardinal Woelki angetan: "Dieser Geist der Wertschätzung und des geistlichen Miteinanders war in den Worten und persönlichen Begegnungen, in den intensiven und guten Beratungen spürbar."

Konsistorium

Die Kardinäle sind die engsten Mitarbeiter und Berater des Papstes in seiner Aufgabe als Oberhaupt der Weltkirche. Diese kollegiale Unterstützung erfolgt offiziell in Konsistorien (von lateinisch "consistorium" für Versammlung oder Versammlungsort), die der Papst zu besonderen Anlässen einberuft und leitet. Es gibt ordentliche und außerordentliche Konsistorien.

Kardinal Tarcisio Bertone (sitzend) nimmt mit weiteren Kardinälen am Konsistorium im Petersdom teil / © Andrew Medichini (dpa)
Kardinal Tarcisio Bertone (sitzend) nimmt mit weiteren Kardinälen am Konsistorium im Petersdom teil / © Andrew Medichini ( dpa )
Quelle:
DR

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