Den zeitlichen Ablauf der großen Kardinalsversammlung mit Papst Leo XIV. hat eine italienische Tageszeitung veröffentlicht. Laut einem Bericht von "Il Giornale" vom Dienstag beginnt das sogenannte außerordentliche Konsistorium am Mittwochmittag mit der Registrierung der mehr als 200 Teilnehmer im Vorraum der Audienzhalle im Vatikan. Nach einem Kaffee begrüßt Giovanni Battista Re (91) als Dekan des Kardinalskollegiums die Anwesenden. Es folgt die Eröffnungsrede von Papst Leo XIV.
Das Kollegium der Kardinäle wird auch als "Senat der Kirche" bezeichnet. Seine Mitglieder - oft Erzbischöfe wichtiger Bistümer der Weltkirche - werden von den Päpsten ernannt und nehmen bis zur Vollendung des 80. Lebensjahres an der Papstwahl im Konklave teil.
Wie die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) aus anderen Quellen erfuhr, will der Papst die Kardinäle zunächst darüber abstimmen lassen, welche zwei von vier vorgeschlagenen Themen am 7. und 8. Januar beraten werden sollen. Die beiden anderen Themen sollen dann auf ein späteres Konsistorium vertagt werden. Das Abstimmungsergebnis soll demnach publiziert werden.
Drei Themen zur Auswahl
Zur Auswahl vorgeschlagen werden dem Vernehmen nach folgende Themen: Erstens eine Neubefassung mit der Programmschrift "Evangelii gaudium" von Papst Franziskus vom November 2013. In ihr hatte der Vorgänger des aktuellen Papstes für eine offenere Form der Verkündigung der christlichen Botschaft und für einen inklusiveren Ansatz in der Seelsorge geworben.
Als zweites Thema wird eine Beschäftigung mit der Arbeitsweise und Struktur der Römischen Kurie vorgeschlagen, die Papst Franziskus im Jahr 2022 reformiert hatte. Als drittes mögliches Thema gilt die Synodalität. Unter diesem Begriff hatte Leos Vorgänger mehr Mitspracherecht auch für Laien auf allen Ebenen der katholischen Kirche eingeführt.
Streit um Liturgie mögliches Thema
Das dritte vorgeschlagene Thema ist die Liturgie. Seit den Reformen der 1970er Jahre opponiert eine Minderheit von Traditionalisten in der katholischen Kirche gegen die modernisierte Form der Gottesdienste. Innerkirchliche Grabenkämpfe sind die Folge.
Laut "Il Giornale" wird der Papst am Mittwochnachmittag die Zusammensetzung der Arbeitsgruppen bekanntgeben. Die erste Sitzungsphase wird laut Zeitung am Mittwoch um 18.45 Uhr beendet, wiederum mit einer Intervention des Papstes und einem gemeinsamen Gebet. Am Donnerstagmorgen steht dem Bericht zufolge erst ein Gottesdienst im Petersdom auf dem Programm. Es folgt die zweite Sitzungsphase mit Berichten aus den Arbeitsgruppen. Mittags sollen dann auch freie Beiträge vor dem Plenum möglich sein.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen von Kardinälen und Papst beginnt am Donnerstagnachmittag um 15.15 Uhr die dritte und letzte Sitzungsrunde. Sie wird laut "Il Giornale" mit den Zusammenfassungen aus den Arbeitsgruppen sowie freien Redebeiträgen enden. Für 18.45 Uhr sei die Zusammenfassung durch den Papst vorgesehen, danach ein gemeinsamer Lobgesang ("Te Deum"). Am Ende sollen, wie KNA erfuhr, vier Kardinäle aus vier Kontinenten der Presse im Rahmen eines abendlichen Pressegesprächs Auskunft über die Beratungen geben. Der Berichterstatter aus Europa soll demnach der neue Krakauer Erzbischof, Kardinal Grzegorz Rys, sein.