Papst Leo empfängt Weltkirchenrat im Vatikan

Hoffen auf Schritte zur Einheit

Mehr als eine Stunde lang wurde im Vatikan gesprochen: Papst Leo XIV. hat erstmals eine Delegation des Weltkirchenrats in Privataudienz empfangen. Das Gespräch schürte die Hoffnung auf konkrete Schritte zur Einheit der Kirchen.

Archivbild: Papst Leo XIV. und Bartholomaios I., griechisch-orthodoxer Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel und Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Archivbild: Papst Leo XIV. und Bartholomaios I., griechisch-orthodoxer Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel und Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Der Weltkirchenrat erhofft sich von Papst Leo XIV. kirchenrechtliche Konsequenzen bei der Einheit der Kirchen. Der Papst habe ein sehr authentisches Engagement für die Ökumene gezeigt, sagte der Vorsitzende des Zentralausschusses des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK), Heinrich Bedford-Strohm, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Samstag in Rom. Zuvor war er gemeinsam mit einer ÖRK-Delegation von Papst Leo XIV. in einer über einstündigen Privataudienz empfangen worden. Der Vatikan bestätigte das Treffen ohne weitere Angaben.

Bedford-Strohm hoffe, dass Leo XIV. als Kirchenrechtler das grundsätzliche Bekenntnis zur Einheit der Kirchen mit konkreten Schritten hinterlegen werde. Klar geworden sei bei den Gesprächen am Samstagmorgen, dass es Leo XIV. mit der Ökumene wirklich ernst meine. Weitere Papiere wolle der Papst zwar nicht ins Zentrum rücken, das habe er betont, so der ehemalige EKD-Vorsitzende. "Aber wir waren uns einig darüber, dass es jetzt um gelebte Ökumene geht."

Erste ausführliche Audienz

Darüber hinaus sei der Missbrauch insbesondere der christlichen Religion ein Thema des Austauschs gewesen. Es habe Einigkeit darüber geherrscht, dass die Kirchen weltweit eine prophetische Stimme entwickeln und sich dagegen erheben müssten. Einig gewesen sei man sich zudem in der Sorge um weitere Eskalationen und Tote in Nahost, so Bedford-Strohm.

Das Treffen im Vatikan war das erste ausführliche Treffen zwischen Weltkirchenrat und dem Papst nach dessen Amtsantritt im vergangenen Mai. Damals hatten Bedford-Strohm und ÖRK-Generalsekretär Jerry Pillay an einer Audienz für Kirchenführer teilgenommen und bereits kurz mit dem neuen Kirchenoberhaupt gesprochen.

Dem ÖRK mit Sitz in Genf gehören nach eigenen Angaben derzeit 356 Mitgliedskirchen in mehr als 120 Ländern und Gebieten weltweit an, die rund 580 Millionen Christen vertreten. Zu ihnen zählen die Mehrzahl der orthodoxen Kirchen sowie anglikanische, baptistische, lutherische, methodistische und reformierte Kirchen, nicht jedoch die römisch-katholische Kirche. Auch die russisch-orthodoxe Kirche, die den Krieg gegen die Ukraine unterstützt, ist weiter Mitglied.

Redaktioneller Hinweis: Der Artikel wurde um 17:40 Uhr aktualisiert.

Ökumenischer Rat der Kirchen

Dem Ökumenischen Rat der Kirchen (Weltkirchenrat, ÖRK) gehören derzeit 352 protestantische, anglikanische, orthodoxe und altkatholische Kirchen sowie kirchliche Gemeinschaften in mehr als 110 Ländern an. Sie repräsentieren nach eigenen Angaben weltweit rund 580 Millionen Christen.

Papst Franziskus besucht Weltkirchenrat / © Paul Haring (KNA)
Papst Franziskus besucht Weltkirchenrat / © Paul Haring ( KNA )
Quelle:
epd