Orthodoxer Erzbischof enttäuscht von Weltkirchenrat-Papier

"Mehr Entschlossenheit erhofft"

Der orthodoxe Erzbischof Leo von Helsinki und ganz Finnland hat die Aussagen einer interorthodoxen Konferenz zum russischen Krieg in der Ukraine kritisiert. In einer Mitteilung wird dort Russland nicht als Aggressor benannt.

Kapelle des Weltkirchenrats / © Bernhard Raspels (KNA)
Kapelle des Weltkirchenrats / © Bernhard Raspels ( KNA )

Er bezog sich auf das Kommunique einer einwöchigen Vorbereitungskonsultation von 20 östlich-orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen für die für September geplante Vollversammlung des Weltkirchenrates (ÖRK) in Karlsruhe. In der nach dem Treffen auf Zypern herausgegebenen Mitteilung hatten die orthodoxen Delegierten den Krieg in der Ukraine zwar angesprochen, Russland aber nicht als Aggressor benannt.

Finnischer Erzbischof enttäuscht

Der finnische Erzbischof zeigte sich enttäuscht von dem ÖRK-Papier. "Ich hatte mir von ihnen mehr Entschlossenheit erhofft. Ich hätte mir gewünscht, dass die lokalen orthodoxen Kirchen direkter gesprochen und gehandelt hätten", zitiert das Athener Portal "Orthodox Times" (Freitag) den Erzbischof, der bereits kurz nach Kriegsbeginn die russische Regierung und den orthodoxen Moskauer Patriarchen Kyrill I. scharf kritisiert hatte.

Es liege "in der Verantwortung eines jeden Bischofs, die Wahrheit zu bezeugen und die Dinge beim Namen zu nennen - nicht nur in theologischen, sondern auch in sozialen Fragen", fügte er hinzu. "Die blutigen Hände der Segnenden dieses Krieges haben leider Einfluss auf den Wortlaut des Dokuments und damit auf dessen Bedeutung genommen", so Erzbischof Leo, dessen Kirche zum Patriarchat Konstantinopel gehört und dort einen "autonomen" Status hat.

Versammlung auf Zypern

Die vom ÖRK ausgerichtete Versammlung auf Zypern war das erste Treffen seit mehr als sechs Jahren, an dem fast alle orthodoxen Kirchen teilgenommen hatten. Die russisch-orthodoxe Kirche war mit einer großen Delegation angereist, aber die Orthodoxen aus der Ukraine waren nicht vertreten. Im Kommunique heißt es, die russische Delegation habe "die Anwesenden über die bewaffnete Konfrontation" in der Ukraine "informiert".

Weiter heißt es: "Die Tagungsteilnehmenden hatten die Gelegenheit, über die Haltung der lokalen Kirche angesichts dieser schmerzlichen Situation zu diskutieren, und sprachen über ihre große Besorgnis mit Blick auf die Entwicklungen in der Region." Sie hätten für den Frieden gebetet und ihre Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass das für die ÖRK-Vollversammlung in Karlsruhe gewählte Thema "Christi Liebe bewegt, versöhnt und eint die Welt" einen Beitrag darstellen werde, "um diese blutende Region sowie andere von Kriegen verwundete Orte in der Welt zu leiten, Frieden zu bringen und die Probleme der Trennung zu überwinden".

Ökumenischer Rat der Kirchen

Dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK), auch Weltkirchenrat genannt, gehören derzeit 352 protestantische, anglikanische, orthodoxe und altkatholische Kirchen sowie kirchliche Gemeinschaften in mehr als 120 Ländern an. Sie repräsentieren weltweit über 580 Millionen Christen. Der Weltbund wurde am 23. August 1948 in Amsterdam gegründet. Heute ist der Sitz in Genf. Oberstes Organ ist die Vollversammlung, die etwa alle sieben Jahre zusammentritt und die Richtlinien der Arbeit festlegt. Eigentliches Leitungsorgan ist der Zentralausschuss. Eine gesetzgebende Gewalt gibt es nicht.

Papst Franziskus besucht Weltkirchenrat / © Paul Haring (KNA)

Quelle:
KNA