Offene Briefe stellen Anfragen an Synodalen Weg

Kritik am Kurs der Kirche in Deutschland und erste Reaktionen

Katholiken in aller Welt reagieren unterschiedlich auf Verweltlichung und Missbrauchsskandale. Das spiegelt sich in Anfragen an den deutschen Reformprozess wider. Aber was heißt das für den Synodalen Prozess des Papstes?

Synodaler Weg / © Julia Steinbrecht (KNA)
Synodaler Weg / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Ist der deutsche Synodale Weg ein großes Problem für Papst Franziskus? Die italienische Tageszeitung "Il messaggero" sieht das so. Die Anspannung jedenfalls scheint anzusteigen, wie mehrere kritische Anfragen an die Reformkräfte in Deutschland unterstreichen.

Ob überall im Blick ist, dass der Missbrauchsskandal und Rekordwerte an Kirchenaustritten einen enormen Handlungsdruck auf die deutschen Bischöfe ausüben? Die weltweite Umfrage unter Katholiken und Nicht-Katholiken im Vorfeld der nächsten Bischofssynode zeigt jedenfalls an, dass auch Rom zumindest einige Veränderungen für notwendig hält. 

Unterschiede zum Synodalen Prozess des Papstes

Nicht zu übersehen ist jedoch, dass der Synodale Prozess des Papstes mit etwas anderen Vorzeichen versehen ist als der Synodale Weg, auf dem sich die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der Katholiken (ZdK) befinden. Zwar sind die Probleme weltweit teilweise zu vergleichen, die durch eine fortschreitende Säkularisierung und nicht zuletzt den Missbrauchsskandal zutage treten. Doch bei den Konsequenzen herrscht Uneinigkeit.

Das zeigen drei "Offene Briefe" der jüngsten Zeit, mit denen Bischöfe aus sehr unterschiedlichen Ortskirchen Bedenken anmeldeten zu den Reformvorhaben der Deutschen in Sachen Sexualmoral, Umgang mit Macht oder Weiheämtern für Frauen. Hier seien Lehre und Tradition der Kirche in Gefahr, es drohe eine Art deutscher Sonderweg, so die Befürchtungen.

Stanislaw Gadecki, Erzbischof von Posen / © Paul Haring (KNA)
Stanislaw Gadecki, Erzbischof von Posen / © Paul Haring ( KNA )

Der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki, warf seinen deutschen Amtsbrüdern öffentlich vor, dem "Druck der Welt oder den Modellen der vorherrschenden Kultur" nachgeben zu wollen. Kurze Zeit später schloss sich eine Kritik der skandinavischen Bischöfe an. Sie äußern "Sorgen um die Richtung, die Methodik und den Inhalt" des Synodalen Wegs. Ähnlich wie Papst Franziskus in seinem Brief an die deutschen Katholiken fordern sie andere Schwerpunkte: "Zuerst die Verheißungen Jesu neu zu entdecken und zu vermitteln als Quelle der Freude, der Freiheit und des Gedeihens."

Nicht zuletzt gaben die Bischöfe aus dem Norden Europas auch den Bedenken ihrer Gläubigen Raum. Damit ist ein Kernproblem angesprochen. Denn für manche Katholiken bedeutet die Reaktion auf die Verweltlichung keineswegs zwangsläufig die Übernahme säkularer Vorstellungen auf die Kirche. Der französische Soziologe Yann Raison du Cleuziou formuliert das genaue Gegenteil: "Säkularisierung bedeutet eine innere Entsäkularisierung der Kirche."

Dieser Forderung wird wohl ein Großteil der Unterzeichner des jüngsten offenen Briefs verpflichtet sein, der durch die beiden konservativen US-Erzbischöfe Samuel Joseph Aquila von Denver und Salvatore Joseph Cordileone von San Francisco initiiert worden sein soll. Die 74 Unterzeichner vor allem aus Nordamerika und Afrika sehen "die Glaubwürdigkeit der kirchlichen Autorität, einschließlich der von Papst Franziskus, die christliche Anthropologie und Sexualmoral sowie das Vertrauen in die Heilige Schrift" in Gefahr - und warnen vor einer Kirchenspaltung.

Es geht nicht nur um deutsche Themen

Das dürfte im progressiven Flügel der US-Kirche anders gesehen werden. Auch ZdK-Vizepräsidentin Claudia Nothelle sagte dazu auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur(KNA), "die grundlegenden Fragen des Synodalen Wegs" beträfen keinesfalls nur Themen der Katholiken in Deutschland.

Claudia Nothelle (Archiv) / © Julia Steinbrecht (KNA)
Claudia Nothelle (Archiv) / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz hat auf alle drei kritischen Schreiben jeweils geantwortet und dabei eine unterschiedliche Tonlage verwendet: hier über den Stil fast verärgert, dort mit Argumenten und Überzeugungskraft, da mit sehr viel Klartext. Bischof Georg Bätzing zeigte sich wiederholt irritiert, dass die Briefeschreiber den Anlass des Reformprojekts entweder komplett verschweigen oder höchstens streifen: systemisch bedingten sexuellen Missbrauch durch Geistliche.

In seiner dritten Antwort bringt Bätzing sein Befremden über die Vorwürfe zum Ausdruck. Niemand könne "den Heiligen Geist für sich in Anspruch nehmen oder anderen den ernsthaften Versuch absprechen, auf ihn zu hören." Es gehe darum, sich den systemischen Ursachen des Missbrauchs und seiner Vertuschung zu stellen. "Da helfen euphemistische Verbrämungen, wie Sie sie in Ihrem Schreiben versuchen, nicht wirklich weiter", hält er seinen Mitbrüdern vor.

Auch manche deutsche Bischöfe üben Kritik

Auch der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke sieht Kernanliegen des Synodalen Wegs im Kontrast zur geltenden Lehre der Kirche, wie er auf der bisher letzten Synodalversammlung deutlich machte. Sein Schluss: Er könne die Zentralforderung nicht mittragen.

Somit zeigen nicht nur öffentliche Reaktionen aus dem Ausland, dass die Idee der "Synodalität" mit Unwägbarkeiten angefüllt ist. Inwieweit das auch Risiken für die Initiative des Papstes bergen oder für viele Katholiken in Deutschland Enttäuschungen bereithalten wird, wird sich erweisen. Aber die Zeit drängt.

Der Synodale Weg

Der Begriff "Synodaler Weg" verweist auf das griechische Wort Synode. Es bedeutet wörtlich "Weggemeinschaft"; im kirchlichen Sprachgebrauch bezeichnet Synode eine Versammlung von Bischöfen oder von Geistlichen und Laien.

In ihrem Reformdialog auf dem Synodalen Weg wollen die deutschen katholischen Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) über die Zukunft kirchlichen Lebens in Deutschland beraten. Ausgangspunkt ist eine jahrelangen Kirchenkrise, die der Missbrauchs-Skandal verschärft hat.

Logo Synodaler Weg / © Julia Steinbrecht (KNA)
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Autor/in:
Simon Kajan
Quelle:
KNA
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