Kardinal Turkson als Chef der Entwicklungsbehörde abgelöst

Nach fünfjähriger Amtszeit

Seit Tagen spekulierten Medien über die Ablösung von Kardinal Peter Turkson als Leiter der Entwicklungsbehörde. Nun hat der Papst den turnusmäßigen Rücktritt des Afrikaners angenommen. Wer folgt, ist offen.

Autor/in:
Anna Mertens
Kardinal Peter Turkson / © Paolo Galosi/Romano Siciliani (KNA)
Kardinal Peter Turkson / © Paolo Galosi/Romano Siciliani ( KNA )

Kardinal Peter Turkson wiegelte ab. "Es ist, was es ist", erklärte der 73-Jährige am Dienstag vor Medienvertretern.

Seine Amtszeit laufe nach fünf Jahren ab und damit liege die Entscheidung bei Papst Franziskus. "Ich stehe dem Heiligen Vater zur Verfügung", so der aus Ghana stammende Kardinal. Am Donnerstag hat Franziskus der von ihm verabscheuten Gerüchteküche einen Riegel vorgeschoben. Turkson verlässt die vatikanische Entwicklungsbehörde.

Damit geht nicht nur der letzte afrikanische Kardinal an der Spitze eines Ministeriums, sondern auch ein profilierter Klima- und Umweltexperte.

Papst dankt Turkson

In der knappen Mitteilung bedankte sich der Papst aufrichtig bei Turkson für seine Dienste und nahm den pflichtgemäß angebotenen Rücktritt an. Die Führungsriege des Ministeriums habe nach Ablauf der fünf Jahre "ihr Mandat in die Hände des Papstes gelegt", hieß es von Seiten des Vatikan.

Zugleich übergab Franziskus die Leitung des "Dikasteriums für den Dienst der integralen menschlichen Entwicklung" bis zur Ernennung eines neuen Präfekten an den Leiter der Abteilung für Migration, den kanadischen Kardinal Michael Czerny (75), und an die Wirtschaftswissenschaftlerin Alessandra Smerilli (47) im Rang eines "Sekretärs". Beide nehmen ihre Tätigkeiten offiziell ab dem 1. Januar auf.

Spekulationen bestätigt

Bereits seit einigen Tagen kursierten Spekulationen, dass Turkson kurz vor der Ablösung stehe. So berichteten mehrere Medien am vergangenen Freitag, dass er sich von seinen Mitarbeitern bereits verabschiedet habe. Hintergrund sei, so die Medienberichte, dass eine interne Untersuchung im Sommer gravierende Führungsmängel ergeben habe. Aus anderen Quellen hieß es, Turkson habe keine Lust mehr auf die Tätigkeit und die damit verbundenen Schwierigkeiten im Super-Ministerium.

Das Dikasterium umfasst seit 2017 die früheren Aufgabengebiete der Päpstlichen Räte für Gerechtigkeit und Frieden, für Migranten und für Gesundheit. Ebenfalls integriert wurde der Rat "Cor unum". Papst Franziskus wollte mit der Zusammenlegung Synergien schaffen. Doch in Personalfragen soll die Umstrukturierung zu Spannungen geführt haben.

Vor allem die für Migration zuständige Abteilung - ein klarer Schwerpunkt von Papst Franziskus - unter Kardinal Czerny, Jesuit wie der Pontifex, führte einigen Berichten zufolge ein Eigenleben.

Im Juni hatte der Vatikan mitgeteilt, dass das Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen einer internen Visitation unterzogen werde. Damals hieß es, es handle sich um eine "normale Untersuchung der Aktivitäten" unter der Leitung des Erzbischofs von Chicago, Kardinal Blase Cupich. Der Bericht wurde am Donnerstag als ein Grund für die neue personelle Aufstellung genannt - ohne ins Detail zu gehen.

Kurienbehörden müssen nicht von Männern geleitet werden

Im Sommer hatte bereits der damalige Sekretär der Behörde, der französische Priester Bruno Marie Duffe (70), mit Ende seiner Amtszeit das Dikasterium verlassen. Auch der beigeordnete Sekretär, der Argentinier Augusto Zampini (52), zog - ohne Angabe von Gründen - zurück nach Argentinien. Sein Abgang sorgte in Rom für Verwunderung, da er erst 2020 als Leiter der vatikanischen Covid-Kommission Verantwortung übernommen hatte.

Beide Posten übernahm "ad interim" die italienische Ordensfrau Smerilli. Sie war im März zunächst zum Untersekretär der Behörde ernannt worden, um danach als erste Frau auf einen gewichtigen Sekretärsposten aufzurücken. Von der sehr bestimmt und bescheiden auftretenden 47-Jährigen dürfte wohl noch mehr zu hören sein.

Vielleicht sogar auf noch höheren Posten - denn nicht alle Kurienbehörden müssen zwangsläufig von einem Mann mit Bischofsweihe und Kardinalsrang geleitet werden.

Kardinal Turkson indes, der schon mehrfach als afrikanischer Kandidat für das Papstamt gehandelt wurde, wird sich wohl auf seine anderen Tätigkeiten in der Kurie konzentrieren. Dazu zählt etwa seine Mitgliedschaft in den Kongregationen für die Glaubenslehre, für Bildung und Mission. Vielleicht kommt aber noch eine weitere Aufgabe hinzu. Auch diese Entscheidung liegt beim Papst.


Quelle:
KNA