Muslimverbände wollen eine unabhängige Ditib

Krise als Chance begreifen

Vertreter von Muslimverbänden haben den Verband Ditib aufgefordert, von der türkischen Religionsbehörde Diyanet unabhängig zu werden. Es sei nicht tragbar, dass ein fremder Staat Einfluss auf einen deutschen Muslimverband nehme.

Infomaterial des DITIB-Dachverbandes / © Julia Ratchke (KNA)
Infomaterial des DITIB-Dachverbandes / © Julia Ratchke ( KNA )

Das sagte der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Abdassamad El Yazidi, auf einer Sitzung des Deutschen Islamforums am Mittwoch in Frankfurt am Main. Die Muslimverbände in Deutschland müssten Strukturen entwickeln, die unabhängig von Verhältnissen im Ausland seien.

Bisherige Arbeit nicht zerstören

Im Zuge der Kritik an Ditib wegen Spitzelberichten über Gülen-Anhänger und türkische Regimekritiker in Deutschland dürfe aber nicht die in 30 Jahren vollbrachte Arbeit des türkischen Muslimverbands kaputt gemacht werden, sagte El Yazidi. Die Imame machten eine gute Arbeit und beugten Radikalisierungen vor. Auch habe der deutsche Staat in der Vergangenheit die enge Anbindung von Ditib an die türkische Regierung und deren Finanzleistungen gewollt.

Die Dienst- und Fachaufsicht über die Imame müsse Ditib selbst übernehmen, forderte der stellvertretende Generalsekretär des Zentralrats der Marokkaner in Deutschland, Omar Kuntich. Bisher mache dies die türkische Religionsbehörde und die von ihr entsandten Attachés. Doch die Bundesregierung wolle nicht, dass fremde Diplomaten über deutsche Religionsverbände bestimmten. Die Ditib solle die Krise als Chance begreifen und ihre Angelegenheiten selbst regeln. Auch die kleinen Muslimverbände bräuchten den großen türkisch-islamischen Verband.

Vertreter der Ditib-Bundeszentrale hatten eine Teilnahme an der Sitzung kurzfristig abgesagt. Der Vorsitzende des Ditib-Landesjugendverbandes Hessen, Musa Cakilli, verteidigte die Struktur seines Verbands. Die türkische Religionsbehörde sei nur ein Kooperationspartner, sagte er. Die von dem Verband angefragten Imame aus der Türkei seien nur für religiöse Fragen zuständig, aber nicht im Vorstand der deutschen Moscheevereine vertreten. Der Beitrag der türkischen Regierung als Arbeitgeber der Imame sei unersetzlich.

Uneinigkeit über Ditib-Darstellung

Der Darstellung widersprach der Vertreter des nordrhein-westfälischen Innenministeriums im Deutschen Islamforum, Korkut Bugday. Ditib sei eng mit der türkischen Religionsbehörde verflochten, die den Vorsitzenden von Ditib, mehrere Vorstandsmitglieder und die Imame entsende. Die Satzung von Ditib erlaube es dem türkischen Staat, bis zum Ortsverein durchzuregieren.

Die Anweisung von türkischen Behörden an Ditib, Informationen über Gülen-Anhänger in Deutschland zu sammeln, beeinträchtige die Sicherheit hierzulande, ergänzte Bugday. Auf die Strafanzeige des Grünen-Politikers Volker Beck hin ermittele der Generalbundesanwalt, ob Spionage vorliege. Der richtige Weg der türkischen Regierung wäre gewesen, die deutschen Sicherheitsbehörden zu bitten, Terror-Vorwürfen nachzugehen, so wie sie es im Fall der kurdischen Organisation PKK getan habe.

Quelle:
epd