DOMRADIO.DE: Ab Ende November laufen Weihnachtssongs rauf und runter im Radio. Osterlieder sind in der Playlist bislang jedoch nicht zu finden. Gibt es österliche Songs und Hits, die wir einfach nicht als solche erkannt haben?
Fischer: Vielleicht. Denken Sie an Conchita Wurst und ihr Lied "Rise like a Phoenix" – ist das nicht ein klassisches Bild der Auferstehung? Vordergründig geht es in dem Lied um die Emanzipation, in diesem Fall von schwulen Menschen. Zugleich werden aber Bilder verwendet, die mit Auferstehung zu tun haben. Das lässt sich nicht leugnen. Schon in der Alten Kirche tauchte der Phönix ab dem Mittelalter als Symbol auf, das sich aus der Asche erhebt. Ähnlich wie Christus aus dem Grab.
Und ich habe noch etwas gefunden: Bruce Springsteen. Ich muss zwar noch genauer nachschauen, aber schon an der Formulierung erkennt man es: "The Rising". Das Lied bezieht sich auf den 11. September 2001, auf die Feuerwehrleute, die in die Twin Towers stiegen, um Menschen zu retten. Gleichzeitig erzählt es eine Geschichte von Opfer und Tod und wird von manchen auch als Geschichte der Auferstehung gedeutet.
DOMRADIO.DE: Die Auferstehung Jesu Christi und der Sieg des Lebens über den Tod würden gut zu einem emotionalen und schönen Ostersong passen oder überlagert der Karfreitag dieses Thema noch zu sehr?
DOMRADIO.DE: Es ist eine interessante Frage, warum das so ist. Weihnachten verfügt seit mehreren hundert Jahren über eine breite Vielfalt an Liedern, auch in der Popmusik. Bei Ostern ist das nicht der Fall. In Deutschland steht aktuell eher die Passionsmusik im Vordergrund, also eher das Hochkulturelle. Und das ist nur schwer anschlussfähig an die populäre Kultur.
DOMRADIO.DE: Könnten neue Osterlieder mit einer zündenden Idee den Bann brechen?
DOMRADIO.DE: Das, was Christinnen und Christen mit Ostern verbinden, lässt sich im Mainstream-Pop nur schwer vermitteln, da es stark mit dem Leiden Jesu und seiner Auferstehung verknüpft ist. Zudem glauben 80 Prozent der Menschen in Deutschland nicht an die Auferstehung nach dem Tod. Weihnachten ist mit der Geburt eines Kindes und dem Motiv der Neugeburt deutlich deutungsoffener. Ich sehe daher schwarz für die Zukunft eines populären Ostersongs. Aber man weiß ja nie.
Das Interview führte Carsten Döpp.