"Schwester Katharina hat geliefert!" Seit 2019 wird dieser Satz fast jeden Tag in den Räumen vom DOMRADIO gesprochen – meist als Signal, dass man als Redakteur jetzt mit der Verarbeitung ihres Morgenimpulses fürs Radio, Internet und Podcast startet.
Ihre Gedanken für den Start in den Tag – über das Handy eingesprochen und als Skript per Mail verschickt – sind Teil meines Arbeitsalltages. Kollege Jan Hendrik Stens und ich wechseln uns dabei wochenweise ab.
Für die Adventszeit 2018 sollten das nur einige Folgen im Rahmen des Morgengebetes um 6 Uhr im DOMRADIO werden. Zuvor hatten wir sie öfters für die Rubrik "Tagesevangelium" zu Gast gehabt oder hatten mit der fußballbegeisterten Ordensfrau über sportliche Großevents wie Fußballweltmeisterschaften aus christlicher Perspektive gesprochen. Doch nach der Adventszeit 2018 war klar: Ihre Impulse geben den Menschen einen guten Start in den Tag, bringen Glauben und Alltag zusammen. Das sollte daher unbedingt weitergehen und gehört so seit 2019 fest zum DOMRADIO-Programm.
Ihre größte Stärke ist dabei damals wie heute die Tagesaktualität. Sehr oft "liefert" Schwester Katharina am Vortag für den folgenden Morgenimpuls. Dabei hat sie zu einer guten Routine gefunden, ohne dass die Impulse selbst routiniert oder abgedroschen klingen. Liegt ein Heiligenfest an, das uns heute noch viel sagen kann, greift sie es ebenso auf wie ein aktuelles Ereignis wie die Olympischen Winterspiele. Sehr oft erzählt sie von einer Begebenheit aus ihrem Leben als Ordensfrau in Olpe.
Der Alltag als Inspirationsquelle
Bemerkenswert ist dabei ihr wacher Blick auf vermeintlich kleine oder alltägliche Erlebnisse. Immer wieder denke ich: Was für eine tolle Idee! Dabei ist die Bandbreite der Themen bemerkenswert. Das Nachbarhaus, das seit gefühlt fünf Jahren renoviert wird, kommt als Gedanke genauso vor wie ihre Begegnungen mit Schülern oder Flüchtlingsfamilien oder bei ihren häufigen Besuchen im Altersheim ihres Ordens.
Überhaupt ihr Orden: Schwester Katharina ist durch und durch Franziskanerin. Bei aller Spiritualität und Gottvertrauen – stets hat sie die Schwächeren im Blick, sieht, wenn Menschen Hilfe brauchen – und das nicht nur geistlich, sondern auch tatkräftig.
Immer wieder kommt ein Gedanke bei ihr vor: Anbeten und anpacken gehören für sie zusammen. Mehrfach am Tag beten, die Heilige Messe besuchen – das ist für sie als Olper Franziskanerin selbstverständlich. Aber auch anpacken, eben das tun, was gerade dran ist. So formuliert sie es regelmäßig.
Das bezieht sie nicht nur auf sich, sondern klopft Aspekte von Religion und Spiritualität in ihren Impulsen auch immer darauf ab, dass sie nicht den Menschen aus dem Blick verliert. Eine weltferne, vermeintlich fromme Theologensprache ist der gelernten Krankenschwester dabei absolut fremd.
Besonders spannend wird es, wenn sie aus ihrer Erfahrung in der DDR erzählt. 1958 geboren und geprägt durch das Eichsfeld als katholisches Gebiet, spürt sie als Jugendliche und junge Frau schnell, dass der damalige Arbeiter- und Bauernstaat nicht zimperlich mit überzeugten Katholikinnen und Katholiken umgeht. Das hat aber bei den katholischen Gläubigen den Zusammenhalt gestärkt und sie lebten trotz aller Schwierigkeiten ihren Glauben.
Diese Erfahrungen, verbunden mit der Spiritualität und Mentalität ihrer Olper Ordensgründerin Mutter Maria Theresia Bonzel, schärfen ihren Blick auf Religion und Welt und lassen ihre Impulse auch nach 1000 Ausgaben immer noch frisch und inspirierend wirken.
Freie Themenwahl von Anfang an
Dabei hat sie seit ihren ersten Impulsen in der Adventszeit 2018 inhaltlich komplett freie Hand. Niemals hieß es von DOMRADIO-Seite, sie möge doch bitte das eine oder das andere nicht sagen oder erwähnen.
Dass ihr manche Entwicklung in der Kirche zu langsam geht, dass sie mit dem ein oder anderen Thema in ihrer Kirche hadert, das klingt in ihren Impulsen ab und zu an. Aber immer steht der Gedanke für den Tag, die geistliche Anregung für die Zuhörerinnen und Zuhörer im Mittelpunkt.
Wenn in ihrem Morgenimpuls eine Panne auftrat und ich zum Beispiel das Vaterunser vom falschen Sprecher habe senden lassen, wies sie geduldig auf den Fehler hin. Auch den jüngsten Relaunch im Programm trägt sie mit. Ihr Morgenimpuls kommt nun erst um 06:15 Uhr in einer etwas anderen Form im Radioprogramm.
Den Morgenimpuls gibt es jetzt auch am Wochenende
Der ein oder andere User strapazierte in all den Jahren etwas ihre Nerven, beispielsweise wenn vor allem Männer glaubten, sie müssten die Ordensfrau mit ihrem vermeintlichen theologischen Fachwissen belehren. Dem stehen tausende positive und wertschätzende Kommentare gegenüber, die über Facebook, Instagram oder Mail die Redaktion erreichen.
Dass seit Februar am Wochenende die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und der Hochschulpfarrer Stefan Wißkirchen den Morgenimpuls gestalten, findet sie gut. Aber nach wie vor werden ihre Impulse Montag bis Freitag im Radio und als Podcast erscheinen. Ob mein Kollege und ich noch 1000 Mal ausrufen werden "Schwester Katharina hat geliefert" weiß ich nicht. Aber dass sie uns einige Jahre erhalten bleibt, das hoffe ich doch sehr.
Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und die Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.