Militärdekan warnt vor Normalisierung militärischer Gewalt

"Eine tragische Ausnahme"

Militärische Gewalt dürfe niemals zur Selbstverständlichkeit werden, sagt der Kölner Militärdekan Rainer Schnettker anlässlich des Internationalen Soldatengottesdienstes im Dom. Er sieht die Kirche da in einer mahnenden Rolle.

Bundeswehrsoldaten / © Daniel Reinhardt (dpa)
Bundeswehrsoldaten / © Daniel Reinhardt ( dpa )

Entscheidender Maßstab für die inhaltliche Ausrichtung des Internationalen Soldatengottesdienstes an diesem Donnerstag im Kölner Dom war die Botschaft des Papstes zum Weltfriedenstag, erläuterte Monsignore Rainer Schnettker, der leitende katholische Militärdekan in Köln, im Gespräch mit DOMRADIO.DE. 

Das diesjährige Leitwort von Papst Leo XIV. lautete: "Der Friede sei mit euch allen – hin zu einem unbewaffneten und entwaffneten Frieden." Für Militärdekan Schnettker ist diese Botschaft ein zentraler Auftrag an Kirche und Gläubige. Sie müsse "in die gesamte Lehre und unser Tun im Rahmen der Friedensethik" eingebettet werden. 


Militärische Gewalt darf niemals selbstverständlich werden 

Die Kirche habe dabei eine mahnende Rolle, betont der Militärdekan. "Wir als Gläubige und als Kirchen haben den Auftrag, immer wieder auch ein bisschen Stachel zu sein." Militärische Gewalt dürfe niemals zur Selbstverständlichkeit werden. "Das ist eine tragische Ausnahme – eigentlich ein großer Unfall der Menschheit." Gerade angesichts der aktuellen welt- und sicherheitspolitischen Lage sei es wichtig, dass der Papst diese Perspektive mit Nachdruck vertrete.

Zugleich richtet sich der Blick der Militärseelsorge auf die Frauen und Männer in Uniform. Sie stünden vor neuen Herausforderungen, erklärt Schnettker. "Aus der Erfahrung heraus machen sie das zunächst einmal professionell." Dennoch brauche es nicht nur fachliche Anpassungen, sondern auch eine intensive geistliche und seelsorgliche Begleitung. Die Militärseelsorge sehe ihre Aufgabe darin, zuzuhören, zu stärken und Orientierung aus dem Glauben heraus zu geben. "Natürlich ist es wichtig, dass erklärt wird, warum bestimmte Aufgaben notwendig sind und warum Soldatinnen und Soldaten sie jetzt übernehmen sollen."

Internationaler Soldatengottesdienst 2025 im Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti (DR)
Internationaler Soldatengottesdienst 2025 im Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti ( DR )
Internationaler Soldatengottesdienst im Kölner Dom (Archiv)

Zentral bleibt die Gewissensfreiheit

Im Wehrdienst sieht Schnettker grundsätzlich eine Chance – sowohl für die Bundeswehr als auch für die Gesellschaft insgesamt. "Um den Dienst erfüllen zu können, ist es nötig, das entsprechende Personal zu haben." Gleichzeitig könne ein solcher Dienst jungen Menschen helfen, Verantwortung zu übernehmen und sich mit ethischen Fragen auseinanderzusetzen. "Für uns sind immer ethische Bildung und die Hintergründe des Dienstes wichtig."

Zentral bleibe dabei die Gewissensfreiheit. "Wer aus Gewissensgründen nicht will und nicht kann, der muss auch nicht." Deshalb begegnet die Militärseelsorge einem möglichen Losverfahren, falls sich nicht genügend Freiwillige für die Bundeswehr melden, mit Skepsis. "Das Losverfahren geht nicht auf den konkreten Menschen ein", so Schnettker. Es klinge nach einem gewissen Druck, der dem Anspruch der Kirche widerspreche, den Menschen in seiner Freiheit ernst zu nehmen. 

Militärseelsorge in Deutschland

Nach dem Soldatengesetz hat jeder Soldat und jede Soldatin Anspruch auf Seelsorge und ungestörte Religionsausübung.

Bislang leisten in der Bundeswehr die evangelische und die katholische Kirche sowie die jüdische Gemeinschaft eine vertraglich vereinbarte Militärseelsorge für die Soldaten und deren Angehörige.

Die Bundeswehr hat ein Nachwuchsproblem / © Monika Skolimowska (dpa)
Die Bundeswehr hat ein Nachwuchsproblem / © Monika Skolimowska ( dpa )
Quelle:
DR

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