Mittwoch nach Ostern, 23. April 2025
Es war ein sonniger Morgen mit einer leichten Westbrise, die vom Meer her wehte. Auf der Pressetribüne drängelten sich Kamerateams, Fotografen und Reporter, um den besten Standort zu erhaschen. Die feierliche Überführung der sterblichen Hülle des Pontifex in den Petersdom stand unmittelbar bevor.
Der erste Akt der Trauerfeierlichkeiten für Franziskus begann in der Hauskappelle seiner Wohnstätte, des Albergo Santa Marta; ein Bau aus den achtziger Jahren; zweckmäßig, kantig und im Vergleich zu den prächtigen Kirchen und Kapellen im Vatikan schlicht und unauffällig. Bergoglio hatte hier unzählige Male die Morgenmesse gefeiert.
Auf dem weiten Vorplatz hatte die Prozession bereits Aufstellung genommen. Wir konnten auf der Tribüne nur die Ton-Übertragung hören. Die Gebete sprach gemäß der Tradition der Camerlengo. Kardinal Joseph Kevin Farell ist Texaner, und das hört man ihm auch deutlich an. Sein unverkennbarer US-Südstaaten-Akzent mochte so manchen Lateiner erschaudern lassen; andere grinsten.
Mir fielen unwillkürlich ein paar ähnliche Szenen ein. Als Joseph Ratzinger etwa 2005 zum Papst gewählt wurde, war der damalige Protodiakon des Kardinalskollegiums, dem die Verkündigung des "Habemus Papam" zufiel, der südamerikanische Kardinaldiakon Jorge Medina Estévez.
Der Name des erwählten Pontifex bereitete ihm hörbar Mühe, dazu kam die ungewohnte deutsche Aussprache: "Rrrrsssngharrr" presste er zwischen seinen Lippen hervor. Ähnlich war es bei der Wahl Karol Wojtylas. Der italienische Kardinal Pericle Felice hatte sich bei ihm über die korrekte Aussprache des polnischen Nachnamens erkundigt.
Und so hielt er es auch auf dem Balkon vor der wartenden Menge auf dem Petersplatz. Als er – richtigerweise – den Namen "Wwujtùùwwuah" aussprach, glaubten viele auf der Piazza, die Kardinäle hatten einen Afrikaner zum Nachfolger Petri gewählt.
Der Leichenzug setzte sich nun in Bewegung und erreichte den Glockenbogen, der linksseitig der Basilika auf den Platz führt. Gregorianische Bittgesänge und Litaneien erfüllten den Platz. Der dumpfe Hall der Totenglocke klang alle 30 Sekunden über die Piazza. Je mehr sich die Spitze mit den Sargträgern und Kerzen dem erhöhten Vorplatz am Eingang des Petersdomes näherte, desto länger wurde die Prozession.
Ja, sie schien kein Ende mehr zu nehmen. Hunderte von Ministranten, Chorknaben, Priestern, Ordensleuten, Prälaten, Bischöfen und Kardinälen gingen den Sargträgern in ihren Talaren und jeweiligen liturgischen Gewändern voraus. Dazu hatten die Schweizergarde in ihren pittoresken Uniformen und die vatikanische Gendarmerie Aufstellung genommen. Der Himmel war tiefblau zu dieser Morgenstunde, die Fotografen und Kameraleute bekamen Aufnahmen wie aus einem göttlichen Bilderbuch.
Als die Kreuzträger bereits unter dem Portikus der Basilika verschwunden waren, erschien unter dem Glockenbogen endlich die Bahre mit dem Leichnam des toten Pontifex. In dem mit rotem Samt ausgeschlagenen offenen Sarg, den zwölf befrackte Kammerdiener auf ihren Schultern trugen, ruhte Franziskus, tief eingesunken in roten Pontifikalgewändern und weißer, golden umrahmter Damast-Mitra.
Auf beiden Seiten geleitet wurde der Sarg von Schweizer Gardisten und Büßer-Mönchen in ihren schwarzen Kutten mit langen Stabkerzen. Dahinter folgte die sogenannte "Päpstliche Familie", jene Menschen also, die sich täglich um das Wohlergehen des Heiligen Vaters gekümmert hatten; darunter etwa sein Krankenpfleger.
Selbst die Hartgesottenen unter uns Vatikan-Beobachtern auf der Tribüne verharrten reglos und in Ehrfurcht angesichts der Bilder, die sich da vor unseren Augen abspielten. Es war auch ein Augenblick für das persönliche Geschichtsbuch, das jeder von uns im Kopf hat. Manche wischten sich verstohlen ein paar Tränen aus den Augenwinkeln.
Wo immer der Sarg vorbeigetragen wurde, brandete Applaus auf – eine sehr südländische Art des Lebewohls. Die lange Reihe der vollständig angetretenen Schweizergarde nahm Habachtstellung an und salutierte, als die sterbliche Hülle des Pontifex passierte und ins Innere des Petersdoms entschwand, wo er nun für drei Tage aufgebahrt würde.
Zum Autor:
Michael Feth (geb. 1966) berichtet seit dreizehn Jahren als freier Korrespondent für Italien und den Heiligen Stuhl aus der Ewigen Stadt für verschiedene deutschsprachige Publikationen. Zuvor arbeitete er unter anderem für das Bayerische Fernsehen und die Tageszeitung Münchner Merkur sowie als Pressesprecher der CSU in den 1990er-Jahren.
Der gläubige Katholik engagierte sich bis zu seinem Wechsel nach Rom in verschiedenen Ehrenämtern und liturgischen Diensten in seiner Heimatpfarrei und Diözese.
Er hat uns seine Tagebucheintragungen zur freien Veröffentlichung gegeben.