Laut Pfarrer schürt der Iran-Krieg ganz neue Ängste in Gaza

Immer weniger Christen im Gaza-Streifen

Die Lage sei "sehr schwer, weil es uns praktisch an allem fehlt". Das sagt Pfarrer Gabriel Romanelli. Der Vorstand einer kleinen katholischen Gemeinde in Gaza erklärt, warum der Krieg Israels mit dem Iran die Dinge noch verschlimmert.

Symbolbild: Verlassene Kirche / © Steven Groothuismink (shutterstock)
Symbolbild: Verlassene Kirche / © Steven Groothuismink ( shutterstock )

Israels Krieg mit dem Iran und dem Libanon hat die Lage in Gaza nach Worten des dortigen katholischen Pfarrers Gabriel Romanelli weiter angespannt; der Zugang von humanitärer Hilfe sei erneut erschwert.

Zwar habe der neue Konflikt im Moment noch keine unmittelbaren Auswirkungen auf den Gazastreifen; aber die Menschen seien angespannt und hätten Angst, dass sich "auch hier der Krieg neu entfachen könnte", sagte Romanelli am Dienstag telefonisch der Katholische Nachrichten-Agentur (KNA).

Pater Gabriel Romanelli feiert die heilige Messe in der Pfarrkirche Heilige Familie in Gaza-Stadt (KiN)
Pater Gabriel Romanelli feiert die heilige Messe in der Pfarrkirche Heilige Familie in Gaza-Stadt / ( KiN )

Seit Beginn des Waffenstillstands seien die großen Bombardierungen ausgeblieben. Dennoch müssten weiter Menschen sterben, etwa durch kleinere Angriffe wie noch am Montag im Süden des Gazastreifens, so der Geistliche. Vor allem infolge der mangelhaften Versorgungslage, insbesondere im humanitären und medizinischen Bereich, stürben Menschen. 

Nach wie vor sei es sehr schwierig, Trinkwasser zu bekommen, "und es gibt viele Krankheiten, Infektionen, insbesondere Hautkrankheiten, aber zu wenig Medizin". Es fehle die Hälfte der Mittel für chronische Krankheiten.

Die Hälfte der Christen verloren

Vor dem Krieg infolge der Hamas-Attacken vom 7. Oktober 2023 gab es im Gazastreifen unter 2,3 Millionen Einwohnern insgesamt 1.016 Christen aller Konfessionen, wie der Argentinier Romanelli berichtet. Einige Christen seien seit Beginn des Krieges geflohen, 58 gestorben. "Heute sind wir noch 571 Christen im Gazastreifen." Davon lebten etwas mehr als 100 auf dem Gelände der katholischen Pfarrei.

Dazu gehörten auch die Mutter-Teresa-Schwestern, die sich um behinderte Kinder kümmerten, seine eigene geistliche Gemeinschaft sowie einige Familien und insbesondere Kranke und Alte. Von den drei christlichen Schulen im Gazastreifen seien zwei komplett von Flüchtlingen bewohnt. In der Schule auf dem Pfarrgelände habe der Unterricht wieder begonnen, so Romanelli.

"Wir setzen hier unsere Arbeit fort, helfen Tausenden Personen mit dem, was das Lateinische Patriarchat von Jerusalem uns liefern und zukommen lassen kann. Das ermöglicht uns den Dienst mit der Schule, mit den verschiedenen Aktivitäten der Pfarrgemeinde und den Gottesdiensten." Doch die Lage sei "sehr, sehr schwer, weil es uns praktisch an allem fehlt".

Lateinisches Patriarchat von Jerusalem

Das Lateinische Patriarchat von Jerusalem betreut die römisch-katholischen Christen im Heiligen Land. Seine Jurisdiktion erstreckt sich über das Staatsgebiet von Israel, Jordanien, Zypern und die Palästinensischen Gebiete. Die Ursprünge des Patriarchats liegen in der Zeit der Kreuzfahrer, die sich als "Lateiner" bezeichneten. Es erlosch jedoch mit dem Fall Akkos 1291. Im Jahr 1847 belebte Papst Pius IX. das Patriarchat neu.

Blick auf Jerusalem / © Kyrylo Glivin (shutterstock)
Quelle:
KNA