Kreml protestiert gegen Razzia im Höhlenkloster in Kiew

Als "Zentrum der russischen Welt" verdächtigt

Wegen Verdachts auf russische Sabotage hat der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU am Dienstag den Hauptsitz der ukrainisch-orthodoxen Kirche in Kiew, das Höhlenkloster, durchsucht. Dient es als Versteck für Saboteure und Waffen?

Kiewer Höhlenkloster Petscherska Lawra, Hauptsitz der ukrainisch-orthodoxen Kirche, mit Absperrband / © Sergey Korovayny (KNA)
Kiewer Höhlenkloster Petscherska Lawra, Hauptsitz der ukrainisch-orthodoxen Kirche, mit Absperrband / © Sergey Korovayny ( KNA )

Es werde geprüft, ob Objekte der lange mit dem Moskauer Patriarchat verbundenen Kirche als Verstecke für Saboteure und Waffen genutzt würden, teilte der Sicherheitsdienst der Ukraine mit. Man wolle verhindern, dass das Kloster als "Zentrum der russischen Welt" diene und die Bevölkerung durch Provokationen und Terroranschläge bedroht werde.

Orthodoxe Kirchen in der Ukraine

Rund 70 Prozent der 45 Millionen Ukrainer bekennen sich zum orthodoxen Christentum. Sie gehören allerdings zwei verschiedenen Kirchen an: der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats und der autokephalen (eigenständigen) "Orthodoxen Kirche der Ukraine".

Orthodoxe Kirche der Ukraine / © Sergey Korovayny (KNA)
Orthodoxe Kirche der Ukraine / © Sergey Korovayny ( KNA )

Aktionen gegen russische Orthodoxie

Der Kreml verurteilte die Durchsuchung. "Die ukrainische Seite befindet sich seit langem im Krieg mit der russisch-orthodoxen Kirche", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow laut der Nachrichtenagentur Interfax. Er sprach von einem weiteren Teil einer "Kette militärischer Aktionen gegen die russische Orthodoxie". Auch in der Region Riwne im Nordwesten der Ukraine durchsuchte der Geheimdienst am Dienstag zwei Klöster sowie die Bistumsverwaltung der ukrainisch-orthodoxen Kirche in Sarny. Die Leitung der Kirche äußerte sich zunächst nicht.

Strafverfahren gegen Geistliche

Das 1051 gegründete Höhlenkloster "Petscherska Lawra" ist die bedeutendste Abtei der Ukraine und Amtssitz des Kirchenoberhaupts, Metropolit Onufri. Das Wahrzeichen der Stadt liegt an einem Hang am Westufer des Dnjepr. Seit 1990 steht es auf der Unesco-Welterbeliste. Der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU hat in diesem Jahr bereits Strafverfahren gegen mehr als 30 Geistliche der ukrainisch-orthodoxen Kirche eingeleitet. Darunter seien auch "klassische Agenten, die detaillierte Informationen sammeln", sagte Geheimdienst-Chef Wassyl Maljuk Ende Oktober. Zuletzt geriet das Höhlenkloster vor einer Woche ins Visier des SBU, weil dort ein pro-russisches Lied gesungen worden sei.

Kyrill I. unterstellte Kirche

Die ukrainisch-orthodoxe Kirche unterstand bis Ende Mai dem Moskauer Patriarchen Kyrill I., erklärte sich dann aber für unabhängig. Ihr Oberhaupt Onufri hat den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine scharf verurteilt. Die Kirche klagt seit langem über zahlreiche Anfeindungen und Schikanen.

2018 gegründete Orthodoxe Kirchen der Ukraine

Die Mehrheit der Ukrainer ist orthodox; sie gehören aber zwei verschiedenen orthodoxen Konfessionen an: der Ende 2018 gegründeten "Orthodoxen Kirche der Ukraine" und der "Ukrainischen Orthodoxen Kirche", die sich im Mai vom Moskauer Patriarchat lossagte. Zwischen beiden kam es wiederholt zu offenen Konflikten und Feindseligkeiten. Laut Umfragen bekennen sich deutlich mehr Ukrainer zur neuen Orthodoxen Kirche der Ukraine als zu Onufris Kirche.

Autor/in:
Von Oliver Hinz
Quelle:
KNA
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