Kiews Erzbischof kritisiert russisch-orthodoxe Kirche scharf

"Ähnelt der Doktrin des Islamischen Staates"

Kiews griechisch-katholischer Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk vergleicht die russisch-orthodoxe Kirche mit der Terrormiliz Islamischer Staat. Deren Ziel war es, ein Kalifat, einen Gottesstaat, im Nahen Osten zu errichten.

Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. / © Natalia Gileva (KNA)
Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. / © Natalia Gileva ( KNA )

Bei Kirchenoberhaupt Patriarch Kyrill I. und auch bei Priestern könne man sehen, "wie der christliche Glaube zu einem ideologischen Werkzeug für die Propaganda des russischen Nazismus wird", sagte Schewtschuk nach Angaben seiner Kirche (Mittwochabend). "Die Rechtfertigung und der Aufruf zum Krieg durch die russisch-orthodoxe Kirche ähneln zunehmend der Doktrin des Islamischen Staates IS."

Großerzbischof von Kiew-Halytsch der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche / © Robert Kiderle (KNA)
Großerzbischof von Kiew-Halytsch der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche / © Robert Kiderle ( KNA )

Die Dschihadistenmiliz IS kontrollierte jahrelang riesige Gebiete in Syrien und Irak und verübte auch Terroranschläge in Europa.

Geistliche in liturgischen Gewändern mit Granatwerfern?

Kürzlich hätten sogar Geistliche in liturgischen Gewändern mit Granatwerfern auf dem Schlachtfeld geschossen, so Schwetschuk weiter.

Damit spielt der Großerzbischof der mit Rom verbundenen Kirche auf ein Video an, in dem ein 2016 suspendierter Priester eine Granate abfeuert und davor Richtung Kamera sagt: "Die Moskauer Theologische Akademie kämpft gegen die Nato."

Die christliche Rechtfertigung der "mörderischen Ideologie" und die "vollständige Synthese zwischen dem Kreml und der russisch-orthodoxen Kirche" ist laut Schewtschuk "ein echter Schock für uns".

Verlust zahlreicher Zivilisten zu beklagen

Wenn die Welt den "Völkermord am ukrainischen Volk nicht verurteilt und stoppt, werden wir morgen noch mehr Opfer haben als in der Vergangenheit mit Nationalsozialismus und Kommunismus", so der 52-Jährige. Seit dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine im Februar seien 422 Kinder getötet und 805 verletzt worden. Er verwies zudem darauf, dass die Vereinten Nationen 6.221 zivile Todesopfer gezählt haben.

Anwohner betrachten ein zerstörtes Wohnhaus nach einem russischen Luftangriff im Wohnviertel Podil. / © Matthew Hatcher/SOPA Images via ZUMA Press Wire (dpa)
Anwohner betrachten ein zerstörtes Wohnhaus nach einem russischen Luftangriff im Wohnviertel Podil. / © Matthew Hatcher/SOPA Images via ZUMA Press Wire ( dpa )

Schewtschuk äußerte sich in einer Videobotschaft an die Päpstliche Thomas-von-Aquin-Universität anlässlich des Beginns des neuen akademischen Jahres. Er bat um neue Forschung über Krieg, Gewalt, die Suche nach Frieden und Gerechtigkeit angesichts der Ideologie der "russischen Welt". Diese zerstöre nicht nur die Grundlagen des internationalen Rechts und des friedlichen Zusammenlebens der Völker, sondern auch das Vertrauen in den christlichen Glauben in einer säkularisierten Welt.

Russisch-orthodoxe Kirche

Die russisch-orthodoxe Kirche ist mit rund 150 Millionen Gläubigen die mit Abstand größte orthodoxe Nationalkirche. In Russland bekennen sich gut zwei Drittel der Bevölkerung zu ihr - etwa 100 Millionen Menschen. Fast alle übrigen früheren Sowjetrepubliken zählt das Moskauer Patriarchat ebenfalls zu seinem kanonischen Territorium.

Russisch-orthodoxe Kirche mit Baugerüst / © Balakate (shutterstock)
Russisch-orthodoxe Kirche mit Baugerüst / © Balakate ( shutterstock )
Quelle:
KNA