DOMRADIO.DE: Sie waren jüngst auf dem jüdischen Friedhof in Köln-Bocklemünd. Wie wichtig ist Gedenken für Sie und die Menschen in ganz Deutschland?
Aaron Knappstein (Präsident des Karnevalsvereins die "Kölschen Kippa Köpp")
Das Gedenken ist ein sehr wichtiger Baustein für unsere Arbeit mit der jüdischen Gemeinschaft in Köln. Der Holocaust-Gedenktag fällt am 27. Januar mitten in die Karnevalssession. Das ist eine Zeit für uns, innezuhalten und an diejenigen zu denken, die ermordet worden sind. Ganz besonders an die ehemaligen Mitglieder des Jüdischen Karnevalvereins "Kleiner Kölner Club".
DOMRADIO.DE: Sie persönlich haben vor ein paar Tagen eine anonyme E-Mail mit antisemitischen Anfeindungen bekommen. Darin wurde Ihnen abgesprochen, dass Köln Ihre Heimat sei. Wie gehen Sie damit um?
Knappstein: Ich muss sagen, die jüdische Gemeinschaft ist gewohnt, solche Zuschriften und Anfeindungen zu erhalten. Wir vom Karnevalsverein sind das aber bisher eher nicht. Deshalb hat mich die E-Mail sehr schockiert. Ich habe einige Tage darüber nachgedacht und dann entschieden, dass wir damit an die Öffentlichkeit gehen müssen. Wir müssen zeigen, dass das neben den ganzen schönen Karnevalsfeiern und all den positiven Aspekten da ist. Das war mir sehr wichtig.
Ich bin sehr froh über die positiven Rückmeldungen und die Unterstützung, zum Beispiel vom Kölner Stadtdechanten Robert Kleine, der bei uns Fördermitglied ist.
DOMRADIO.DE: In der Tat haben Sie und die "Kölschen Kippa Köpp" breite Unterstützung aus Köln bekommen. Was können wir solchen Anfeindungen entgegensetzen?
Knappstein: Es ist wichtig, dass man darüber spricht und sich klar macht, dass das Ganze da ist und der Tatsache nicht widerspricht. "Nie wieder" ist nicht auf die Vergangenheit bezogen, sondern auf die Gegenwart und die Zukunft. Es ist ein Auftrag für uns alle, sich gegen Antisemitismus einzusetzen, damit wir gemeinsam in dieser Stadt leben können und auch den Karneval feiern können.
DOMRADIO.DE: Karneval ist das Stichwort. Mit welchen Gedanken gehen Sie in diesem Jahr in den Straßenkarneval?
Knappstein: Wir haben mit den Kippa-Köpp keine Umzüge oder Ähnliches geplant. Es gibt nichts, bei dem wir irgendwelche Sicherheitsbedenken hochstufen müssten.
Wir denken weiterhin positiv. Wir gehören zu dieser Stadt und wollen dabei sein. Wenn dieser Rückhalt aus der Karnevalsfamilie und darüber hinaus genauso stark bleibt, dann sind wir sicher, dass das eine gute Zeit wird.
Das Interview führte Carsten Döpp.