Kölner Pfarrer schreibt Hochzeitsratgeber

Zwischen Trausegen und Parkplatzsuche

Am schönsten Tag im Leben soll alles perfekt sein. Das denken viele Brautleute - und auch Priester. Pfarrer Stefan Klinkenberg hat ein Buch geschrieben, das Brautleuten bei den Hochzeitsvorbereitungen helfen soll.

 (DR)

Man nehme: 1 große Menge Liebe, 1 Prise Mut, 2 Anteile Entschlossenheit. Das ist der erste Rat, den Pfarrer Stefan Klinkenberg Heiratswilligen mit auf den Weg gibt. Der Pfarrer der Sankt-Engelbert-Kirche in Köln hat ein Buch geschrieben, das Paaren auf dem Weg zur Trauung helfen soll. Er hat es "Wedding-Kochbuch" genannt.

Ein Kochbuch als Hochzeitsvorbereitung? Klinkenberg erklärt das so: "Wir haben überlegt: Was nehmen junge Paare heute am ehesten in die Hand, wenn es um ein Buch geht?" Ein Kochbuch - da waren er und Josef Schäfers, Referent für Gemeindepastoral im Erzbistum Köln, sich schnell einig. Damit waren Name und Konzept des Buches klar. Es ist aufgebaut wie ein Kochbuch, beginnend mit einem Amuse Gueule (franz.: Gaumenfreunde), geht dann weiter über Vorspeisen, Hauptspeisen, Dessert. Denn, so Klinkenberg: "Die Leute sollen merken, dass eine Hochzeit eigentlich so vorzubereiten ist, wie ein schönes Menü."

Geistige und pragmatische Aspekte

Die gesamte Optik des Buches ist diesem Konzept unterworfen. Da finden sich Hochglanzbilder von Kaviar, mehlbestaubten Arbeitsflächen, exotischen Gewürze und dazwischen immer wieder Fotos der Kirche Sankt Engelbert. Die Ringbuchbindung soll den Arbeitsheft-Charakter des Buches unterstreichen.

Inhaltlich wendet das Buch sich geistigen wie pragmatischen Aspekten zu. Da werden Lesungen, Evangelien, Lieder, Segenssprüche und kleine Geschichten vorgeschlagen. Unter jeder Rubrik stehen fünf kleine Herzchen, die die Brautpaare ankreuzen können - "Gefällt uns nicht gut", "Gefällt uns sehr gut" und verschiedene Nuancen dazwischen.

Schlechte Erfahrungen beim ersten Traugespräch

Dazu immer wieder freie Seiten und Fragen an das Brautpaar: Haben wir eigene Ideen, Vorschläge, Geschichten, Pläne - und was wollen wir eigentlich vom Pfarrer wissen? Das Buch gibt aber auch Hinweise, die das Brautpaar ganz pragmatisch beachten sollte: Wie viele Monate vorher muss die Trauung angemeldet werden? Wo kann man parken? Sind Fotos möglich? Und welchem Zweck wird die Kollekte zugeführt?

Warum so viel Erklärung? Weil, so Klinkenberg, immer weniger Paare der standesamtlichen Trauung auch die kirchliche Eheschließung folgen ließen. Manche wüsste nicht, welche Kirche ihre Heimatpfarre ist. Manchmal sei nur ein Partner katholisch oder das Paar seit lange nicht im Gottesdienst gewesen. Dann machten sie manchmal schlechte Erfahrungen beim ersten Traugespräch mit dem Pfarrer.

Für positive Erfahrungen mit der Kirche

Klinkenberg will dagegen ganz vorurteilsfrei auf die Menschen zugehen, geduldig alles erklären, auch dann, wenn sie vielleicht ganz banale Fragen haben. Er ist überzeugt: "Wenn jemand sich entscheidet, in der Kirche zu heiraten, dann ist noch irgendwas da. Es gibt noch ein religiöses Empfinden." Ihm sei wichtig, dass diese Menschen dann auch positive Erfahrungen mit der Kirche machten.

An dem Projekt sind alle Kölner Pfarrer beteiligt. Aktiv eingebunden sind zwar nur drei Kirchen, aber alle anderen unterstützen das Projekt ebenfalls, indem sie die Paare gegebenenfalls weiterverweisen. Die Paare allerdings kommen laut Klinkenberg nicht nur aus Köln, sondern auch aus dem gesamten Umland. Sie haben von dem Projekt gehört und wollen nun von Klinkenberg getraut werden.

Das "Wedding-Kochbuch" war nicht allein Klinkenbergs Idee. Es ist in Zusammenarbeit mit Josef Schäfers entstanden. Angesichts der sinkenden Zahlen an kirchlichen Eheschließungen hatten beide ein Konzept entwickeln wollen, das Paaren den Weg vor den Traualtar erleichtert. Bereits vor einigen Jahren entstand so das Konzept von meinetraukirche.de, das Paaren ebenfalls Tipps für die Hochzeit gibt - allerdings online und weniger detailliert. Das Buch nun können sie Paaren in die Hand geben. Und es kommt an - ein weiteres Buch für eine andere Gemeinde ist bereits in Planung. Und vielleicht soll es demnächst auch eines für die Taufe geben. Die Nachfrage danach komme oft von Menschen, die er auch getraut habe, so Klinkenberg. Die stünden dann mit einem Baby im Arm vor ihm mit dem Wunsch nach einer Taufe und mit vielen Fragen.

Josef Schäfers und Stefan Klinkenberg  / ©  Nadine Vogelsberg (KNA)
Josef Schäfers und Stefan Klinkenberg / © Nadine Vogelsberg ( KNA )
Autor/in:
Nadine Vogelsberg
Quelle:
KNA