Kirchen streiten um Geburtsgrotten-Restaurierung in Bethlehem

Armenier kritisieren Katholiken und Orthodoxe

Die geplante Restaurierung der Geburtsgrotte Jesu in Bethlehem bereitet Ärger. Das armenische Patriarchat wirft katholischen und orthodoxen Kirchen vor, einseitig zu handeln und Armenier an den Rand zu drängen.

Detailaufnahme der Geburtsstelle Jesu Christi in der menschenleeren Geburtsgrotte unter der Geburtskirche in Bethlehem / © Andrea Krogmann (KNA)
Detailaufnahme der Geburtsstelle Jesu Christi in der menschenleeren Geburtsgrotte unter der Geburtskirche in Bethlehem / © Andrea Krogmann ( KNA )

Die geplante Restaurierung der Geburtsgrotte Jesu in Bethlehem sorgt für Streit zwischen den christlichen Kirchen. Das armenische Patriarchat wirft der katholischen Franziskanerkustodie des Heiligen Landes und dem griechisch-orthodoxen Patriarchat von Jerusalem vor, einseitig vorzugehen und die Armenier an den Rand zu drängen.

Ende Januar hatten die beiden Kirchen in einer gemeinsamen Erklärung mitgeteilt, dass die Grotte innerhalb der Geburtskirche restauriert werde. Auch das armenische Patriarchat und die palästinensischen Behörden seien beteiligt, hieß es. Nach Darstellung der Armenier geschieht dies jedoch nicht auf Augenhöhe.

Geteilte Verwaltung

Die Geburtsgrotte wird nach einer jahrhundertealten Vereinbarung gemeinsam von drei Gemeinschaften verwaltet: der griechisch-orthodoxen Kirche, der armenisch-apostolischen Kirche und der römisch-katholischen Kirche. Diese Regelung sieht gleiche Rechte und Mitbestimmung bei allen Entscheidungen vor, auch bei Restaurierung und Öffentlichkeitsarbeit.

Geburtskirche in Bethlehem / © Renardo Schlegelmilch (DR)
Geburtskirche in Bethlehem / © Renardo Schlegelmilch ( DR )

Kritisiert wird unter anderem, dass die Armenier in der jüngsten katholisch-orthodoxen Erklärung nur als "kooperative" Partner erwähnt werden, aber nicht als Unterzeichner. Laut armenischem Patriarchat ist dies kein Versehen, sondern eine bewusste politische Botschaft. Auch ein Bericht der Franziskanerkustodie über eine Ortsbesichtigung vor wenigen Tagen habe Fotos und Stellungnahmen ohne armenische Vertreter enthalten.

Forderung der Armenier

"An einem heiligen Ort, an dem der Status quo gewahrt bleibt, kann man nicht von 'Übereinkunft' sprechen und gleichzeitig bilateral handeln", erklärte das armenische Patriarchat. Armenier in Texten zu erwähnen, sie aber in der Praxis auszuschließen, sei inakzeptabel. Wiederholter Ausschluss könne langfristig Rechte der Armenier an der Stätte untergraben. 

Die armenische Kirche fordert daher, dass Mitteilungen, Besuche und Inspektionen künftig ausschließlich dreiseitig erfolgen und die Armenier öffentlich als vollwertige Hüter der Geburtsgrotte dargestellt werden.

Leere Geburtskirche / © Andrea Krogmann (KNA)
Leere Geburtskirche / © Andrea Krogmann ( KNA )

Die im Juni 2012 auf die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommene Geburtskirche im Zentrum Bethlehems gehört zu den heiligsten Stätten der Christenheit. Seit 2013 wurde sie umfangreich restauriert. Die Geburtskirche ist Teil eines 12.000 Quadratmeter großen Komplexes von Kreuzgängen, Klöstern, Grotten und weiteren Kirchen. 

So ist die katholische Katharinenkirche direkt mit der Geburtsbasilika verbunden. Weiter gehören ein lateinischer, ein griechisch-orthodoxer und ein armenischer Konvent dazu. Die Basilika selbst wird von diesen drei Konfessionen gemeinsam verwaltet. 

Quelle:
KNA