Angesichts weltweit steigender Militärausgaben wächst die Sorge vor einer Spirale der Aufrüstung. Der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz sprach am Montag von einem beunruhigenden Trend. Bentz ist Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax (Gerechtigkeit und Frieden).
Zuvor hatte das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri am selben Tag mitgeteilt, dass die Staaten der Welt im vergangenen Jahr rund 2,887 Billionen US-Dollar für Waffen und Rüstung ausgegeben hätten. Dieser Wert entspricht rund 2,46 Billionen Euro. Nach Angaben der Forscher stieg der Betrag zum elften Mal in Folge.
Mahnende Worte von der Kirche
"Die von Sipri vorgelegten Zahlen sind ein Symptom der Schwächung der internationalen Ordnung sowie der Zunahme der Unsicherheit in den Beziehungen zwischen den Staaten", sagte Erzbischof Bentz der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Großmächte wie Russland und die USA brächten ihre Interessen zunehmend auch militärisch zur Geltung. "Das fördert eine Dynamik der Aufrüstung und führt zur Fokussierung auf die militärischen Aspekte von Sicherheit", kritisierte der Justitia-et-Pax-Vorsitzende.
Bischof: Waffen allein sind keine Lösung
"Den davon ausgehenden Bedrohungsdynamiken können auch wir uns in Deutschland und Europa nicht einfach entziehen", ergänzte der Erzbischof. "Es gilt, angemessen – leider auch militärisch – darauf zu antworten."
Zugleich komme es jedoch darauf an, einen politischen Prozess in Gang zu setzen, "der Vertrauen und Sicherheit schafft, gegenseitige Bedrohung reduziert und dem Völkerrecht wieder die dringend erforderliche Anerkennung verschafft", so Bentz.
Deutschland auf Platz vier
Die drei Länder mit den höchsten Militärausgaben waren laut Sipri die USA (954 Milliarden), China (336 Milliarden) und Russland (190 Milliarden). Diese drei Staaten investierten zusammen in diesem Bereich 1,48 Billionen US-Dollar, also etwa die Hälfte des von den Experten berechneten Gesamtwertes für 2025. Auf Platz vier folgte Deutschland (114 Milliarden).
Während die USA ihre Militärausgaben um 7,5 Prozent gegenüber 2024 zurückfuhren, stiegen sie laut Statistik um 14 Prozent in Europa und um 8,1 Prozent in Asien und Ozeanien. Für den Anstieg in Europa verantwortlich sind nach Angaben der Wissenschaftler vor allem Russland und die Ukraine. Russland führt seit 2022 einen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Zugleich setzten die europäischen NATO-Mitglieder ihre Aufrüstung fort, hieß es weiter. Das habe 2025 zum stärksten jährlichen Anstieg der Verteidigungsausgaben in Mittel- und Westeuropa seit dem Ende des Kalten Krieges geführt.
Forscher sehen keine Trendwende
Die Forscher gehen davon aus, dass sich an dem allgemeinen Trend zur Aufrüstung mittelfristig wenig ändert. "Angesichts der Vielzahl aktueller Krisen sowie der langfristigen Verteidigungsausgabenziele vieler Staaten wird sich dieser Anstieg voraussichtlich bis 2026 und darüber hinaus fortsetzen", so Sipri-Experte Xiao Liang.