Evangelischer Pfarrer will Open-Air-Gottesdienst an Heiligabend feiern

"Kirche ist nicht immer in der warmen Stube gewesen"

Die Christvesper im Stadion? In Corona-Zeiten werden Geistliche erfinderisch, um der Nachfrage der Gläubigen und den Corona-Beschränkungen gleichermaßen gerecht zu werden. Pfarrer Michael Diezun aus Grevenbroich steckt schon in den Vorbereitungen.

Gottesdienstbesucher zünden Kerzen an / © Harald Oppitz (KNA)
Gottesdienstbesucher zünden Kerzen an / © Harald Oppitz ( KNA )

DOMRADIO.DE: Was haben Sie geplant, um den Corona-Bestimmungen gerecht zu werden?

Michael Diezun (Pfarrer in der evangelischen Gemeinde Grevenbroich): Wir haben uns für den Gottesdienst an Heiligabend um 18 Uhr entschieden nach draußen zu gehen, ins Schlossstadion in Grevenbroich. Das hat den Vorteil, dass wir dort zwar draußen sind, aber es noch ein Dach gibt, was über den Köpfen ist, sodass wir einerseits ein Vordach haben - der Wind fegt die Aerosole aus den Reihen - und gleichzeitig sind wir vor Regen und anderen Witterungseinflüssen geschützt.

DOMRADIO.DE: Kann das funktionieren?

Diezun: Das muss funktionieren. Kirche ist ja nicht immer in der warmen Stube gewesen. Heiligabend erinnert daran, dass da zwei Menschen unterwegs sind, in ungemütlichen Situationen. Auch in Israel ist es im Winter kalt und da ist die Frau sogar schwanger und dann kriegen sie nichts Besseres als einen Stall. Insofern glaube ich, dass, wenn wir draußen Heiligabend feiern, sehr nahe an der Situation sind, weswegen wir Weihnachten feiern. Maria und Josef im Stall, Maria kriegt ein Kind.

DOMRADIO.DE: Wie viele Menschen könnten denn dabei sein und diese Christvesper dann mitfeiern?

Diezun: Wir haben ein Anmeldessystem, dass wir das etwas steuern können. Insgesamt werden 250 Leute locker darin unterzubringen, also mit 1,50 Meter Abstand, nur die Hausstände zusammen. Müssen wir mal schauen, ob wir das schaffen. Ob es so viele gibt, die sich bei dem Wetter da draußen hinsetzen wollen.

DOMRADIO.DE: Die ursprüngliche Planung war, dass Sie die Predigt von einem großen Hänger halten. Das hätten Sie sich wahrscheinlich vor ein paar Monaten auch nicht gedacht, dass das mal so passieren kann, wird ja jetzt auch nicht so passieren. Es gibt da noch eine Änderung.

Diezun: Die Stadt Grevenbroich unterstützt uns wirklich dabei. Ein Mitarbeiter der Stadt hat jetzt eine Bühne gefunden. Und die ist ein bisschen besser auf dem Rasen unterzubringen. Denn so wie das Wetter jetzt aussieht, wird das Fußballfeld und der Rasen, der die Laufbahn begrenzt, weich sein. Da werden landwirtschaftliche Hänger nicht so gut passen. Die Bühne ist besser.

DOMRADIO.DE: Das Stadion soll ja Heiligabend bei Ihnen nicht der einzige Schauplatz eines Open-Air- Gottesdienstes sein. Da geht's ja schon nachmittags los mit einer lebendigen Krippe.

Diezun: Die lebendige Krippe ist in Gustorf auf dem Parkplatz vor der Markuskirche. Da leiden wir momentan gerade mit unseren Tieren, denn da sind alle irgendwie vorsichtig wegen Corona.

Mal gucken, wie viele Tiere wir tatsächlich an Heiligabend haben. Aber gestern haben sich im Vorbereitungskreis einige Eltern schon bereit erklärt, dann als Esel oder Ochse aufzutreten. Da bin ich mal gespannt, wie das aussieht.

DOMRADIO.DE: Jetzt hat uns die Corona-Pandemie in diesem Jahr auch gelehrt, dass wir heute nicht wissen, wie es morgen weitergeht. Heißt das, sie sind eigentlich ständig mit dem Gesundheitsamt in Kontakt und gucken auch, was das Land noch so entscheidet?

Diezun: Das ist immer das erste morgens: nachschauen, wie hoch die Infektionszahlen sind. Es ist dieses Jahr halt nichts so, wie es sonst ist. Und wir können nur vorbereiten was planbar, was machbar ist. Und dann müssen wir an dem Tag sehen, was geht.

DOMRADIO.DE: Welche Rückmeldungen haben Sie denn schon aus der Gemeinde zu Ihren Planungen für Heiligabend im Stadion?

Diezun: Da melden sich momentan sehr viele an. Das ist auch gut, weil da am meisten rein können. Die Kirchen sind ja bei uns aufgrund der Abstandsregelung nur sehr dünn besetzt und von daher ist momentan der Zulauf zu dem Sportstadion sehr gut.

Das Interview führte Carsten Döpp.

Die Weihnachtskrippe mit der heiligen Familie / © Masini (shutterstock)
Die Weihnachtskrippe mit der heiligen Familie / © Masini ( shutterstock )
Quelle:
DR