Katholische Kirche räumt zu Jubiläum Schuld gegenüber Freikirchen ein

100 Jahre Freikirchen-Vereinigung

Die katholische Kirche hat zum 100. Jubiläum der Freikirchen-Vereinigung selbstkritisch Schuld im Umgang mit den Freikirchen eingeräumt. Sie habe lernen müssen, sie als ökumenische Partner wahrzunehmen und zu respektieren.

Symbolbild Frauenhände und Sonne / © HTWE (shutterstock)
Symbolbild Frauenhände und Sonne / © HTWE ( shutterstock )

Das sagte der Ökumenebeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Gerhard Feige, am Mittwochabend laut Manuskript bei einem Jubiläumsempfang in Berlin zum 100-jährigen Bestehen der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF). Er sei dankbar für wichtige Impulse, die die Freikirchen in die Gemeinschaft der Christen einbrächten.

Gerhard Feige, Bischof von Magdeburg / © Dominik Wolf (KNA)
Gerhard Feige, Bischof von Magdeburg / © Dominik Wolf ( KNA )

"Die Schuld der Vergangenheit kann man nicht ungeschehen machen. Aber ein ehrlicher Blick in die Vergangenheit, ein aufrichtiges Schuldbekenntnis und für die Zukunft die Zusage eines wirklich geschwisterlichen Umgangs können helfen, die positiven Entwicklungen der letzten Jahrzehnte in unseren wechselseitigen Beziehungen auch in Zukunft fortzuschreiben", hob Feige hervor.

Ökumenische Pionierarbeit

Der Magdeburger Bischof betonte, die VEF habe ökumenische Pionierarbeit darin geleistet, Vielfalt in den Traditionen, theologischen Akzentsetzungen, Frömmigkeitsstilen und Ausprägungen auf der einen Seite und Einheit im Glauben auf der anderen Seite zu leben und zu gestalten. "Dafür möchte ich der VEF als katholischer Vertreter heute ausdrücklich danken."

Er hege große Bewunderung für die Entschiedenheit, mit der freikirchliche Christinnen und Christen ihren Glauben lebten. "Und es ist gut, dass sie das Bewusstsein dafür wachhalten, dass das Verhältnis von Kirche und Staat stets einer kritischen Reflexion bedarf, dass sie daran erinnern, die friedensethischen Impulse des Christentums ernst zu nehmen, und dass sie unbeirrbar für Glaubens- und Gewissensfreiheit eintreten – auch gegen Widerstände", so Feige.

Ökumene

Der Begriff "Ökumene" stammt aus dem Griechischen und heißt wörtlich übersetzt "die ganze bewohnte Erde". Gemeint sind die Bemühungen um die Einheit aller getrennten Christen. Die Ökumenische Bewegung ging zunächst von evangelischer Seite aus; als Beginn gilt die Weltmissionskonferenz von Edinburgh im Jahr 1910. Sie führte 1948 zur Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen (Weltkirchenrat, ÖRK) mit Sitz in Genf. Ihm gehören heute 349 reformatorische, anglikanische und orthodoxe Kirchen mit 560 Millionen Christen in 110 Ländern an.

Bewegung in der Ökumene / © Paul Sklorz (KNA)
Bewegung in der Ökumene / © Paul Sklorz ( KNA )
Quelle:
KNA