Kirchengemeinden sind in Krisensituationen ein wichtiger Anlaufpunkt - das hat sich auch beim Stromausfall in Berlin Anfang Januar gezeigt. Aufgrund ihrer Organisationsstrukturen und der breiten Vernetzung vor Ort hätten diese in dieser Krise einen wichtigen Beitrag zur Hilfe geleistet, erklärte die Katastrophenforscherin Cordula Dittmer in Berlin.
Gemeinden hätten ihre Aufgaben erweitert, indem sie etwa Notunterkünfte anboten und Spenden bereitstellten, erklärte Dittmer bei einer Veranstaltung des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) zur kommunalen Resilienz in Katastrophenfällen.
Ältere Gemeindemitglieder seien zu Hause aufgesucht und gefragt worden, ob sie Hilfe benötigten, erklärte Dittmer, die an der Akademie der Katastrophenforschungsstelle forscht. In einer Gemeinde hätten sich Konfirmanden um funktionierende Kommunikationstechnik gekümmert.
Auch Sportvereine und Supermärkte hätten ihre Strukturen genutzt, um neben etablierten Akteuren wie Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Hilfsorganisationen neue Aufgaben im Bereich der akuten Versorgung zu übernehmen.
Unterschätzte Bedeutung
Die Bedeutung solcher zivilgesellschaftlicher Akteure in einer Krise sei in der Debatte um Katastrophenvorsorge und -bewältigung bislang weiterhin "wenig präsent". Ein erster Schritt könne sein, ehren- und hauptamtliche Helfer bei Übungen und Krisenprävention miteinander zu vernetzen.
Zugleich sei es mit Blick auf den staatlichen Schutzauftrag ein "schmaler Grat", die Bevölkerung in Krisensituationen einzubinden und mehr Resilienz von den Bürgern zu fordern, erklärte Dittmer. Es dürfe nicht alles auf das Ehrenamt und Spontanhilfe abgewälzt werden. Zugleich beobachtet die Krisenforscherin, die während des Stromausfalls in Berlin vor Ort recherchierte, fehlende Kommunikation zwischen staatlichen Vertretern und zivilgesellschaftlichen Initiativen. Zudem sei es wichtig, zu wissen, "welche Akteure vor Ort sind" und wie man diese im Notfall schnell erreiche.
"Plötzlich geht ganz viel"
Dittmer kritisierte, dass nach dem Berliner Stromausfall auch über die Medien ein "Bild des großen Scheiterns und Versagens" gezeichnet worden sei. Bei ihren Recherchen vor Ort und Gesprächen mit Betroffenen und Hilfskräften, ist sie zu dem Schluss gekommen, dass die Lage insgesamt gut gemeistert worden sei. Zugleich gebe es vor allem bei vulnerablen Gruppen "immer Optimierungspotenzial". Sie habe in der Krise festgestellt, "plötzlich geht ganz viel".