Kardinal Woelki spricht über Umgang mit Reformforderungen

"Das Volk Gottes in der Weltsynode beteiligen"

Rund 1.700 Gläubige im Erzbistum Köln sind dem Aufruf des Papstes gefolgt und haben im Vorfeld der geplanten Weltsynode ihre Vorstellungen von Kirche dargelegt. Wie will Kardinal Woelki nun mit den Forderungen verfahren?

Rainer Maria Kardinal Woelki / © Rolf Vennenbernd (dpa)
Rainer Maria Kardinal Woelki / © Rolf Vennenbernd ( dpa )

DOMRADIO.DE: Der Papst möchte eine synodale Kirche. Er hat dazu die Voten aus der ganzen Weltkirche eingefordert. Das Erzbistum Köln hat die Voten am Wochenende verabschiedet. Was wird jetzt nach Rom gemeldet?

Rainer Maria Kardinal Woelki (Erzbischof von Köln): Das Volk Gottes war aufgefordert, sich zu beteiligen. Wir haben eine eigene Beteiligungsplattform eingerichtet für die Rückmeldungen der Gläubigen. Ungefähr 5.400 Einträge hat es gegeben, ganz kontrovers.

Man sieht, was die Menschen gegenwärtig bewegt, nämlich der Wunsch nach einer synodalen Kirche, nach einer partizipativen Kirche, nach einer Kirche, die geistlich unterwegs ist. Aber eben auch eine Kirche, die offen ist für die Zulassung der Weiheämter für alle Menschen, also auch für Frauen, für eine Kirche, die Macht abgibt und Macht teilt und wo hierarchische Strukturen keine Rolle mehr spielen. Also, die Bandbreite der Rückmeldungen ist ganz, ganz weit und ganz, ganz offen gewesen.

Unsere Aufgabe war es, das zu sichten und dafür Sorge zu tragen, dass dann auch diese Stimmen, diese Rückmeldungen jetzt ungeschönt eins zu eins weitergegeben werden in das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, wo die Sammlung all der Rückmeldungen aus den verschiedenen deutschen Diözesen stattfindet und wo wir dann ein gemeinsames Papier für die Kirche in Deutschland erstellen werden. Und da geht unsere Kölner Stimme auch mit ein.

Kardinal Woelki zu Reformforderungen

"Vieles [...] können wir hier vor Ort tun."

DOMRADIO.DE: Wo bleibt denn die Stimme des Kardinals? Es ist ja bekannt, dass manche dieser Positionen, die da jetzt in den Papieren sind, nicht unbedingt Ihre große Zustimmung finden.

Rainer Maria Kardinal Woelki / © Rolf Vennenbernd (dpa)
Rainer Maria Kardinal Woelki / © Rolf Vennenbernd ( dpa )

Woelki: Viele kennen meine Position, die muss ich jetzt hier erst gar nicht wiederholen. Und jetzt geht es ja einfach erst mal darum, wahrzunehmen und zu hören, was die Menschen denken - und das natürlich auch wertzuschätzen. Dann wird man sehen, wie in dem weiteren Verlauf dieses synodalen Prozesses mit den verschiedenen Stimmen umgegangen wird.

Wir müssen jetzt schauen, ob das, was uns gegenwärtig hier in Deutschland bewegt, sich auch in den anderen Teilkirchen so darstellt und was dann im Letzten ganz konkret in Rom verhandelt wird.

Viele von den Fragen, die da rückgemeldet worden sind, müssen wir universalkirchlich miteinander entscheiden. Vieles andere können wir hier vor Ort tun. Und da bin ich ganz dabei, dass wir uns dem stellen und da anfangen und gemeinsam in die Zukunft gehen.

DOMRADIO.DE: Eine Zwischenetappe ist geschafft. Wie ist denn Ihr Fazit dieser Zwischenetappe im Hinblick auf den Gesamtweg, der da noch zu gehen ist?

Woelki: Zunächst einmal bin ich sehr dankbar, dass sich in der Relation so viele Menschen beteiligt haben. Da haben wir eigentlich eine sehr, sehr gute Basis. Und ich glaube, dass das Stimmungsbild ein gutes Spiegelbild darstellt mit Blick auf das, was der Großteil der Menschen in unserer Diözese empfindet, sich wünscht und so sieht.

Kardinal Rainer Maria Woelki (2.v.l), Erzbischof von Köln, Rolf Steinhäuser (r), Weihbischof im Erzbistum Köln, Vera Krause, Michael Haensch (M) und Frank Reintgen (verdeckt) stehen nach einem Pressegespräch auf dem Balkon des Domforum / © Rolf Vennenbernd (dpa)
Kardinal Rainer Maria Woelki (2.v.l), Erzbischof von Köln, Rolf Steinhäuser (r), Weihbischof im Erzbistum Köln, Vera Krause, Michael Haensch (M) und Frank Reintgen (verdeckt) stehen nach einem Pressegespräch auf dem Balkon des Domforum / © Rolf Vennenbernd ( dpa )

Insofern bin ich ganz dankbar für das, was wir erreicht haben und dass wir uns dem gestellt haben, was der Papst wollte. Er hatte darum gebeten, dass das Volk Gottes zu hören ist, dass wir also jetzt nicht, wie in früheren Jahren, einfach nur eine Gruppe von Mitarbeitern an der Kurie haben, die dann irgendwelche Theologen fragen und wo dann Arbeitsdokumente erstellt werden, die dann am Ende in die Synode einfließen. Sondern eine wirklich breite partizipative Bewegung, eine Synodalität von unten, wie der Papst immer wieder betont, zu sagen.

Wir müssen hören, was aus dem Volk Gottes kommt, um das zu würdigen, zu werten und dann eben auch auf der Basis des Evangeliums wahrzunehmen. Jetzt schauen wir, wie sich das weiterentwickelt. Wir sind, glaube ich, mit Blick auf eine synodale Kirche alle Lernende. Wir stehen alle am Anfang. Es ist eine Vision, die der Papst vor Jahren eingebracht hat. Jetzt müssen wir alle irgendwie ringen und lernen, wie das eigentlich gehen kann.

Weltsynode 2021-2023

Bei der Weltsynode 2021-2023 geht es um die wichtige Frage, wie die Sendung der Kirche in heutiger Zeit überzeugend, partizipativ und gemeinschaftlich gelebt werden kann.

Papst Franziskus hält die Hand ans Ohr / © Paul Hering (KNA)

DOMRADIO.DE: Gehört für Sie auch dazu, dass zur Weltsynode dann nicht nur Bischöfe zusammenkommen, sondern dass die Laien in gleicher Stimmenzahl stimmberechtigt beteiligt werden? Wäre das eine Sache, die Sie auch unterstützen würden?

Woelki: Ich glaube, dass das wichtig wäre. Wenn der Papst das ganze Volk Gottes hören will, dann sollte man auch das Volk Gottes in der Weltsynode beteiligen.

Das Interview führte Ingo Brüggenjürgen.

Quelle:
DR
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