Weltsynoden-Team im Erzbistum Köln berät

"Raum für unzensiertes Gespräch"

Am Wochenende kommt die Versammlung der Kölner Katholikinnen und Katholiken für die Weltsynode zusammen. Der Leiter des Vorbereitungsteams, Michael Hänsch, lobt die breiten Beteiligungsmöglichkeiten als Modell für die Zukunft.

Weltsynoden-Team im Erzbistum Köln berät (Erzbistum Köln)

DOMRADIO.DE: Sie leiten das Vorbereitungsteam der Synode im Erzbistum Köln mit. So richtig steigen Sie also am Wochenende mit einer Versammlung ein. Worum geht es da? 

Michael Hänsch / © Kath. Gemeindeverband Düsseldorf
Michael Hänsch / © Kath. Gemeindeverband Düsseldorf

Michael Hänsch (Leiter des Vorbereitungsteams der Weltsynode im Erzbistum Köln): Die diözesansynodale Versammlung in Köln ist sozusagen der vorläufige Schlusspunkt der diözesanen Phase der Weltsynode.

Ich glaube, das muss man ein wenig erklären. Der Heilige Vater hat alle Katholikinnen und Katholiken aufgefordert: Gebt mir gute Ideen für die Zukunft der Kirche. Das haben wir im Erzbistum Köln dadurch probiert umzusetzen, dass wir eine Beteiligungsplattform eingerichtet haben, wo alle, die wollten, schreiben konnten, was sie dem Heiligen Vater raten.

Das hat eine gute Resonanz gefunden. Da sind weit über 5.400 Beiträge zusammengekommen - von Einzelpersonen, aber auch von 324 Gruppen. Diese ganzen Rückmeldungen sind heute noch für jeden im Bistum sichtbar auf der Internetseite der Weltsynode nachlesbar - also, ein Maximum an Transparenz.

Die Bistumsleitung wollte, dass wir auch noch mal sozusagen synodale Elemente nehmen, um die Rückmeldung, die vom Erzbistum Köln an die Deutsche Bischofskonferenz und über die an den Heiligen Vater gehen, noch mal zu beraten.

Also, was haben wir gemacht? Wir haben versucht, aus den ganz vielen Einträgen, Rückmeldungen, Kommentaren, Vorschlägen ein zirka zehnseitiges Vorschlagspapier zu machen. Und das wollen wir am Wochenende diskutieren und gemeinsam beschließen.

DOMRADIO.DE: Mario Grech, der als Generalsekretär der Bischofssynode die Weltsynode plant, sagt: Der Heilige Geist spricht nicht nur durch Bischöfe, sondern auch durch das Volk Gottes, also diese Stimmen, die sie zusammengesammelt haben. Zur einen Hälfte werden die teilnehmenden Menschen aus dem Diözesanpastoralrat sein, hier im Erzbistum Köln. Wer sind die andere Hälfte des Volkes Gottes, die sich hier einbringen wird in diesen Prozess am Wochenende? 

Michael Hänsch, Leiter des Vorbereitungsteams der Weltsynode im Erzbistum Köln

"Wir tragen unsere Gedanken ausdrücklich noch mal vor Gott und bitten auch um seinen Segen für unser Tun und Handeln."

Hänsch: Die andere Hälfte sind Menschen, die wir - sagen wir mal - gesucht und gebeten haben, an der Versammlung teilzunehmen. Das war Weihbischof Steinhäuser wichtig, auch einen repräsentativen Blick auf das ganze Bistum zu werfen. Ich mache das mal mit einem Augenzwinkern: Im Diözesanpastoralrat sind auch eine große Anzahl von Klerikern, eine große Anzahl von älteren Menschen, eine große Anzahl von Männern.

Wir sind gebeten worden: Sucht mal sozusagen die Gegenstücke dazu. Also, sucht nach Frauen, die sich in der Kirche engagieren. Sucht nach Jugendlichen, die sich engagieren. Sucht nach Menschen, die an den Rändern leben. Also Leute, die aus der Kirche ausgetreten sind, Leute, die in schwierigen sozialen Situationen leben. Und so weiter.

Da haben wir jetzt rund 150 Leute - 75 aus dem Diözesanpastoralrat und 75 sozusagen "normale" Christinnen und Christen -mit denen wir unseren Vorschlag für die zehn Seiten Papier, die aus dem Erzbistum Köln an die Bischofskonferenz gehen sollen, diskutieren und beraten wollen. 

DOMRADIO.DE: Mit allen, die sich versammeln, feiern sie gemeinsam am Samstag um 17:30 Uhr im Forum des Erzbischöflichen Berufskollegs Köln einen Gottesdienst. Aus welchem Grund gehört der für Sie dazu? 

Weltsynode 2021-2023

Bei der Weltsynode 2021-2023 geht es um die wichtige Frage, wie die Sendung der Kirche in heutiger Zeit überzeugend, partizipativ und gemeinschaftlich gelebt werden kann.

Papst Franziskus hält die Hand ans Ohr / © Paul Hering (KNA)

Hänsch: Ich glaube, das ist für mich ganz entscheidend. Ich finde es schön, dass wir auch aufgrund der baulichen Gegebenheiten Gottesdienst feiern in dem Raum, wo wir auch beraten, diskutiert und entschieden haben.

Wir tragen unsere Gedanken ausdrücklich noch mal vor Gott und bitten auch um seinen Segen für unser Tun und Handeln. Denn das Handeln wird ja nochmal den zweiten Tag bestimmen, wo wir fragen: Welche Konsequenzen würden sich denn auch für die kirchliche Arbeit im Erzbistum Köln aus den Rückmeldungen und Beiträgen der Beteiligungsplattform ergeben?

Ich denke, das wird kein festliches Hochamt, sondern es wird ein eher ruhiger Gottesdienst, in dem aber auch die Meinungen und die Gedanken des Tages einfließen werden. Und dass wir gemeinsam unser Beraten auch mit der Hinwendung zu Gott beenden. 

DOMRADIO.DE: Anschließend an die Eucharistiefeier gibt es ein Gesprächsforum. Worüber werden sich die Teilnehmenden da dann noch austauschen? 

Hänsch: Journalisten werden dann einzelne Leute befragen. Sie werden mit Sicherheit in den Kardinal befragen, auch Weihbischof Steinhäuser. Vielleicht werden Vera Krause, Frank Reintgen und ich als Leitung des Synodenteams auch zu Wort kommen. Das wissen wir nicht. Aber wir möchten schon, dass neben dem Gottesdienst auch den Leuten bei DOMRADIO.DE mitgeteilt wird, um was es inhaltlich geht.

Weil man keinen ganzen Tag streamen kann - das würden sich, glaube ich, auch nicht viele angucken - haben wir gedacht, eine Bündelung von unterschiedlichen Positionen und unterschiedlichen Repräsentanten aus unserer Kirche wäre ein guter Schritt.

DOMRADIO.DE: Auf DOMRADIO.DE übertragen wir den Gottesdienst und bekommen dann eine gute Zusammenfassung. Was erhoffen Sie sich persönlich, was bei der Weltsynode rumkommen soll? 

Michael Hänsch, Leiter des Vorbereitungsteams der Weltsynode im Erzbistum Köln

"Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass wir bei anderen ganz relevanten Fragen für unser Bistum nochmal auf ein solches Instrument zurückgreifen."

Hänsch: Ich finde es wirklich interessant und toll - ich sage das mal so salopp - dass der Heilige Vater noch mal dieses synodale Prinzip stark gemacht hat, also dass wir alle miteinander in der Kirche beraten, wie denn der Weg der Kirche in dieser Zeit sein soll und was auch wir als Christinnen und Christen miteinander tun müssen. Deshalb finde ich es auch so spannend, dass das Erzbistum Köln diese Beteiligungsplattform ermöglicht hat.

Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass wir bei anderen ganz relevanten Fragen für unser Bistum nochmal auf ein solches Instrument zurückgreifen. Als Synodenteam haben wir den Eindruck, da haben wir eine richtig gute Erfahrung gemacht, weil wir einen Raum für Gespräch eröffnet haben, das nicht zensiert worden ist und was für alle einsehbar ist. Jeder kann also bis heute lesen, welche Meinungen und Gegenmeinungen und Vorschläge auf der Beteiligungsplattform veröffentlicht worden sind. 

Das Interview führte Katharina Geiger.

Information der Redaktion: DOMRADIO.DE überträgt die Eucharistiefeier zur diözesanen Versammlung der Weltsynode im Erzbistum Köln am Samstag, 30.04.2022, von 17 Uhr an live.

Quelle:
DR