Kardinal Woelki präsentiert Kölner Eingaben zu Weltsynode

Als Bote nach Rom

Gläubige im Erzbistum Köln haben auf einer Internetplattform zur geplanten Weltsynode des Papstes weitgehende Reformforderungen erhoben. Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki sieht sich nun als Bote gefordert.

Rainer Maria Kardinal Woelki / © Rolf Vennenbernd (dpa)
Rainer Maria Kardinal Woelki / © Rolf Vennenbernd ( dpa )

DOMRADIO.DE: Was genau wurde denn im Erzbistum Köln verabschiedet?

Ingo Brüggenjürgen / © Harald Oppitz (KNA)
Ingo Brüggenjürgen / © Harald Oppitz ( KNA )

Ingo Brüggenjürgen (Chefredakteur DOMRADIO.DE): Wir müssen das alles ein bisschen ordnen, denn es gibt ja zwei Synodalprozesse.

Jetzt geht es ganz konkret um die Weltsynode. Dazu hat der Papst eingeladen. Und der Papst möchte möglichst viele Voten aus seiner Weltkirche bekommen. Die sind in den einzelnen Diözesen gesammelt worden.

Es gibt über 3.000 Diözesen, also kirchliche Verwaltungsbezirke weltweit und 27 in Deutschland. Das Erzbistum Köln hat jetzt diese Voten zusammengefasst, die da eingebracht worden sind. Das hat man mithilfe einer Beteiligungsplattform gemacht.

Katholiken im Erzbistum Köln sind im Februar und März eingeladen worden, sich zu beteiligen, wie Kirche den Glauben zukünftig weitergeben kann, was beachtet werden muss, was geändert werden muss.

Über 5.000 Voten sind dabei zusammengekommen und 150 Männer und Frauen aller Bereiche aus dem Bistum haben sich am Wochenende getroffen und diese Voten auf den Weg gebracht.

DOMRADIO.DE: Was kam denn inhaltlich zur Sprache in diesen Voten, die jetzt an die Deutsche Bischofskonferenz und an den Papst gehen?

Brüggenjürgen: Dem Papst geht es darum zu wissen, wie das geistliche Leben, wie  Kirche in die Zukunft kommen kann, wie das Evangelium weiter gelebt werden kann. Dazu hat er zehn Punkte vorgegeben und zu diesen Punkten wurden alle Anmerkungen oder Ideen aufgezeichnet.

Es zeigt sich ein ganz breites Bild. Das geht von dem Wunsch nach anderer Musik im Gottesdienst über einen anderen Zuschnitt von Gemeinden bis hin zu den großen Fragen, die wir von dem deutschen Synodalen Weg kennen: die Fragen der Machtverteilung, die Fragen zu Priestern, Zölibat, Zugang zu Weiheämtern, Sexualität.

Es ist ein ganz großes, breites Bild, was da deutlich wurde. Es zeigt auch, was teilweise sehr konkret vom Papst gefordert wurde. Das kann man in den einzelnen Voten alles sehr transparent nachlesen.

DOMRADIO.DE: Gab es denn im Hinblick auf die besondere Situation im Erzbistum Köln auch Voten, die auf diese spezielle Herausforderung eingehen?

Brüggenjürgen: Ja, dieser Prozess soll transparent sein, soll offen sein. Das wurde von allen Beteiligten heute noch mal gesagt.

Insofern kamen natürlich auch kritische Stimmen, die sich auf den Kardinal bezogen. Der Kardinal wurde gefragt, ob ihm das denn nicht zu Herzen gehe. Er hat darauf geantwortet, dass er das alles registriert habe. Es gebe Fehler, die er gemacht habe. Es gebe einen Vertrauensverlust. Eine große Mehrheit der Voten habe das zurückgespielt. Es gebe aber auch eine kleinere Anzahl von Voten, die besagen, dass der Kardinal auch eine zweite Chance brauche.

Also, auch das wurde bei diesem Prozess nicht ausgespart.

DOMRADIO.DE: Wie hat denn der Kardinal insgesamt auf dieser Pressekonferenz gewirkt? Es war die erste Pressekonferenz nach der Auszeit, bei der Journalisten Fragen stellen konnten.

Kardinal Rainer Maria Woelki (l), Erzbischof von Köln, und Rolf Steinhäuser, Weihbischof im Erzbistum Köln / © Rolf Vennenbernd (dpa)
Kardinal Rainer Maria Woelki (l), Erzbischof von Köln, und Rolf Steinhäuser, Weihbischof im Erzbistum Köln / © Rolf Vennenbernd ( dpa )

Brüggenjürgen: Es waren sechs Leute auf dem Podium: das ganze Synodenteam, Weihbischof Steinhäuser, der in seiner Zeit diesen Prozess vorangetrieben hat und natürlich der Kardinal.

Eigentlich wurde nur auf den Kardinal geschielt. Die Fragen gingen auch nur an den Kardinal. Es war ein großer Presseandrang. Die Agenturen waren da, die großen Fernsehmedien ebenso.

Ich würde mal sagen, der Kardinal wirkte bemüht, sehr locker rüber zu kommen und zu sagen, das sei doch alles kein Problem, man habe alles im Griff. Die Fragen zur Weltsynode sind im Erzbistum jetzt gesammelt worden und gehen nach Rom und dann guckt man mal weiter.

Die Journalisten haben natürlich immer wieder nachgehakt. Sie haben gefragt, was er denn zu den Fragen sage. Kardinal Woelki hat geantwortet, dass er doch ganz locker darüber lächeln könne. Er sehe doch, was es alles an Stimmen gebe. Seine Position zu den Forderungen sei auch kein Geheimnis.

Aber man müsse doch berücksichtigen, dass dies nur die Voten aus dem Erzbistum Köln seien. Die Voten kämen aus Europa, aus allen Teilen der Weltkirche. Und was dann irgendwann im Jahr 2023 in Rom entschieden werde, das schaue man mal.

DOMRADIO.DE: Gab es denn von Kardinal Woelki in der Pressekonferenz überhaupt eine Nachricht, mit der er überrascht hat?

Ingo Brüggenjürgen

"Der Kardinal wünscht sich da eine breite Beteiligung des Volkes Gottes."

Brüggenjürgen: Die Journalisten haben mehrfach versucht, irgendwas aus ihm herauszukitzeln. Aber er hat eigentlich immer nur gesagt, dass er jetzt nur der Bote sei.

Der Papst hat gesagt, es sollen Stimmen gesammelt werden. Diese gesammelten Stimmen gibt Kardinal Woelki nun an die Deutsche Bischofskonferenz und von dort aus an den Papst weiter.

In einem kuzen Interview nach dem Pressetermin konnte ich bei Kardinal Woelki doch nochmal nachhaken, wie er sich zum Beispiel die Weltsynode der Bischöfe vorstellt. Ich habe ihn gefragt, ob da in Rom dann nicht Laien in gleicher Anzahl und mit gleicher Stimmberechtigung zu Wort kommen sollen. Und er hat gesagt, das finde er eigentlich gut. Also, der Kardinal wünscht sich da eine breite Beteiligung des Volkes Gottes.

Das Interview führte Dagmar Peters.

Radikale Reformen in Köln gefordert

Katholiken im Erzbistum Köln votieren in einer vom Papst angestoßenen Befragung für radikale Reformen in ihrer Kirche. Laut einem vom Erzbistum Köln auf seiner Internetseite veröffentlichten Bericht fordert ein Großteil der Teilnehmenden mehr Selbstbestimmung der Gläubigen. Die Macht der Kirchenleitung und Priester sei deutlich zu reduzieren. Ämter, Dienste und Funktionen sollten nur auf Zeit vergeben werden und Kirchenmitglieder demokratisch mitbestimmen, etwa bei der Bischofswahl.

Blick auf den Kölner Dom / © fokke baarssen (shutterstock)
Quelle:
DR