Unter dem Leitwort "Wenn er mich anruft, dann will ich ihn erhören" (Ps 91,15a) lädt der Erzbischof von Köln die Gläubigen ein, die kommende Fastenzeit bewusst als Zeit der Nähe zu Gott und zu den Mitmenschen zu gestalten – mit einem einfachen, aber eindringlichen Impuls: täglich "acht Minuten Zeit".
Ausgehend von einer persönlichen Begegnung schildert Kardinal Woelki, wie schon wenige Minuten aufmerksamen Zuhörens in belastenden Lebenssituationen neue Kraft schenken können. Dieses Bild der "acht Minuten" überträgt er auf die Fastenzeit: als Einladung, füreinander da zu sein, Einsamkeit wahrzunehmen und Menschen in schwierigen Lebenslagen nicht allein zu lassen. Besonders Jugendliche und junge Erwachsene litten heute unter Überforderung, Zukunftsängsten und Einsamkeit – umso wichtiger seien Orte der Freundschaft und Verlässlichkeit.
"Wie großartig wäre es, in dieser Fastenzeit genau darauf zu achten: Wer braucht acht Minuten Zeit von mir – einfach, in- dem ich zuhöre, einfach, indem ich da bin, in kleinen Zeichen und Gesten der Aufmerksamkeit und der Nähe?", schreibt der Kardinal. "Vielleicht ist es ein kurzer Anruf, ein gemeinsamer Spaziergang, ein stilles Gebet füreinander. Es sind oft die kleinen Dinge, die Großes bewirken."
Die Kirchengemeinden im Erzbistum beschreibt Kardinal Woelki als solche "Orte der Freundschaft", an denen Menschen willkommen sind, gesehen werden und Gemeinschaft erfahren können. Er ermutigt ausdrücklich dazu, in der Fastenzeit auch jene einzuladen, die der Kirche fernstehen oder lange keinen Kontakt mehr mit ihr hatten. Kleine Gesten – ein Anruf, ein gemeinsamer Weg, ein stilles Gebet – könnten Großes bewirken.
Freundschaft mit Gott
Zugleich lenkt der Fastenhirtenbrief den Blick auf die Freundschaft mit Gott. Acht Minuten am Tag, bewusst Gott geschenkt, könnten dazu beitragen, die Vertrautheit mit ihm neu zu entdecken – im Gebet, in der Heiligen Schrift, in der Eucharistie oder in der stillen Anbetung. Gott, so Kardinal Woelki, sei in Jesus Christus nahe gekommen und bleibe an der Seite der Menschen, gerade in Zeiten von Umbruch, Unsicherheit und Angst.
Mit Blick auf die gesellschaftlichen und kirchlichen Herausforderungen der Gegenwart ruft der Kölner Erzbischof dazu auf, gerade jetzt Zeichen des Vertrauens, der Hoffnung und des Glaubensmutes zu setzen. Neue Gebetsinitiativen, Anbetungszeiten, soziale Projekte oder ein offenes persönliches Glaubenszeugnis könnten Ausdruck dieses Mutes sein.
Abschließend lädt Kardinal Woelki alle Gläubigen ein, in dieser Fastenzeit täglich Zeit zu verschenken: Gott, einem Freund oder einem Menschen, der Nähe braucht. "Damit niemand allein bleibt", so der Erzbischof, solle die Nähe und Liebe Gottes weitergegeben werden.
Der Fastenhirtenbrief 2026 wird im Erzbistum Köln in den Gottesdiensten am ersten Fastensonntag verlesen, liegt in den Kirchen in gedruckter Form aus und wird digital veröffentlicht.
Musikalische Gestaltung durch das Vokalensemble Kölner Dom
Der Kammerchor der Hohen Domkirche singt unter der Leitung von Alexander Niehues in der Messe u. a. Werke von Johannes Brahms und Felix Mendelssohn Batholdy – von letzterem das berühmte Werk "Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir". An der Orgel spielt Winfried Bönig.
Die Motette greift damit das Sonntagsevangelium auf, in dem es um Jesus und die Versuchung, aber eben auch Engel geht.
Aus dem Matthäusevangelium
In jener Zeit wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel versucht werden. Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.
Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen, und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.
Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.
Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen. Darauf ließ der Teufel von ihm ab und siehe, es kamen Engel und dienten ihm. (Mt 4,1-11)
Auslegung zum Sonntagsevangelium von Wolfgang Trilling
Die zweite Versuchung führt Jesus „in die Heilige Stadt“. Das ist Jerusalem, allein von Matthäus mit diesem Titel ehrfürchtig benannt. Auf der Zinne des Tempeldaches stehen sie beide. Der Teufel fordert ihn auf, sich herabzustürzen, im Vertrauen auf das Wort des Psalmes, nach dem Gott seine Engel aufbieten wird, damit seinem Frommen nichts schade (Ps 91, 11 f.). Um wie viel mehr wird diese Zusage für den „Sohn Gottes“ gelten! In der ersten Versuchung hat sich das Vertrauen Jesu auf Gott glänzend bewährt. Es ist doch ein Leichtes, dieses eben ausgesprochene Vertrauen noch einmal unter Beweis zu stellen! Das, was du eben bekannt hast, in einer mutigen Tat zu beweisen! Ist dieses Vertrauen so vorbehaltlos und gewaltig, dann kann mein Vorschlag nicht als vermessen gelten!
Dem schriftgewandten Verführer antwortet Jesus ebenfalls mit einem Schriftwort, das das fein gesponnene Gewebe des anderen durchschlägt: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen“ (Dt 6, 16). Wenn ich das täte, was du erwartest, so spricht Jesus, dann wäre das nicht ein Beweis meines Vertrauens, sondern das Gegenteil: peirasmos, die große Versuchung zur Entzweiung, zum Abfall. Gott lässt sich nie zwingen. Er bleibt der unbeschränkt waltende Herr. Er lässt seine Hilfe nicht vorschreiben und von Menschen in Dienst nehmen. Sein Eingreifen ist immer frei geschenkte Gnade. Auch der Messias steht so vorbehaltlos erwartend vor ihm, dass er alles ihm überlässt. Gewiss, sein Vertrauen ist unbegrenzt, aber gerade auch in dem Sinne unbegrenzt, dass er „nichts aus sich selber tun kann, sondern nur, was er den Vater vollbringen sieht“ (Joh 5, 19). Gott muss ganz und in allem Herr sein
Wolfgang Trilling (deutscher Neutestamentler, 1925–1993), aus: Ders., Das Evangelium nach Matthäus, 1. Teil (Geistliche Schriftlesung 1/1), Düsseldorf, 3. Auflage 1965, 69–70, © Oratorium Leipzig