Domkapitular Thomas Weitz hat in seiner Predigt am sechsten Sonntag im Jahreskreis, Karnevalssonntag, über den Weltuntergang gepredigt. Bereits im Evangelium würden endzeitliche Töne angeschlagen, bei denen Jesus die größte Gerechtigkeit bei seinen Jüngern fordert, nicht nur damals, sondern auch heute, so der Domkapitular. "Ihr habt gehört, was zu den Alten gesagt worden ist. Doch da kommt etwas Neues, dem das Alte anscheinend weichen muss – Untergang."
Auch am Karneval erkennt Domkapitular Weitz eine Parallele zur apokalyptischen Vorahnung des Evangeliums, denn der Karneval stehe "im Zeichen der Unordnung" und die Ordnung des Alltags in Frage stellte. Er sei ein Hauch von Weltuntergang, "aber mit Freude und Spaß" und Verkleidung.
Wenn Kinder über das gewählte Karnevalskostüm erzählten, lasse sich eine Idee einer anderen Welt erkennen, die sich durch Schönheit und Stärke auszeichnet. Hier fänden sie etwas, das "sie sonst im Alltag nicht haben". So sei auch die Verkleidung eine Maske, durch die man in eine andere Welt eintauche. Der Karneval lade in diese neue Welt ein.
Masken seien nicht nur im Karneval da, sondern auch im Alltag. Jede und jeder zöge mal eine Maske auf, um nicht erkannt zu werden, sich zu schützen vor Kommentaren, Blicken, Unverständnis. Gott aber, der in unsere Welt gekommen sei, habe sich nicht verkleidet.
Mit dem Kreuzestod Christi habe eine alte Welt geendet und eine neue begonnen - ein Weltuntergang. Der Karneval sei "eine Einladung", uns der Welt zu stellen" und "sich nicht einzuschließen in die Mauern", sondern vielmehr aufeinander zuzugehen, die eigenen Masken abzulegen - "vertrauend auf den Herrn und die Liebe der anderen".
Auch dort, wo die Wahrheit des Lebens meines Gegenübers mich herausfordere. Auch dann, wenn es einfacher erscheint, im Kleinen und Engen zu bleiben, wo mich niemand stört. Karneval lade ein in eine andere Welt: Weltuntergang -"damit neue Welt wird".
Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von den Männerstimmen des Domchores. Sie sangen unter der Leitung von Valentin Bauer. An der Domorgel spielte Matthias Wand.
Registerzug "Loss jonn"
Zweimal im Jahr, am Sonntag vor Rosenmontag und zum ökumenischen Gottesdienst zur Eröffnung des Karnevalssession, wartet die Kölner Domorgel am Ende des Gottesdienstes mit einer Besonderheit auf: Mit dem Registerzug "Loss jonn" der Schwalbennestorgel im Langhaus öffnet sich unter dem Gehäuse eine Luke und der verstorbene Dompropst Bernhard Henrichs schaut mit Narrenkappe nach draußen, während auf der Orgel der Karnevalsschlager "Mer losse de Dom in Kölle" erklingt.
Spanung herrscht jedesmal, denn aufgrund des seltenen Einsatzes und der schwankenden Temperaturen im Dom funktioniert ab und zu dieses besondere Register nicht und die Figur fährt nicht aus der Orgel heraus.
Aufgrund des Karnevals entfällt das Musikalische Abendgebet im Kölner Dom um 17:30 Uhr und damit auch die Live-Übertragung bei DOMRADIO.DE.