Beim Betreten der Kirche in Köln-Longerich fallen sofort die großen Ausstellungstafeln auf. Insgesamt 15 Stück geben Einblick in das Leben und die Vielfältigen Begabungen der Heiligen Hildegard von Bingen. Die Begleitbroschüre nennt sie eine "Universalgelehrte".
Sie habe ein umfangreiches und facettenreiches Werk hinterlassen, da sie gleichermaßen Ordensfrau und Wissenschaftlerin, Theologin und Philosophin, Ärztin und Naturheilkundige und, Musikerin und Dichterin war. Darum widmet die Pfarrei St. Dionysius ihr eine dreiwöchige Ausstellung.
Das Rahmenprogramm der Ausstellung bietet unterschiedliche Angebote und Impulse der 2012 heiliggesprochenen Hildegard. Frau Horstert-Hack und Herr Brixius von Seiten des Katholischen Bildungswerks eröffneten zusammen mit der Musikwissenschaftlerin und Kantorin Frau Dr. Wilhelm die Ausstellung nach dem Eröffnungsgottesdienst.
Vorbild und Visionärin
Hildegard von Bingen ist acht, als ihre Eltern sie in die Obhut eines Klosters geben. Sie ist eine sogenannte Oblatin. Ihr Leben wird Gott geweiht. Anfangs widerstrebt der jungen Hildegard die Entscheidung ihrer Eltern. Später schreibt sie, dass eine solche Entscheidung immer aus freiem Willen entstehen müsse.
Ihre Willenskraft wird ihr später einen unvergesslichen Ruf bescheren. Noch heute ist Hildegard von Bingen ein Vorbild für unabhängige Frauen. Sie weiß: "Ehrlich zu sein ist nicht immer bequem, aber immer notwendig."
Am eigenen Leibe erfuhr die junge Hildegard mit 15 Jahren, dass das Schweigen, um etwas zurückzuhalten, krank machen kann. Sie hat Visionen und wird gebeten, alles aufzuschreiben, was sie in diesen sieht und hört. Anfangs weigert sie sich und wird krank. Erst als sie beginnt, ihre Visionen niederzuschreiben und ihren Mitschwestern zu erzählen, wird sie wieder gesund.
Die Seele ist eine Symphonie
Doch die Visionen inspirieren sie nicht nur zu Schriften, sondern auch zu Gesängen. Oftmals versuchte sie, nach einer solchen das Erfahrene in Klängen auszudrücken. So zum Beispiel in dem Gesang "Spiritus Sanctus vivificans" (dt.: Der heilige Geist ist Leben).
Während der Ausstellungseröffnung ließ Dr. Ursula Wilhem diesen und weitere Gesänge erklingen. Zu Hilfe nahm die promovierte Musikwissenschaftlerin ein sogenanntes Portativ. Eine Art tragbarer Orgel mit händisch betriebenem Blasebalg. Portative waren oft in Klöstern im Einsatz und sind auf vielen mittelalterlichen Malereien zu sehen.
Auch Hildegard von Bingen setzte Instrumente ein. Sie schrieb, die Seele sei einer großen Symphonie ähnlich, der der Leib eine lautstarke Stimme verleihe. So sei es die Aufgabe des Leibes gemeinsam mit der Seele Gott zu singen und ihn mit Musikinstrumenten zu loben.
Die Ausstellung kann noch bis zum 22. März zu den Öffnungszeiten der Kirche besucht werden und ist kostenfrei. Danach werden die 15 Tafeln wieder ins Bistum Limberg zurückkehren. Von dort waren sie erstmalig an das katholische Bildungswerk des Kölner Erzbistums verliehen worden.