Rabbiner und der Zentralrat der Juden in Deutschland setzen weiter auf einen engen Austausch mit der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und ihrem neuen Vorsitzenden. Mit Bischof Heiner Wilmer verbinden die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland und die Allgemeine Rabbinerkonferenz die Hoffnung auf einen guten jüdisch-christlichen Dialog.
Zentralratspräsident Josef Schuster hob hervor, dass Wilmer direkt nach seiner Wahl am Dienstag deutliche Worte zur Bedeutung eines guten Verhältnisses zwischen katholischer Kirche und jüdischer Gemeinschaft geäußert habe.
Dies nehme er erfreut zur Kenntnis, sagte Schuster der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch. Wilmers Worte reihten sich ein in eine "sehr deutliche Positionierung" des Bischofs von Hildesheim in den vergangenen Jahren, insbesondere nach dem Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. "Ich bin sicher, dass wir den engen Austausch, den bereits seine Vorgänger Kardinal Marx und Bischof Bätzing gepflegt haben, ohne Einschränkungen werden fortsetzen können."
Die Vorsitzende der Allgemeinen Rabbinerkonferenz (ARK), Rabbinerin Elisa Klapheck, sagte der KNA: Wilmer habe sein Amt in einer schwierigen Zeit für die katholische Kirche mit vielen Baustellen übernommen. "Wir freuen uns, dass er das gute Verhältnis zur jüdischen Gemeinschaft und das Thema Judentum zu einer seiner Prioritäten erklärt hat." Bei der ARK, in der nicht-orthodoxe Rabbinerinnen und Rabbiner organisiert sind, finde er Gehör. "Wir freuen uns auf einen ergiebigen Dialog."
Klarheit und Respekt
Der Vorstand der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD), die Rabbiner Avichai Apel, Zsolt Balla und Yehuda Pushkin, hofft auf eine Stärkung des jüdisch-christlichen Dialogs - "getragen von Klarheit, Verlässlichkeit und gegenseitigem Respekt". Die während des Zweiten Vatikanischen Konzils verabschiedete Erklärung "Nostra aetate" bleibe das Fundament des Miteinanders und ein "unverzichtbarer moralischer Kompass", sagten die Rabbiner der KNA.
Heute brauche es mehr denn je einen vertieften Dialog, der auch in die Gesellschaft hineinwirke. "Die zunehmende Polarisierung im Zusammenhang mit Israel belastet das jüdische Leben konkret und spürbar. Umso wichtiger ist eine klare und glaubwürdige Stimme der Kirchen, die zur Versachlichung beiträgt, Polarisierung und Extremismus entgegenwirkt und die Sicherheit und Würde jüdischen Lebens stärkt."
Die ORD sei bereit, mit der Deutschen Bischofskonferenz und weiteren religiösen Akteuren diesen Weg zu gehen - im Bewusstsein einer gemeinsamen Verantwortung vor Gott und den Menschen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für eine Zukunft, "in der jüdisches Leben sicher, sichtbar und in Würde in einem friedlichen und toleranten Umfeld bestehen kann".
Gute Vernetzung
Wilmer war am Dienstag bei der Frühjahrsvollversammlung der deutschen katholischen Bischöfe in Würzburg als Nachfolger von Bischof Georg Bätzing gewählt worden. In seinem ersten Statement als Vorsitzender hatte Wilmer den Glauben als eine Quelle von Kraft und Weite bezeichnet, der Generationen verbinde und Räume der Hoffnung öffne. Dies lebten Katholiken in ökumenischer Verbundenheit mit ihren evangelischen und orthodoxen Geschwistern sowie mit allen Juden und Muslimen.
Im "heute journal" des ZDF sagte Wilmer dann am Abend im Zusammenhang mit der Frage, warum er gewählt worden sei, dass er gut vernetzt sei in der Ökumene, in der Orthodoxie und mit den jüdischen Schwestern und Brüdern.