In seinem ersten Statement als neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz hat Heiner Wilmer auf die Rolle der Kirche für die Gesellschaft verwiesen: "Die katholische Kirche ist attraktiv", sagte der Bischof von Hildesheim am Dienstag vor Journalisten in Würzburg nach seiner Wahl.
Kirche als Säule in der Gesellschaft
Die Kirche sei für viele Menschen ein wichtiger Anker und mit ihrem sozialen Engagement eine Säule in der Gesellschaft. Die katholische Soziallehre bezeichnete Wilmer als eine "prophetische Stimme für alle Menschen". Diese gelte es, stärker werden zu lassen.
Die Katholiken in Deutschland wollten ihre Kirche selbstbewusst und demütig in eine neue Zeit führen. Es gebe dabei unterschiedliche Wege, um aus dem Evangelium zu leben, aber man folge Jesus Christus gemeinsam nach, betonte Wilmer. Die Katholiken im Land bezeichnete er als "das lebendige Gesicht der Kirche." Gemeinden, Verbände, Caritas, Schulen und Familien trügen den Glauben. Dieser sei eine Quelle von Kraft und Weite, verbinde Generationen und öffne Räume der Hoffnung.
Dies lebten Katholiken in ökumenischer Verbundenheit mit ihren evangelischen und orthodoxen Geschwistern sowie mit allen Juden und Muslimen.
Botschafterin des Friedens
Die Kirche wolle Botschafterin des Friedens sein, betonte Wilmer weiter. Das gelte angesichts der vielen Krisen und politischen Auseinandersetzungen in der ganzen Welt, aber auch mit Blick auf die Stimmung in der deutschen Gesellschaft. Die christliche Hoffnung sei größer als ein naiver Optimismus, so der neue Vorsitzende. Die Kraft des Evangeliums sei es, aus einer Haltung der Demut stark zu sein.
Missbrauchsbetroffene hören
In seiner Ansprache wandte sich Wilmer auch an Betroffene sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. "Ihre Stimmen haben Gewicht", betonte der Hildesheimer Bischof. Diese Stimmen müssten gehört werden. Jeder Schritt der Aufarbeitung gewinne durch das Zeugnis von Betroffenen an Tiefe und Wahrheit.
Dieser Weg sei von Zuhören und Verlässlichkeit geprägt, so Wilmer weiter. "So entsteht ein Raum, in dem Würde geschützt ist und Vertrauen neu wachsen kann." Zugleich gebe es in Bezug auf das Thema Missbrauch Verletzungen und Kränkungen auf beiden Seiten.
Kompetenz von Frauen sichtbar machen
Zu innerkirchlichen Reformen äußerte sich Wilmer zurückhaltend. "Meine Hauptaufgabe sehe ich darin, Gott ins Zentrum zu stellen", sagte der Hildesheimer Bischof nach seiner Wahl.
Auf die Frage, ob er für eine Priesterweihe von Frauen sei, sagte er: "Es geht darum, die Kompetenz von Frauen sichtbar zu machen und wichtige Positionen mit Frauen zu besetzen." Er begrüße es, "dass die Weltsynode das Thema Frauen in Ämtern auf der Tagesordnung hat".
Bischofskonferenz gespalten
Erwartet wird vom neuen Vorsitzenden, dass er die Spaltung der Bischofskonferenz beim Umgang mit dem deutschen Reformprojekt Synodaler Weg überwindet und auch Differenzen mit dem Vatikan beilegt. Vier Bischöfe hatten sich aus dem Reformprojekt zurückgezogen, in dem es etwa um innerkirchliche Gewaltenteilung, eine neue Sexualmoral und um Weiheämter für Frauen geht.
In der Kirchenleitung in Rom gab es ebenfalls starke Bedenken – auch gegen die geplante Einrichtung eines synodalen Gremiums von Bischöfen und Laien auf Bundesebene. Die Satzung dieser Synodalkonferenz soll in Würzburg abgesegnet werden.
Auf die Frage, wie er die Bischofskonferenz in diesen Fragen zu einer Einheit führen will, ging Wilmer nicht konkret ein, sondern sagte: "Ich bin fest davon überzeugt, dass alle meine Mitbrüder Gleiches wollen, nämlich das Evangelium zu verkünden, die frohe Botschaft zu leben und auszustrahlen und so im Sinne des Höchsten zu handeln."
Wilmers Amtsvorgänger, der Limburger Bischof Georg Bätzing, hatte sich in den vergangenen Jahren entschieden für den Synodalen Weg eingesetzt und sich für die Weihe von Frauen ausgesprochen.