Schon im Vorfeld hatte es großes Medieninteresse am Ausgang der Wahl zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gegeben. Der stern titelte: "Bischöfe suchen Dickhäuter mit Spagat-Künsten" und machte damit klar, dass der neue Bischof an der Spitze viele Qualitäten mit sich bringen muss. Hat der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer diese Erwartungen getroffen?
Bereits seine ersten Worte bei der Pressekonferenz kurz nach der Wahl erregten Aufsehen: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade", so begann der Ordensmann sein Statement mit einem Zitat aus dem Lukasevangelium.
"Das muss selbst ein Bischof erst mal bringen", schreibt dazu der Kölner Stadt-Anzeiger, denn das Statement klinge fast wie eine Predigt. Und die Süddeutsche Zeitung textet: "Wilmer setzt sich stark für das Thema Evangelisierung ein und entsprechend geistlich war auch sein erster Auftritt vor der Presse."
Brückenbauer zwischen den Bischöfen
Gerade dieses fromme Profil habe ihn wohl auch für die konservativen Bischöfe wählbar gemacht, vermutet die Süddeutsche. Denn seine Aufgabe wird sein, die Mitbrüder nach turbulenten Jahren wieder mehr miteinander zu verbinden. Wilmers norddeutsche Wurzeln könnten ihm dabei helfen, kommentiert die Autorin Annette Zoch: "Stürme schrecken den Bauernsohn aus dem Emsland, der sowohl Traktorfahren als auch Theologie kann, nicht."
Im ZDF heute journal wird Wilmer noch am Abend der Wahl in einem Portrait vorgestellt, bevor er live zur Sendung dazu geschaltet wird. Im Einspieler heißt es: "Bischof Wilmer braucht viel Fingerspitzengefühl, um Brücken zu bauen, innerhalb der Bischofskonferenz und in Richtung Vatikan." In dem kurzen Film werden auch seine Italienisch-Kenntnisse hervorgehoben. Sie dürften "ihm helfen im schwierigen Dialog mit dem Vatikan. Keiner seiner Vorgänger als Vorsitzender ist in der Weltkirche herumgekommen wie er."
"Guter Draht in den Vatikan"
Dass Wilmer ein Mann von Welt ist, unter anderem durch seine Lebensetappen in der Bronx und in Rom, betonen viele Medien in ihren Einschätzungen zu dem neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz. DOMRADIO.DE-Redakteur Roland Müller schreibt dazu: "Ein guter Draht in den Vatikan ist für die Kirche in Deutschland besonders wichtig, denn während des Synodalen Wegs kam es immer wieder zu Unstimmigkeiten mit der Kurie." Die Wogen seien erst durch persönliche Treffen vor Ort geglättet worden.
Für solche Gespräche helfe die Sprachkompetenz Wilmers, meint auch der Kölner Stadtanzeiger. Es gehe jedoch um viel mehr als nur darum, italienisch zu können. Man müsse auch den Kommunikations-Stil im Vatikan beherrschen: "biegsam, blumig, arabesk, reich an Ober- und Untertönen, aber auch achtsam für Hierarchien (und) Etikette", schreibt der Autor Joachim Frank.
"Rom-Flüsterer"
"Dass der neue Vorsitzende ein Rom-Flüsterer, ein Versteher des 'modo romano' sein sollte, stand nach Auskunft eines Bischofs weit oben auf einer virtuellen Wunschliste", so der Kölner Stadtanzeiger. Das sei Bätzings Sache nicht gewesen, was auch die Spannungen zwischen Deutschland und Rom in der Frage nach strukturellen Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal erkläre.
Ein weiterer Unterschied zu seinem Vorgänger wird an dem "neuen Ton" festgemacht, den Wilmer an den Tag lege. Er unterstütze zwar viele Reformanliegen, beispielsweise auch des Synodalen Wegs, exponiere sich aber in Debatten nicht, stellt die Frankfurter Allgemeine Zeitung fest.
In der Pressekonferenz habe er sich zu heiklen Themen äußerst vorsichtig geäußert. Das liege wohl nicht zuletzt an einer Erfahrung aus der Vergangenheit, vermutet der FAZ-Autor Thomas Jansen: Im Jahr 2018 stellte Wilmer in einem Interview die gewagte These auf, Missbrauch stecke in der "DNA der Kirche". Das rief auch unter seinen Amtskollegen damals starken Widerspruch hervor.
"Verdienter Aufstieg"
Die deutsche Presse schätzt Bischof Wilmer also in ihren ersten Reaktionen mehrheitlich als geeignet für seine neue Rolle ein. Doch Roland Müller von DOMRADIO.DE, der Bischof Wilmer schon einmal einen Tag lang persönlich begleiten durfte, wagt es auch, ein mögliches Problem für die kommenden sechs Jahre seiner Amtszeit anzusprechen: "Der neue Vorsitzende wirkt medial oft steif und eher nicht locker." Seine Antworten auf die Fragen der Journalisten und Journalisten seien bedächtig und alles andere als lebhaft.
Die Hildesheimer Allgemeine Zeitung freut sich hingegen über die "gute Nachricht" der Wahl ihres Ortsbischofs. Sie sieht seinen Aufstieg als "verdient" an und sammelt die Reaktionen und Glückwünsche.
Nun muss Bischof Wilmer erst einmal seine vielen Presseanfragen abarbeiten. In den kommenden Wochen und Monaten wird sich zeigen, welche Seiten die Medien noch am neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz entdecken.