Jesuit kritisiert Schulung kirchlicher Führungskräfte

"Schlicht überfordert"

Der US-Jesuit David McCallum kritisiert eine häufig nicht ausreichende Ausbildung kirchlicher Führungskräfte. Auch Papst Franziskus sei in puncto Menschenführung nicht perfekt und mitunter sehr hart zu seinen eigenen Leuten.

Unternehmer und Jesuit David McCallum / © Severina Bartonitschek (KNA)
Unternehmer und Jesuit David McCallum / © Severina Bartonitschek ( KNA )

"Sie waren gut als Theologe oder Philosoph, und plötzlich sollen sie erfolgreich eine Abteilung leiten, ohne je dafür geschult worden zu sein. Wer macht sowas?", fragte McCallum im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch in Rom. Dies könne in solchen Positionen etwa zu Kontrollzwang führen, um eine Art Ordnung herzustellen.

Negative Reaktionen von solchen Neu-Führungskräften erfolgten nicht, weil sie schlechte Menschen seien. Sie seien schlicht überfordert von der großen Verantwortung und den vielen Erwartungen, so der Jesuit.

Hochrangige Mitarbeiter aus dem Vatikan zählen zu Teilnehmern

McCallum leitet ein Schulungsprogramm für kirchliche Führungskräfte. Zu den Teilnehmern zählen auch hochrangige Mitarbeiter aus dem Vatikan sowie Leiter von Orden und Laien aus katholischen Organisationen. In drei Phasen lernen die Frauen und Männer, wie effektive Führung funktioniert. Dabei werden sie von Coaches und spirituellen Beratern geschult. Das Training findet ausschließlich in größeren gemischten Gruppen statt.

Das sei wichtig für die Weltsicht der Teilnehmer und damit auch für die Art, wie sie ihre Führungspositionen einnehmen, so McCallum. Bereichernd sei dies auch für Geistliche, die oft Schwierigkeiten hätten, etwas von Außenstehenden zu lernen. "Ich würde sagen, es gibt eine Art Transformation oder Bekehrung, und sie erkennen, wie viel sie lernen können von Ordensfrauen, die etwa Missionarinnen sind, oder von Laien, die hoch qualifiziert sind – oft weitaus qualifizierter als sie selbst", erklärte der Jesuit.

Papst sehr hart zu Geistlichen

Auch Papst Franziskus ist nach Ansicht des Führungskräfte-Experten in puncto Menschenführung nicht perfekt. Das Kirchenoberhaupt sei zwar eine außergewöhnliche Führungskraft, sagte McCallum. "Aber ich glaube auch nicht, dass er denkt, er sei perfekt."

Vor allem die Art, wie der Papst etwa den Klerikalismus angreife, komme ihm ein wenig hart vor, so McCallum. Er frage sich, ob es da nicht einen anderen Ansatz gebe, ohne die Menschen in die Enge zu treiben. Besonders mit Priestern und deren Ausbildern geht Franziskus öffentlich immer wieder hart ins Gericht. Zuletzt nannte er etwa Geistliche, die bei der Beichte keine Absolution erteilen, Verbrecher.

McCallum lobte, dass der Papst keine Angst vor Kritik habe und in der Lage sei, die Komplexität der Welt und die realen Schwierigkeiten der Menschen zu erfassen. "Grundsätzlich hat er immer wieder gezeigt, dass er Integrität besitzt. Wenn er Fehler macht, entschuldigt er sich und bemüht sich, das Geschehene aufzuarbeiten", so der Jesuiten-Pater.

Klerikalismus

Klerikalismus bezeichnet das Bestreben, der Geistlichkeit einer Religion mehr Einfluss in einem Staat zu verschaffen, oder das Bestreben, der Geistlichkeit innerhalb einer Religion im Vergleich zu den Laien mehr Gewicht zu geben. In der Philosophie und Politikwissenschaft steht Klerikalismus auch für die Herrschaft des Klerus bzw. der Priester. Innerkirchliche klerikale und antiklerikale Strömungen gibt es heute in den meisten großen christlichen Kirchen mit zyklisch wechselndem Übergewicht.

Papst warnt neue Bischöfe vor Klerikalismus (VN)
Papst warnt neue Bischöfe vor Klerikalismus / ( VN )

Quelle:
KNA