Weihbischof Puff fordert bundesweiten Lockdown

"Ich bin bereit, meine persönliche Freiheit einzuschränken"

Über 400 Tote jeden Tag. Deutschland dürfe sich an diesen Zustand nicht gewöhnen, meint Kölns Weihbischof Ansgar Puff. Er fordert in seinem täglichen DOMRADIO.DE-Impuls einen bundesweit einheitlichen Lockdown. 

Weihbischof Ansgar Puff / © Harald Oppitz (KNA)
Weihbischof Ansgar Puff / © Harald Oppitz ( KNA )

Stell dir vor, ein voll besetztes Flugzeug stürzt über Deutschland ab. 400 Tote sind zu beklagen. Wenn so was passiert, trauert die ganze Nation. Die Bundeskanzlerin drückt ihr Mitgefühl aus, es gibt einen Trauergottesdienst in einer zentralen Kirche. Die Zeitungen sind voll mit den Details dieser schrecklichen Katastrophe. 

Was wäre aber, wenn wochenlang jeden Tag ein Flugzeug mit 400 Passagieren abstürzen würde? Unvorstellbar, oder? Aber über 400 Tote gibt es in diesen Wochen tatsächlich jeden Tag. Menschen, die an oder mit Corona gestorben sind. Vergangenen Mittwoch waren es 487 Tote, am Freitag 432, am Samstag 483. 

Es sind keine Zahlen, das sind alles Menschen, die gerne Weihnachten gefeiert hätten, die jetzt von ihren Angehörigen schmerzlich vermisst werden. Menschen, um die Ärztinnen und Pfleger im Krankenhaus gekämpft haben. 

Ich gebe zu, das Ausmaß dieser Katastrophe habe ich nicht im Blick gehabt, bis mir ein Bekannter in einem Gespräch diesen Vergleich mit dem abstürzenden Flugzeug nahe brachte und mir die Augen öffnete. Heute ruft Bayern den Katastrophenfall aus. Das Land verhängt strengere Ausgangsbeschränkungen: Wechselunterricht in den Schulen, auch ein nächtliches Ausgehverbot bei Inzidenzzahlen über 200. 

Ich wünsche mir inzwischen einen solch härteren Lockdown für ganz Deutschland, denn es zeigt sich ja, dass die Zahlen nicht runtergehen, dass die Krankenhäuser voll sind und dass viel zu viele Menschen sterben. Ich bin bereit, meine persönliche Freiheit einschränken zu lassen, denn die persönliche Freiheit endet da, wo andere in Gefahr geraten. 

Jetzt sind Transparenz, Augenmaß und Konsequenz wichtig. Darum bete ich im Nachtgebet für die Politiker, dass sie den Mut haben, unbequeme Entscheidungen zu treffen. Ich bete für uns alle, dass wir bereit sind, unsere Freiheiten zurückzunehmen, um andere zu schützen - und ich bete für die vielen Angehörigen, die in diesen Tagen vor Weihnachten ihre Toten betrauern. 

Weihbischof Ansgar Puff

Quelle:
DR
Mehr zum Thema